Magazin: CD-Kritiken
Dmitri Kabalevsky: Preludes

Details zu Dmitri Kabalevsky: Preludes: Michael Korstick, Klavier

Dmitri Kabalevsky: Preludes: Michael Korstick, Klavier

Starker Einsatz

Nach den Klavierkonzerten und Sonaten hat Michael Korstick nun sämtliche Preludes von Dmitrij Kabalewskij aufgenommen.

Da gibt es ein paar Dinge, die auf Anhieb auffallen, selbst bei oberflächlichem Hören. Zunächst einmal der exzellente Klang dieser neuen Platte, die das Label cpo zusammen mit dem Deutschlandfunk produziert hat. Dann der an einigen Stellen ungewöhnlich kraftvolle Anschlag, mit dem der Pianist Michael Korstick seinem Ruf als Donnergott wieder alle Ehre macht. Außerdem immer wieder ein Klaviersatz, der spektakulär virtuos klingt.

Die Stücke selbst dürfte kaum jemand kennen, Michael Korstick hat hier sämtliche Preludes von Dmitrij Kabalewskij (1904-1987) vorgelegt. Das ist bemerkenswert, weil Kabalewskij nicht gerade den allerbesten Ruf genießt (zu konventionell für seine Zeit, zu wenig Distanz zum sowjetischen System), weil Michael Korstick sich indes außerordentlich stark für ihn einsetzt, er hat nämlich auch schon sämtliche Klavierkonzerte und Sonaten dieses Komponisten eingespielt. Und man darf dem Pianisten schon vertrauen, immer wieder präsentiert er unbekannte, aber spannende Musik, neben Kabalewskij zum Beispiel den Franzosen Charles Koechlin, der heute allenfalls für seine farbige Instrumentierungskunst noch ein gewisses Renommee besitzt.

Reizvolle Miniaturen

Das Hauptwerk dieser neuen Platte nun sind 24 Preludes in allen Tonarten, die Kabalewskij 1943 schrieb. Der Zyklus dauert insgesamt nur 45 Minuten, die einzelnen Preludes sind also recht kurz. Gerade 34 Sekunden dauert etwa die Nr. 2, am längsten ist das letzte Prelude, bei Michael Korstick drei Minuten 47 Sekunden. Dass diese kurzen Miniaturen ihren Reiz haben, liegt außer der erforderlichen brillanten Virtuosität vor allem daran, dass Kabalewskij sich hier aus dem Schatz der russischen Folklore bedient hat. Auch wenn man die verwendeten Themen und Motive nicht kennt, so vermittelt sich doch durch sie eine besondere Stimmung. Zudem zeigt Kabalewskij erhebliche Kreativität im Umgang mit diesem Material.

Neben diesem großen Zyklus enthält Michael Korsticks neue Platte noch drei kleinere Werke. Die Präludien und Fugen op. 61 hat Kabalewskij in den späten 50ern für Kinder geschrieben, allerdings müssen die am Klavier schon recht fortgeschritten sein, wenn sie sie spielen wollen. Dieser Eindruck stellt sich besonders bei einer so forschen Interpretation wie der von Michael Korstick ein, die sich durch extrem akzentuiertes Spiel und rasante Tempi auszeichnet. Bei diesen vergleichsweise schlichten Stücken wäre durchaus auch ein anderer Ansatz denkbar, aber erstaunlich stimmungsvoll sind jedenfalls auch diese sechs Stücke. Zwei kleine Zyklen aus Kabaleswkijs Studienzeit schließlich runden das Programm ab. Musikalisch sind diese Frühwerke noch eine ganz andere Welt und zumindest in Teilen stilistisch dem mittleren Skrjabin recht eng verwandt.

Die Zahl der Einspielungen all dieser Werke ist bisher recht überschaubar, eine weitere Gesamtaufnahme hat allerdings das Label Naxos im Programm. Lediglich die Preludes op. 1 fehlen bei dem lateinamerikanischen Pianisten Alexandre Dossin, denn die wurden erst kürzlich zum ersten Mal gedruckt. Im Vergleich zeigt sich Michael Korsticks neue Platte in jeder Hinsicht überlegen. Klanglich allemal, und die stark kontrastierenden Charaktere der Preludes kommen in seiner Interpretation fast ausnahmslos plastischer und detaillierter zum Ausdruck. Eindrucksvoll ist außerdem, wie rasant und draufgängerisch hier ein Pianist vorgeht, der doch eigentlich kein junger Wilder mehr ist und immerhin auch schon in seinen 60ern steht.


Jan Kampmeier, 27.04.2020

Label: cpo
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




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