Magazin: CD-Kritiken
Jean Cras - La flute de Pan & Quintettes

Details zu Jean Cras - La flute de Pan & Quintettes: Oxalys

Jean Cras - La flute de Pan & Quintettes: Oxalys

Am besten im Team

Das belgische Ensemble Oxalys ist für Jean Cras ein überzeugender Anwalt.

Das Label timpani hat in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich den Komponisten Jean Cras (1879–1932) auf die musikalische Landkarte zurückgebracht. Kammermusik besonderer Art bietet die vorliegende, beim Label Passacaille erschienene CD des Ensemble Oxalys: 'La flûte de Pan' (1928) für Sopran, Panflöte und Streichtrio, das Klavierquintett (1922) und das Quintett für Harfe, Flöte und Streichtrio (1928). Cras‘ Fähigkeiten, die wir aus den anderen Einspielungen kennen, erleben wir auch hier – eine atmosphärisch dichte, spätimpressionistische Musik ganz französischer Art, die die Verwandtschaft zu der Generation zuvor (Debussy, Pierné) deutlich transportiert.

Besonders apart ist 'La flûte de Pan', ein viersätziger Zyklus auf Gedichte von Lucien Jacques. Die Mitglieder von Oxalys (Shirly Laub, Violine; Elisabeth Smalt, Viola; Amy Norrington, Violoncello) werden hier unterstützt durch den Panflötisten Matthijs Koene und die Sopranistin Sophie Karthäuser. Für die Sängerin kam die Einspielung fast schon zu spät – ihre Stimme ist für diese Miniaturen schon fast zu ‚erwachsen‘, zu großstimmig, zu wenig klar in der Textgestaltung. Das soll nicht bedeuten, dass die fünf Musiker nicht sehr genau die Atmosphäre der Musik erkunden, die feinen und feinsten Nuancen erlebbar machen, ohne je ins Artifizielle abzugleiten.

Wie aus einem Guss

Das Streichtrio der 'Flûte de Pan' wirkt auch bei dem Quintett mit Flöte und Harfe mit, hier ergänzt um die Oxalys-Mitglieder Roon Fret (Flöte) und Annie Lavoisier (Harfe). Atmosphärisch knüpft die Komposition an das zeitnah entstandene Vokalwerk an. Noch stärker als bei der 'Flûte' ist hier das intensive Ensembleempfinden der Musiker spürbar – alles klingt wie aus einem Guss, in großem dynamischen und agogischen Reichtum und fast improvisatorischer Freiheit, die der Musik aber nie ihre klare Formgestalt nimmt. Cras geht hier über den spätimpressionistischen Ton hinaus und lässt auch eindeutig die Musik der 1920er-Jahre in der Komposition aufblitzen; gerade dies verleiht der Komposition seinen ganz besonderen Reiz.

Dem oben genannten Streichtrio gesellen sich beim Klavierquintett der Oxalys-Geiger Frédéric d‘Ursel und der Pianist Jean-Claude Vanden Eynden zu. Hier haben wir ein strahlendes Grand pièce de salon, das die große Geste wie den nonchalanten Tonfall der Belle époque nicht scheut. Der Rezensent ist sich nicht sicher, ob der verwendete Flügel der Musik auf das Beste zuträglich ist – zu wenig multidimensional wirkt das Instrument neben dem Streichquartett, das über deutlich mehr Nuancen zu verfügen scheint. So bleibt vor allem der Eindruck, dass Oxalys selbst zu den besten Kammermusikensembles unserer Zeit gehört und sich im günstigsten Fall einen eigenen Pianisten (oder wenigstens einen eigenen Flügel) ins Team holen sollte (etwa wie in England die London Sinfonietta oder das Nash Ensemble), um den Klang und das musikalische Gesamtergebnis noch ein wenig weiter zu optimieren.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 03.01.2020

Label: Passacaille
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

Unser Service:

 Schriftgröße   + / - 

Drucker Seite drucken

RSS RSS


Anzeige

NOTE 1 - Mitteilungen (7/8 2020) herunterladen (3000 KByte)