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Aram Khachaturian: Piano Works

Details zu Aram Khachaturian: Piano Works: Iyad Sughayer, Klavier

Aram Khachaturian: Piano Works: Iyad Sughayer, Klavier

Furios und zornig

Iyad Sughayer hat auf einer eindrucksvollen neuen Platte Khatschaturjans Klaviersonate und weitere Klavierwerke aufgenommen.

Na klar, der Säbeltanz. Und was sonst fällt einem zu Aram Khatschaturjan ein? Furchtbar viel vermutlich nicht, vielleicht der ein oder andere Auszug aus seinen 'Gayaneh'- und 'Spartacus'-Balletten, eventuell noch das Violinkonzert. Auch eine Klavier-Toccata gehört zu seinen leidlich bekannten Stücken, sie ist auch bei guten Amateurpianisten recht beliebt, weil sie ziemlich virtuos klingt, in Wirklichkeit aber noch halbwegs machbar ist.

Unter den Klavierwerken Khatschaturjans war‘s das auch schon, doch es gibt natürlich mehr, und der junge Pianist Iyad Sughayer hat nun bei BIS eine Auswahl vorgelegt. Er beginnt etwa mit der späten, ursprünglich 1961 komponierten Sonate, es ist allerdings leider nicht ganz klar, was für eine Fassung er spielt. Der ansonsten gelungene Beiheft-Text meint dazu nur, es sei die Version, die Khatschaturjan ‚vor seinem Tod hinterlassen hat‘. Doch es ist jedenfalls nicht die 1976er ‚Neufassung‘, die bei Sikorski mit dem Hinweis erschienen ist, der Komponist habe diese Fassung ‚zur einzig gültigen erklärt‘, denn Iyad Sughayer spielt im zweiten und dritten Satz mehrere kürzere Passagen, die sich in dieser Partitur nicht finden. Im dritten Satz sind die Abweichungen sogar ziemlich erheblich. Abgesehen davon macht man in seiner Aufnahme die Bekanntschaft mit einem höchst virtuosen, furiosen und zornigen Werk, das seine Muskeln vielleicht etwas zu sehr zur Schau stellt und vor allem rhythmisch geprägt ist. Das Werk einmal im Konzert zu hören wäre auf jeden Fall beeindruckend. Iyad Sughayer spielt draufgängerisch-rasante Tempi, mit den dynamischen Vorgaben geht er teils eher frei um.

Eindrucksvoll

Die bereits erwähnte Toccata ist natürlich auch enthalten und klingt in Iyad Sughayers Interpretation recht eindrucksvoll. Obwohl er, ebenso wie in einer Sonatine, das Tempo hier gar nicht übermäßig flott anschlägt, dient sie ihm als zündendes Finale seines Programms. Das umfasst ansonsten noch zwei sehr kleine, 1926 komponierte Stücke, ein deutlich umfangreicheres Poem aus dem Jahr darauf sowie eine Sammlung pädagogischer Miniaturen. Diese Kinderstücke sind keineswegs für Anfänger, sondern für schon ziemlich fortgeschrittene Schüler geeignet. Jedenfalls aber sind sie nicht unbedingt als Konzertstücke gedacht, insofern es ist überraschend, dass ihnen Iyad Sughayer immerhin fast 20 Minuten auf seiner Platte einräumt. Letztlich kommen sogar noch einmal zehn Minuten pädagogische Musik dazu, denn auch die Sonatine wurde für Schüler geschrieben, genauer für die der Musikschule Prokopjewsk. Die müssen allerdings schon ziemlich fit gewesen sein, um das Werk spielen zu können. Die technische Qualität der Aufnahmen wirkt ganz angenehm, aber auch nicht allzu brillant, insgesamt jedoch ist dies eine eindrucksvolle Platte.


Jan Kampmeier, 22.01.2020

Label: BIS Records
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




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