Magazin: CD-Kritiken
The Melancholic Bach

Details zu The Melancholic Bach: Emilio Moreno, Aaron Zapico

The Melancholic Bach: Emilio Moreno, Aaron Zapico

Bach und die Bratsche

Ein schönes Bratschenprogramm – durch Bach ermöglicht und von seiner Grundhaltung inspiriert. Emilio Moreno und Aarón spielen sinnfällig und klangsinnlich.

Johann Sebastian Bach und die Bratsche – wohl eine besondere Beziehung. Sein Sohn Carl Philipp Emanuel betonte das in einem Brief an Johann Nikolaus Forkel rückblickend im Jahr 1774: ‚Als der grösste Kenner u. Beurtheiler der Harmonie spielte er am liebsten die Bratsche mit angepasster Stärcke u. Schwäche...‘ Wie alle Geiger jener Zeit war Bach zugleich auch Bratscher. Und die Stellung des Instruments im Zentrum des Geschehens, in der Mitte der Harmonie machte das Instrument so besonders. Bachs Zeit kannte kaum Soli für dieses noch heute im Gleißen und Glitzern moderner Orchester nicht gerade auffälligen, selten hervortretenden Instruments. Für einen Bratscher mit Bach-Vorliebe wie Emilio Moreno kann das nur heißen, sich und dem eigenen Instrument Musik anzuverwandeln, manches, das naheliegt aus Sonaten, Trios oder Bachs eigenen Choralbearbeitungen – die formal oft nichts anderes sind als Trios.

Gemeinsam mit dem Cembalisten Aarón Zapico formt er auf der bei Glossa erschienen Platte 'The Melancholic Bach' aus Einzelsätzen neue Kontexte, gleichsam kleine Sonaten für Bratsche und Cembalo, abgewechselt mit substanziell-charaktervollen Soli für beide Instrumente. Das hat einige Überzeugungskraft, bringt manch interessante Wiederbegegnung und Neubetrachtung. Bach wird auch nicht – der Titel könnte argwöhnisch machen, dem Rezensenten jedenfalls ging es so – melancholisch ‚gemacht‘: Die Bratsche mit ihrem gedeckten Ton entfaltet jenes Potenzial vielmehr ganz natürlich und ohne gekünsteltes Seufzen und Sehnen.

Subtile Kunst

Natürlich ist in Morenos Spiel entsprechend der programmatischen Grundlinie viel edle Lyrik zu hören, immer wieder schlüssig kontrastiert von strukturbewusster Munterkeit und einem Ton von erstaunlicher Agilität. Morenos auf 1751 datierte Bratsche von Sympertus Niggel aus Füssen ist instrumententypisch nicht mit riesiger Leuchtkraft gesegnet, punktet dafür umso mehr mit Sonorität und harmonischer Präsenz gerade der unteren und mittleren Lagen. Aarón Zapico strukturiert, kontert das Lineare, begleitet auch mit leichter Hand, ist meist aber der Explikator des dichten Gewebes. Das Klangbild der Einspielung ist intim und gesammelt, von erlesener Balance: Die Bratsche ist vom Cembalo tatsächlich umgeben, wirkt mittig und dazugehörig – eine ungemein geeignete Konstellation für diese Besetzung. Musiziert wird in insgesamt erstaunlich bewegten Tempi; Bachs typische Strukturen ruhen nie. Ein schönes Bratschenprogramm – durch Bach ermöglicht und von seiner Grundhaltung inspiriert. Emilio Moreno und Aarón spielen sinnfällig und klangsinnlich.


Dr. Matthias Lange, 24.04.2020

Label: Glossa
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