Magazin: CD-Kritiken
Bartok / Korngold: Piano Quintets

Details zu Bartok / Korngold: Piano Quintets: Goldner String Quartet, Piers Lane

Bartok / Korngold: Piano Quintets: Goldner String Quartet, Piers Lane

Expressivität mit gewissen Balance-Problemen

Piers Lane trumpft in den beiden Klavierquintetten von Bartók und Korngold etwas zu sehr auf, so dass eine nur leicht überdurchschnittliche Interpretation entstanden ist.

Stilistisch scheinen zwischen den beiden Komponisten Béla Bartók und Erich Wolfgang Korngold Welten zu liegen. Die Koppelung von zwei Werken aus der Feder dieser Herren mag also auf den ersten Blick etwas bemüht wirken. Doch wenn man die hier versammelten Klavierquintette näher untersucht, treten doch plötzlich einige Gemeinsamkeiten zu Tage. Beide schrieben nur jeweils dieses eine Quintett und hatten damit auch nur mäßigen Erfolg – und bei beiden steht das Quintett heute deutlich im Schatten anderer Werke und ist kaum einmal bei einem Kammermusik-Abend zu hören. Dies mag eine Motivation für Piers Lane und das Goldner String Quartet gewesen sein, die zwei Quintette auf einer CD vorzulegen.

Unterschiede

Tonsprachlich und formal überwiegen dann doch die Unterschiede: Bartóks viersätziges Werk, entstanden in den Jahren 1903/04, zeigt noch kaum etwas von jenem motorisch-perkussiven Tonfall, der für den Ungarn später so charakteristisch werden sollte. Allenfalls der als 'Scherzando' betitelte zweite Satz lässt etwas von jenem Stil aufblitzen; erster, dritter und vierter Satz orientieren sich deutlich an der späteren Romantik mit den hörbaren Vorbildern Beethoven und Schumann. Man tut dem Quintett also kein Unrecht, wenn man es als epigonal bezeichnet; auch die eine oder andere Länge, die Bartók später nicht mehr passiert wäre, tut sich hier auf. Im konkreten Fall liegt es aber wohl nicht nur am Werk selbst, sondern auch an der teilweise etwas schleppenden Interpretation, dass der Funke nicht so recht überspringen will.

Lane ist unstrittig ein erstklassiger Pianist, der vor allem die rasanten Abschnitte in den Sätzen zwei und vier mühelos bewältigt. Im Ganzen trumpft er aber doch etwas zu heftig auf, hier und da werden die Streicher regelrecht zugedeckt. Die vier Musiker des Goldner Quartettes versuchen hier, mit aller Kraft gegenzuhalten, was bisweilen eine leicht verkrampfte Wirkung erzeugt. Bartóks Quintett leidet so unter einem expressiven Überdruck, der zusammen mit der (von den Interpreten nicht zu verantwortenden) Überlänge nicht wirklich einen positiven Eindruck hinterlässt. Um die kompositorische Entwicklung des Ungarn zu verfolgen, ist die Kenntnis des Werkes sicherlich wichtig. Im Vergleich zu den Edelsteinen der Gattung von Schumann über Brahms bis hin zu Schostakowitsch wirkt es jedoch bemüht.

Schnappschuss

Korngolds Quintett op. 15, entstanden im Jahr 1921, schneidet da deutlich besser ab. Die schillernde Harmonik des Komponisten erzeugt tatsächlich einen ‚schwungvoll blühenden Ausdruck‘, wie er im Kopfsatz explizit vorgeschrieben ist. Ein Hauch vom Schwung der ‚Roaring Twenties‘ scheint in diesem Stück eingefangen zu sein. Die genannten Balance-Probleme sind aber auch hier leider nicht verschwunden, das Klavier dominiert stellenweise etwas zu stark. Schwierig zu sagen, ob es an den Musikern oder an der Tontechnik liegt. Im zentralen 'Adagio' mit originellen Pizzicato-Passagen der Streicher fällt es weniger deutlich auf als in den beiden Ecksätzen. Korngolds geniale Melodien, seine enge Verzahnung von Klavier und Streichern kommen so nur leicht eingeschränkt zur Geltung. Hier und da geht das pianistische Temperament einfach mit Piers Lane durch; erstaunlich bei einem so erfahrenen Musiker, der schon eine Menge Kammermusik (unter anderem mit der Geigerin Tasmin Little) eingespielt hat.

Bei aller Kritik spricht der Repertoirewert eindeutig für diese CD. Beide Stücke sind echte Raritäten, was bei Bartók ein Stück weit verständlich ist, bei Korngold hingegen kaum. Wer beide Komponisten schätzt, wird diese Silberscheibe ohne Zweifel mit Genuss hören. Besser als Ben Winters im Beiheft kann man es kaum formulieren: ‚Zusammengenommen ergeben diese beiden Werke einen fesselnden Schnappschuss der österreichisch-ungarischen Kammermusik des frühen 20. Jahrhunderts‘


Dr. Michael Loos, 15.05.2020

Label: Hyperion
Interpretation: 
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Booklet: 




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