Magazin: CD-Kritiken
Bach, Schumann, Liszt

Details zu Bach, Schumann, Liszt: Jamina Gerl, Klavier

Bach, Schumann, Liszt: Jamina Gerl, Klavier

Große Natürlichkeit

Die junge Bonner Pianistin Jamina Gerl trifft bei Schumann vollendet den romantischen Ton und zeigt sich hochvirtuos bei Liszt.

Nicht nur Goethe, Mendelssohn, Schumann und Liszt reisten nach Italien, Mendelssohn zusätzlich nach England und Schottland, Schumann nach Wien, Liszt oft nach Budapest. Sie alle suchten nach dem ‚Eigenen im Fremden‘, wie die junge deutsche Pianistin Jamina Gerl passend in ihrem Vorwort zur neuen exzellenten CD 'Bach, Schumann, Liszt' formuliert. Auch sie selbst nimmt sich mit diesen drei für das Klavier so wichtigen Meistern Vorbilder und formt daraus ein ganz persönliches 81-minütiges Statement.

Sie eröffnet kühn mit dem Orgelpräludium a-Moll BWV 543 (Fassung für Klavier von Franz Liszt 1842/50). Bereits hier zeigt sie großes Verständnis für Bachs monumentale Universalität. Der romantische Duktus ist fein herausgearbeitet, obwohl die Strenge der Konstruktion glasklar durchhörbar ist. Fein beginnt Gerl die Fuge. Der Steinway-D-Flügel in der Friedrich-Ebert-Halle Hamburg leistet ihr treue Dienste, bietet ein sonor-brillantes und ausgewogenes Klangbild. Ihre Klaviertechnik ist vorzüglich, vor allem ihre dynamische Schattierung überrascht. Große Natürlichkeit prägt ihr Klavierspiel.

Da passt es fabelhaft, wenn im Anschluss Liszts eigene Kompositionen erklingen: Gerls Wahl fällt auf drei 'Sonette nach Francesco Petrarca'. In 'Gepriesen sei der Tag' lässt die Pianistin ihrer großen musikalischen Fantasie freien Lauf. Dabei nimmt sie den Hörer mit in eine Welt der Wunder und harmonischen Überraschungen. Keine übertriebene Effekthascherei begleitet die flüssig perlende Version der 1986 in Bonn geborenen Pianistin. Besonders introvertiert schlägt sie das Petrarca-Sonett 123 'Ich sah auf Erden engelsgleichen Glanz' an. Ihr ganzes Herz legt sie in diese Musik und schafft so eine gefühlvolle Atmosphäre der Entrücktheit.


Manuel Stangorra, 21.09.2020

Label: TYXart
Spielzeit: 80:52
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