Magazin: CD-Kritiken
Johann Nepomuk Hummel: Piano Concertos vol.2

Details zu Johann Nepomuk Hummel: Piano Concertos vol.2: Alessandro Commellato, La Galante, Milano Classics, Didier Talpain

Johann Nepomuk Hummel: Piano Concertos vol.2: Alessandro Commellato, La Galante, Milano Classics, Didier Talpain

Würdiger Erbe

Das lange Warten auf die zweite Folge von Hummels Klavierkonzerten unter Didier Talpain hat sich leider nicht vollumfänglich gelohnt.

Sieben lange Jahre mussten vergehen, ehe Didier Talpain seine Reihe der Hummel-Klavierkonzerte fortgesetzt hat (die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Ensemble Solamente Naturali hat offenbar ein Ende gefunden). Für die hier vorliegenden Konzerte für Klavier A-Dur WoO 24a (1791) sowie für Klavier und Violine G-Dur op. 17 (1805) wurden zwei unterschiedliche italienische Orchester gewonnen – La Galante (benannt nach Hummels Rondo?) und Milano Classica – und der Pianist Alessandro Commellato, der schon in Talpains bisherigen Hummel-Einspielungen mitgewirkt hatte und hier auf einem Wiener Joseph-Böhm-Hammerflügel von 1825 zu hören ist. Als Violinsolist spielt Stefano Barneschi (zeitweise u. a. Mitglied von La Gaia Scienza) auf eine Santagiuliana-Geige von 1830.

Würdiger Erbe

Dass hier keines der fünf kanonischen Klavierkonzerte Hummels eingespielt wird, erhöht den Entdeckungswert der Veröffentlichung. Hummel, der Mozarts Klavierkonzerte nachgerade ‚rückwärts‘ kannte und für sechs von ihnen auch eigenen Kadenzen schrieb, erweist sich als mehr als würdiger Erbe des Frühverstorben – gerade auch mit dem A-Dur-Konzert aus Mozarts Todesjahr. Commellato spielt mit viel Feingefühl und großem Verständnis für die Musik, nutzt sämtliche Möglichkeiten des ihm zur Verfügung stehenden Instruments, über das man im leider nur einsprachigen Booklet leider nichts erfährt.

La Galante ist ein insgesamt hinreichender Partner, von einigen wenigen Intonationstrübungen abgesehen, bedingt offenbar durch uneinheitliche Stimmung zwischen Hammerflügel und Orchesterinstrumenten. Überzeugender ist da Milano Classica in dem ‚moderneren‘ Orchestersatz des Doppelkonzerts, das aufnahmetechnisch aufgrund deutlich unglücklicherer Mikrofonierung leider nicht ganz mit dem Klavierkonzert mithalten kann.

Bis zum letzten Moment überraschend

Wie wir wissen, hat Mozart sein Konzert für Violine, Klavier und Orchester nie vollendet (KV Anh. 56) – Hummel entwickelt Mozarts Stil nahtlos und behutsam ins frühe 19. Jahrhundert, ganz ohne radikal den Bruch zu suchen wie sein kurzzeitiger Lehrer Beethoven. Sowohl was die Klangfarbigkeit Hummels als auch was seinen thematischen und harmonischen Einfallsreichtum angeht, ist diese Musik ernst zu nehmen; im Variationensatz treten zu Klavier und Violine andere Instrumente konzertierend hinzu, in fast kammermusikalischer Verbindung etwa vergleichbar den Septetten. Bis zum letzten Moment überrascht der Komponist und die Produktion lässt darauf hoffen, dass die Hummel-Klavierkonzert-Reihe nun in möglichst erhöhter Frequenz fortgeführt wird, am besten mit einem rundum erfolgreichen Tonmeister, der auch auf exakte Intonationsabstimmung zwischen Soloinstrument und Orchester achtet. Commellato und Talpain sind ein Erfolgsteam, denen dieses schöne Projekt rundum zu wünschen wäre.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 05.01.2020

Label: Brilliant classics
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




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