Magazin: CD-Kritiken
Nikos Skalkottas: Piano Concerto No.3 (1939)

Details zu Nikos Skalkottas: Piano Concerto No.3 (1939): Daan Vandewalle, Blattwerk, Johannes Kalitzke

Nikos Skalkottas: Piano Concerto No.3 (1939): Daan Vandewalle, Blattwerk, Johannes Kalitzke

Dodekaphone Tour de force

Nikos Skalkottas' Drittes Klavierkonzert ist ein komplexes Meisterwerk für hochbegabte Musiker.

Obschon er dessen spätere Werke kaum kennen konnte, zählte Arnold Schönberg 1948 Nikos Skalkottas (1904–1949) zu jenen seiner Schüler, die ‚wirkliche Komponisten‘ geworden seien. Angesichts der Tatsache, dass fast alle Kompositionen Skalkottas‘ bis 1931 heute als verschollen gelten und er nach seiner Flucht vor den Nazis aus Berlin nach Athen 1933 zwei Jahre brauchte, um überhaupt wieder kompositorisch zur Feder zu greifen, um dann keine seiner Kompositionen in Verlag zu geben, muss eine solche Aussage überraschen. Sie überrascht weniger, betrachtet man Skalkottas‘ dodekaphone Konsequenz, verbunden mit stark emotionaler Komponente.

Das hier vorgelegte Dritte Klavierkonzert entstand vermutlich 1939 und zeichnet sich durch die große Selbstständigkeit der zehn Bläser aus, die zusammen mit zurückgenommen eingesetztem Schlagzeug den ‚Orchesterpart‘ bilden. Im Formkorsett des traditionellen Klavierkonzerts mit eröffnendem Sonatenhauptsatz, zentralem langsamen Satz und formal wieder strengerem Finale ist bei Skalkottas nahezu alles komplexer als bei vielen anderen vor und nach ihm. Seine Metrik wie Rhythmik ist hochkomplex, die kontrapunktische Ausarbeitung stellt höchste Ansprüche an die Musiker wie den Hörer, der Klaviersatz ist derart anspruchsvoll, dass in der Uraufführung 1969 drei Pianisten nur je einen der drei Sätze des Werks spielten.

Tour de force

 

Aber aus eben diesem Grund höchster Komplexität ist die Komposition bei den Interpreten der vorliegenden Produktion vorzüglich aufgehoben. Daan Vandewalle ist Spezialist für komplexeste und anspruchsvollste Klaviermusik und verfügt über beeindruckende Stamina, und Johannes Kalitzkes Leistungen sind bekannt für anspruchsvollste Interpretation anspruchsvollster Ensemblemusik. Blattwerk ist das Spezialensemble für Neue Musik des Antwerper KASK-Konservatoriums. So schreckt die Interpreten in der hier vorliegenden Live-Aufnahme vom 16. Februar 2018 die erforderliche 54-minütige Tour de force offenbar nicht im Mindesten. Nur an ganz wenigen Stellen scheinen die Blechbläser nicht ganz sauber zu intonieren, scheint das Ensemble ein wenig zu wackeln; auch scheint das Ensemblespiel teilweise (wenn auch exakt) mehr neben- denn miteinander zu erfolgen – bei einer derart komplexen Musik immerhin schon eine Leistung, die nur vielleicht erahnen lässt, dass ein noch harmonischerer Gesamteindruck zumindest theoretisch möglich wäre. Dies mag aber auch daran liegen, dass nicht alle zehn Bläser (Flöte, Oboe, Englischhorn, Klarinette, Fagott, Kontrafagott, Horn, Trompete, Posaune, Tuba) und das Schlagzeug aufnahmetechnisch gleichermaßen glücklich eingefangen wurden – manche Instrumente erscheinen präsenter als andere.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 14.02.2020

Label: Paladino
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