Magazin: CD-Kritiken
Werke von Paderewski und Chopin

Details zu Werke von Paderewski und Chopin: Claire Huangci, Deutsche Radio Philharmonie, Shiyeon Sung

Werke von Paderewski und Chopin: Claire Huangci, Deutsche Radio Philharmonie, Shiyeon Sung

Virtuose Lässigkeit

Claire Huangci begeistert mit polnischem Repertoire auf ihrem ersten Konzertalbum.

Werke zweier polnischer Komponisten hat sich die Pianistin Claire Huangci für ihr neues und erstes Konzert-Album beim Label Berlin Classics ausgesucht. Ignacy Jan Paderewski (1860-1941) ist der heute weit weniger bekannte von beiden, seinen Namen assoziiert man inzwischen eher mit seinen politischen (u. a. als erster Ministerpräsident Polens) als seinen musikalischen Leistungen. Durchaus anders verhielt sich dies zu seinen Lebzeiten, zu denen er auch als vielbeachteter Musiker hohes Ansehen genoss – nicht zuletzt wurde ihm sogar ein Stern auf dem Hollywood Walk of Fame gewidmet. Ein einziges Klavierkonzert hat Paderewski, seines Zeichens selbst ein herausragender Pianist, geschrieben, entsprechend hohe Anforderungen stellt es an den Solisten.

Sensible Musikalität

Dass Huangci über eine exzellente Technik verfügt, hat sie sowohl auf der Bühne als auch im Studio hinlänglich nachgewiesen. Diese kommt ihr in den virtuos herausfordernden Passagen der Ecksätze hörbar entgegen, wo sie komplexe Akkordfolgen und Arpeggien unangestrengt bewältigt, beispielhaft lassen sich die halsbrecherischen Achtel-Oktavsprünge Mitte des ersten Satzes sowie dessen rasante Kadenz nennen. Das allein wäre aber erst die halbe pianistische Miete. Ihre ausgeprägte Musikalität ermöglicht es ihr, darüber hinaus die melodische Charakteristik eindringlich darzustellen. Robust zupacken kann sie dabei ebenso wie mit lyrisch getragener Geste (etwa in der Solo-Passage hin zum breiten Ritardando vor dem ‚a tempo‘-Abschnitt ausgangs des ersten Satzes) innehalten. Mit beseelter Innigkeit (u. a. im wunderbaren Dialog mit der Solovioline) lässt sie die Poesie der 'Romanze' aufblühen. Den volksliedhaft kolorierten Finalsatz beleuchtet sie mit impulsivem Temperament, sie streut glitzernde Diskant-Perlen. Im Zusammenspiel mit der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern unter der klanglich einfühlsamen Leitung von Shiyeon Sung gelingt ihr auf diese Weise eine so fesselnde und lebendige Interpretation, dass man sich fragt, weshalb dieses Konzert bis heute ein derartiges Schattendasein führt.

Inspirierter Dialog

Das genaue Gegenteil ist der Fall bei Chopins Klavierkonzert Nr. 1 e-Moll op. 11, das zu den pianistischen Dauerbrennern gehört. Dass sich Neuaufnahmen hiervon nach wie vor lohnen können, beweist diese Einspielung. Im Kopfsatz vereint Huangci auch hier geballte virtuose Kraft mit sensiblen lyrischen ‚Auszeiten‘ bei durchgehender Transparenz bis in die Mittelstimmen. Ihre technischen Fähigkeiten versetzen sie wiederum in die Lage, einmal gewählte rasche Tempi im Kreuzfeuer schwierigster technischer Hürden ohne Temposchwankungen selbst dort durchzuhalten, wo Kollegen nicht selten agogische Kompromisse eingehen müssen – man denke an die ausgedehnten Sechzehntelketten mit ihren in der linken Hand unterlegten Trillern kurz vor Ende des Kopfsatzes.

Die Kantilenen des Mittelsatzes schweben mit anrührend warmem Timbre. Das rhythmisch pointierte 'Rondo' hat sie technisch ebenfalls voll im Griff, ihr Spiel kann es durchaus mit so namhaften Spezialisten wie Krystian Zimerman aufnehmen. Immer wieder ist gesagt worden, Chopins Orchestrierung sei mangelhaft oder weise jedenfalls Schwächen auf. Mikhail Pletnev hat in jüngerer Zeit Korrekturen daran vorgenommen – durchaus mit klangfarblich bereicherndem Erfolg. Shiyeon Sungs Dirigat lässt indessen auch an der herkömmlichen Fassung nichts vermissen, das Orchester steht in einem beständig hellwachen, inspirierten Dialog mit Huangci. Sie selbst hat das Geleitwort zu einem informativen Booklet verfasst.


Thomas Gehrig, 24.01.2020

Label: Berlin Classics
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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