Magazin: CD-Kritiken
Echoes of War - Piano trios by Weinberg & Shostakovich

Details zu Echoes of War - Piano trios by Weinberg & Shostakovich: Trio Marvin

Echoes of War - Piano trios by Weinberg & Shostakovich: Trio Marvin

Blitzsauber

Das Trio Marvin, Preisträger des ARD-Wettbewerbs, bietet perfekte Umsetzungen des Notentextes, aber noch keine genialen Interpretationen.

Musik im Kriege. Mit Vorliebe wird das Klaviertrio a-Moll op. 24 (1945) von Mieczyslaw Weinberg mit dem zweiten Klaviertrio e-Moll op. 67 (1944) von Dmitri Schostakowitsch gekoppelt. 1943 hatte Schostakowitsch die Musik Weinbergs entdeckt und den Jüngeren nach Moskau geholt. Musikalisch waren beide Komponisten also auf einer Wellenlänge. Im Grunde ist Weinbergs Trio das interessantere – zerlegt der Komponist doch sukzessive die damalige Tradition des russischen Klaviertrios, beginnt affirmativ und erkundet immer tiefere und intensivere Dimensionen.

Das Trio Marvin (Marina Grauman, Violine; Marius Urba, Violoncello; Vita Kan, Klavier), Preisträger des Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerbs 2017 und mehrerer weiterer internationaler Wettbewerbe, bieten Weinbergs Musik blitzsauber dar. Da stimmt rein musikalisch alles, die Partitur wird hochprofessionell umgesetzt (auch das haarige Toccata-Scherzo im 5/16-Takt), das Zusammenspiel zeugt von engem Zusammengewachsensein im gemeinsamen Musikmachen. Was dem Ensemble aber fehlt, ist der ‚Mut zum Wahnsinn‘. Die Musik wird realisiert, aber die spirituelle, die existenzielle Dimension wird am ehesten im langsamen Satz erkundet, während das Scherzo kosmopolitisch-jazzig angehaucht ist statt, wie etwa bei Gidon Kremer, Giedre Dirvanauskaite und Yulianna Avdeeva (auf Deutsche Grammophon), buchstäblich vor Spannung zu explodieren. Das Klavier (überdies aufnahmetechnisch nicht optimal eingefangen) bleibt klangfarblich zu neutral, das Spiel auch der beiden anderen Musiker zu ‚notentextverhaftet‘. Selbst im Finale des Quartetts, wo die Musik eine dramatische Zuspitzung erfährt, bleiben die Musiker ‚auf ihren Stühlen‘, statt emotional ‚abzuheben‘ und im besten Sinne ‚um ihr Leben zu spielen‘.

Mehr Mut

Das noch weit bekanntere Schostakowitsch-Trio bietet noch weit größere Konkurrenz auf dem Tonträgermarkt. Hier scheint sich das Trio Marvin jedoch wohler zu fühlen als in dem eher ungewohnten Idiom Weinbergs. Zwar bleibt auch hier das Spiel diverse Dimensionen schuldig, die andere Künstler bieten können, doch vermittelt sich der Eindruck größerer Identifikation mit der Musik. Gerade auch die Steigerung zum Schluss der Musik hin, die heiklen Pizzicati, die gerne nicht ganz exakt geraten, zeigen hier mehr Mut und Innenspannung. Dennoch zeigt der Vergleich mit anderen Interpretationen (geradezu brennend David Oistrakh, Milos Sadlo und Dmitri Shostakovitch – und wenn schon mit Intonationstrübungen – egal!) auch hier, dass noch viel Luft nach oben ist und die drei Musiker durchaus noch wachsen können – vielleicht am besten an ungewohntem Repertoire, das ihnen die Scheu vor neuen Wegen nimmt.

Im Booklet ist die Produktion leider vor allem im Bereich der Ensemblepräsentation ein übler Fall von ‚Vanity Publishing‘ – die versprochenen biografischen Anmerkungen über die Musiker, ihre musikalische Herkunft, ihre Lehrer usw. fehlen völlig – als wären die Konzerte, die sie gespielt haben, die Rundfunksender, bei denen sie engagiert waren, für das Hören der CD von Relevanz.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 21.01.2020

Label: Genuin
Interpretation: 
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Booklet: 




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