Magazin: CD-Kritiken
Latin - Piano Music for four hands from South America

Details zu Latin - Piano Music for four hands from South America: Duo Lontano

Latin - Piano Music for four hands from South America: Duo Lontano

Von Kuba bis Argentinien

Ein gelungener Überblick über die Musik aus Lateinamerika, wie man sie kennt und liebt.

Die Pianistin Babette Hierholzer aus Freiburg, die sich in jungen Jahren anschickte, eine steile Karriere hinzulegen, hat sich rar gemacht. Hierzulande ist sie eher durch einige Aufnahmen als durch Konzerte in Erinnerung, seitdem sie in den 1990er Jahren ihren Lebensmittelpunkt in die USA verlegt hat.

Auch wenn sie bei uns nicht mehr so präsent ist wie in jungen Jahren, bleibt sie nach wie vor eine gute Pianistin. Im Jahr 2004 hat sie sich mit ihrem Kollegen Jürgen Appell zum Klavierduo Lontano zusammengetan und gibt mit ihm Konzerte in der halben Welt. Ein Schwerpunkt ist dabei anscheinend der lateinamerikanische Kontinent. Vielleicht haben gerade die Ausflüge nach Kuba, Venezuela, Mexiko und Brasilien die beiden Musiker dazu angeregt, sich mit der dortigen Musiktradition zu befassen. Jedenfalls liegt nun beim Leipziger Label Genuin eine Neueinspielung mit Werken aus eben diesen Ländern vor.

Leicht konsumierbar

Die Namen der Komponisten sind – bis auf wenige – bekannt. Es sind Namen aus der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Namen wie Louis Moreau Gottschalk, Ernesto Lecuona, Heitor Villa-Lobos, Carlos Gardel oder Ernesto Nazareth. Alle Komponisten sind verwurzelt in ihrer Latino-Heimat, geprägt von der Tanzmusik ihrer Umgebung. Sie verfassen keine reine Folklore mehr, aber trotzdem etwas leicht Konsumierbares, das von ihrem Umfeld verstanden werden soll, ohne allzu intellektuell zu sein. In Europa wäre ein solches Arbeiten vielleicht vergleichbar mit den Walzern eines Franz Schubert zu seiner Zeit.

Die Auswahl der insgesamt 16 Titel ist sorgsam getroffen. Im Booklet werden Querverbindungen und andere Zusammenhänge deutlich gemacht. Es sind Titel dabei, die einen mitsingen lassen wie 'Bésame mucho' von Consuelo Velázquez oder 'Por una cabeza' von Carlos Gardel. Die anspruchsvollsten Titel sind die 'Malagueña' von Ernesto Lecuona und die beiden Werke von Astor Piazzolla ('Oblivion' und 'Libertango').

Typisch lateinamerikanisch

Die Mehrzahl der Stücke ist für Klavier zu vier Händen von Jürgen Appell selbst umgeschrieben worden. Daraus sind Bearbeitungen auf höchstem Niveau geworden, gut durchdacht, das Typische jedes einzelnen Titels sorgfältig hervorgehoben. Und eben das Typische dieser Musik aus Lateinamerika – so unterschiedlich die Komponisten auch sind – wird von den beiden Pianisten aufs Schönste umgesetzt. Da stimmt der Rhythmus, da wird nichts zur hochdramatischen Oberfläche, sondern das Spiel der beiden bleibt durchsichtig, verhalten, selbst im Fortissimo knallt nichts. Die Spannung, ja auch die Dramen samt einer gewissen nostalgischen Wehmut spielen sich im Verborgenen ab. Spätestens aber beim Improvisationsteil von 'Libertango' ist man von der kenntnisreichen Musizierfreude des Duos restlos überzeugt.

Es bleibt die Frage, was mit dieser CD beabsichtigt ist: Wenn es um die unterhaltsame, schwungvolle Latin-Musik gehen soll, die man zum Teil kennt, die einem beim Hören bestätigt, was man sich unter Latin-Musik immer schon vorgestellt hat, dann ist die Auswahl gut getroffen. Dass es aber in Lateinamerika seit langem genügend Komponisten gibt, die im Niveau den europäischen Kollegen in nichts nachstehen, ist leider immer noch zu wenig bekannt. Dass die Werke von Künstlern des 20. Jahrhunderts wie Etkin (Argentinien), Prudencio (Bolivien), Valcárcel (Perú) und vielen anderen jemals bei uns über den Stand eines Geheimtipps hinauskommen, bleibt wohl ein vergeblicher Traum.


Elisabeth Deckers, 28.04.2020

Label: Genuin
Interpretation: 
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Repertoirewert: 
Booklet: 




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