Magazin: CD-Kritiken
La Belle Époque

Details zu La Belle Époque: Duo Ingolfsson-Stoupel

La Belle Époque: Duo Ingolfsson-Stoupel

Spätromantische Musik neu entdeckt

Das Künstlerduo Ingolffsson-Stoupel gibt einen sehr gelungenen Einblick in das noch nicht so bekannte französische Repertoire aus der Zeit der Belle Epoque.

Auf spätromantische Kompositionen fokussiert das renommierte, bestens eingespielte Künstlerduo Judith Ingolfsson (Violine) und Vladimir Stoupel (Klavier) mit seiner neuen CD 'La Belle Époque'. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und die Annektierung von Elsass und Lothringen durch das Deutsche Kaiserreich entstand in Frankreich ein neuer Nationalismus, u. a. durch die Gründung der Sociéte nationale de musique. Bei der Eröffnung wurden Werke von César Franck und Théodore Dubois uraufgeführt. Deren Musik, in Deutschland noch wenig bekannt, steht im Mittelpunkt dieser Veröffentlichung.

Warme Klangfarben

Die erste Einspielung gilt dem Widmungsträger der folgenden Werke Dubois‘ und Francks, dem virtuosen Geiger Eugène Ysaÿe. Seine Komposition 'Poème élégiaque' (1893) ist stimmungsvoller Auftakt. Von schwermütiger Melancholie sich dramatisch in höchste Sehnsuchtsträume hochschraubend., wird die Komposition wunderbar einfühlsam, gleichsam kraftvoll von Ingolfsson interpretiert, von Stoupel dezent begleitet und in den kurzen Solopassagen samtig dunkel geerdet. Aus langen Bogenstrichen und sanften Klavierakkorden flammen immer wieder dramatisch neue emotionale Spannungen auf. Das G-Saite der Violine auf F tiefer gestimmt, gelingen berührende Klangstimmungen, intensiviert durch die ausgesprochen subtile Dynamik, warmen Klangfarben, rasanten Tempowechsel und enormen Höhenlagen, in denen das Poème retardierend in tiefere Lagen fallend aushaucht. 

Von grandioser klanglicher Wucht und melodischer Vielfalt wirkt Théodore Dubois folgende Violinsonate (1900) zuweilen fast orchestral. Das Klavier, nicht nur Begleitung, bekommt musikalische Eigenständigkeit, wird zum herausfordernden musikalischen Dialogpartner und schafft mit heftigen rhythmisierten Akkorden, perlenden Läufen im 'Allegro apassionato' ein Gegengewicht zum irrlichternden Höhenspiel der Violine. Im 'Andante quasi adagio' kehren Ruhe und Gleichklang ein. Musikalische Seelenverwandtschaften entwickeln im dritten Teil, elegant alternierend, quirliges Temperament, indem die Violine lange Gefühlsbögen und fröhliche Akzente setzt. Sehr kontrastreich wechseln ruhige und überaus hurtige Passagen, womit Dubois sich deutlich von Debussys impressionistischen Innovationen und der Melancholie deutscher Musik abhebt.

Große Empathie

César Francks vierteilige Violinsonate (1886) beginnt langsam verträumt, alternierend mit Fokus auf Violine und Piano. Wie weibliche und männliche Stimme geben sie im zweiten Teil mit perlenden virtuosen Läufen dem Sehnen Nachdruck und jagen in immer dramatischeren Tonlinien voran. Der melancholische Satz 'Rezitativo-Fantasia', von Ingolfsson mit großer Empathie berührend schön interpretiert, von Stoupel empfindsam umspielt, wird zum romantischen Herzstück dieser Sonate, das im 'Allegretto' eine subtil aufrichtige, sehr zarte Weiterführung findet und nach sehr temperamentvollen Passagen auf ein Finale mit fröhlichen Akkorden und Läufen zielt. Mit 'La Belle Époque' gibt das Künstlerduo Ingolffsson-Stoupel einen sehr gelungenen Einblick in das noch nicht so bekannte französische Repertoire jener Zeit.


Michaela Schabel, 28.05.2020

Label: Genuin
Interpretation: 
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Booklet: 




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