Magazin: CD-Kritiken
Weinberg: Sonatas for cello & piano

Details zu Weinberg: Sonatas for cello & piano: Wojciech Fudala, Michal Rot

Weinberg: Sonatas for cello & piano: Wojciech Fudala, Michal Rot

Neblig bis klar

Zwei nicht ganz übereinstimmende interpretatorische Zugänge zu Mieczyslaw Weinbergs kammermusikalischem Schaffen.

Michał Rots Einsatz für kammermusikalisches Randrepertoire wendet sich diesmal, zusammen mit dem Cellisten Wojciech Fudala, Mieczysław Weinberg (oder Wajnberg, wie hier auf Polnisch geschrieben – der Komponist wurde 1919 in Warschau geboren) zu. Wajnberg vollendete seine beiden Sonaten für Violoncello und Klavier opp. 21 und 63 in den Jahren 1945 und 1959 (letztere erlebte ihre Uraufführung 1960 durch Mstislav Rostropowitsch). Im Booklettext wird der jüdische Einschlag in Wajnbergs Musik hervorgehoben, doch hilft das dem Verständnis nur bedingt – die hörbare Nähe zu Zeitgenossen wie Schostakowitsch oder Prokofjew einerseits und Panufnik oder Fitelberg andererseits verortet den Komponisten vielmehr sinniger zwischen Polen und Russland. Auch sonst ist der Booklettext (nur in Polnisch und einem rudimentären Englisch) zum Verständnis der Musik nur bedingt hilfreich.

Die zweisätzige erste Sonate ist von starker Expression, in der Emotionalität stetig sich steigernd. Fudala und Rot sind hörbar mit Wajnbergs Idiom gut vertraut und bleiben weder spieltechnisch noch vom musikalischen Ausdruck der Musik etwas schuldig. Die zweite Sonate ist formtechnisch konventioneller angelegt als die erste, nicht nur in seiner grundsätzlichen Anlage und seiner Dreisätzigkeit, sondern auch in der thematisch-motivischen Arbeit. Die Nähe der Musik zu Schostakowitsch ist immer wieder deutlich hörbar. Leider ist Fudalas Vibrato nicht ganz im Einklang mit der pianistischen Klarheit, so dass das Ergebnis nicht bei aller expressiven Dichte vollauf ausgewogen ist. Dass die beiden Musiker auch wunderbar harmonieren können, beweist das Finale der Sonate, in dem Wajnbergs Überschwang quasi ungebrochen auf den Hörer übergeht.

Ergänzt wird dieses Programm durch die erste Sonate für Cello solo op. 72 von 1960 und die 'Berceuse' op. 1 (1935) für Klavier. Die substanzielle dreisätzige Sonate erweist sich als nahezu gleichwertiges Geschwister neben den anderen zeitgenössischen Kompositionen für die gleiche Besetzung – das an mittlerer Stelle stehende Scherzo hat grazile, teilweise fast an Reger gemahnende Züge. Hier kann sich Fudala ganz ‚freispielen‘, und wie in der zweiten Sonate für Cello und Klavier ist die Virtuosität des Interpreten im Finale besonders beeindruckend. In der 'Berceuse' erleben wir wiederum einen Wajnberg, den wir überhaupt noch nicht kannten – einen teilweise fast nachimpressionistischen Sechzehnjährigen, der noch auf dem Weg zu sich selbst ist.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 05.03.2020

Label: DUX
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