Magazin: CD-Kritiken
The high horse - Best of worse Vol.1

Details zu The high horse - Best of worse Vol.1: Stephanie Szanto, Simon Bucher

The high horse - Best of worse Vol.1: Stephanie Szanto, Simon Bucher

Wenn Pferde singen

Zwei einfallsreiche Schweizer Musiker wagen ein interessantes Experiment und verwandeln Eurodance-Hits in klassische Kunstwerke.

‚The High Horse‘ ist ein außergewöhnliches Musikprojekt der Mezzosopranistin Stephanie Szanto und des Pianisten Simon Bucher. Die beiden Künstler kennen sich seit dem Musikstudium, das sie nach eigener Aussage mit dem Gefühl perfekt ausgebildeter Dressurpferde verlassen haben. Wer kann ihnen da den Wunsch verdenken, zeitweise aus diesem eng gesteckten Gehege auszubrechen? Dabei macht das Duo allerdings keine halben Sachen und widmet sich auf seinem Debütalbum 'Best of Worse Vol. 1' erfolgreichen Hits des Eurodance – also Dancefloor-Songs der 80er und 90er Jahre – deren größtenteils seichten Inhalten wie 'Blue (Da Ba Dee)' von Eiffel 65 oder 'Boom boom boom' von den Venga Boys sie überraschend kunstvoll in Szene setzen.

Freie Neugestaltungen

Das beim Label Ars erschienene Album zeichnet sich durch einen hohen künstlerischen Anspruch aus. Die Lieder wurden nicht einfach klassisch verpackt, stattdessen nimmt sich das Duo viele Freiheiten in der Neugestaltung heraus. Die Arrangements sprengen jegliche Genre-Grenzen, denn sie beinhalten neben der ursprünglichen Melodie auch Eigenkompositionen, klassische Musikwerke, Kinder- und Volkslieder. Zusätzlich wurde an vielen Stellen der Text verändert. Songs wie 'I’m too sexy' werden von den Musikern entkernt und mit einer neuen Grundaussage ausgestattet. So entwickelt sich bei ihnen selbst 'Blue (Da Ba Dee)' zu einem ernstzunehmenden Werk mit tiefgründigen Zwischentönen und sogar 'Barbie Girl' erhält einen nachdenklichen Unterton.

Letztendlich ist so gut wie jeder Titel von den Musikern verfremdet worden. Bestes Beispiel hierfür ist der Queen-Hit 'Bicycle Race': In der Neuinterpretation von ‚The High Horse‘ bleibt melodisch und rhythmisch kaum etwas vom Original übrig. Das ist überhaupt nicht schlimm, sofern der Hörer keine schnöde klassische Coverversion radiotauglicher Popmusik erwartet, sondern im besten Fall offen für Neues und Unerwartetes ist. Problematisch ist allerdings die ungeheure Menge musikalischer Ideen, die in die Titel einfließen und teilweise nur kurz angespielt werden, so dass man sie als Hörer kaum alle zuordnen kann. An dieser Stelle wünscht man sich Verweise im Booklet, doch dieses beinhaltet nicht einmal die Texte der Lieder geschweige denn Details zu den einzelnen Arrangements.

Hohes technisches Niveau

Die eigentlichen Interpretationen sind dafür auf einem hohen technischen Niveau. Szanto und Bucher bleiben größtenteils der klassischen Gesangs- beziehungsweise Spielart treu und adaptieren die Lieder dementsprechend. 'Mädchen' präsentieren sie in einer bezaubernden Version als spöttisches Kunstlied, wobei Buchers Klaviertöne zart ineinander fließen und ein stabiles Gerüst für Szanto bilden. In 'I Like To Move It' nutzt die Sängerin bewusst virtuose Gesangtechniken und hebt das Lied damit auf eine ganz neue Ebene. Es ist deutlich leichter, lebendiger und quirliger als das Original. Nur stellenweise, wie in 'Voyage Voyage', klingt der Gesang im Gegensatz zum Klavierspiel verwaschen und dumpf – hier ist nicht klar, ob der Grund bei der Tonabmischung oder Szantos ansonsten doch helle und bewegliche Sopranstimme zu suchen ist.

Auch wenn der Albumtitel 'Best of Worse' anderes vermuten lässt, will 'The High Horse' seine Songs nicht der Lächerlichkeit preisgeben. Im Gegenteil bieten die Interpreten ernstzunehmende und kluge Parodien vollgepackt mit spannenden Ideen und einem frischen Ansatz. Ein kleiner Tipp zum Schluss: Wer am Ende der CD dran bleibt, bekommt noch eine versteckte Überraschung zu hören.


Maxi Einenkel, 25.01.2020

Label: ARS Produktion
Interpretation: 
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Booklet: 




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