Magazin: CD-Kritiken
Röntgen, Julius: Piano Concerti

Details zu Röntgen, Julius: Piano Concerti: Oliver Triendl, Kristiansand Symphony Orchestra, Hermann Bäumer

Röntgen, Julius: Piano Concerti: Oliver Triendl, Kristiansand Symphony Orchestra, Hermann Bäumer

Klarer Anschlag

Oliver Triendl hat zusammen mit dem Orchester der norwegischen Stadt Kristiansand unter Hermann Bäumer drei hörenswerte Klavierkonzerte von Julius Röntgen eingespielt.

Die Julius-Röntgen-Reihe bei cpo nimmt inzwischen beachtliche Dimensionen an, und nun kommt eine zweite Platte mit Klavierkonzerten hinzu. Die Interpreten wurden allerdings ausgetauscht: Oliver Triendl und Hermann Bäumer am Pult des Symphonieorchesters Kristiansand ersetzen hier Matthias Kirschnereit und die von David Porcelijn geleitete NDR Radiophilharmonie Hannover, die auf der ersten Platte gespielt hatten. Übrigens ist Röntgen bislang nicht einmal in der auf stolze 79 Platten angewachsenen Hyperion-Reihe 'The Romantic Piano Concerto' vertreten.

Nicht weniger als sieben Klavierkonzerte schrieb Julius Röntgen. Er wollte damit selbst als Solist brillieren, und so klingt auch das dritte Konzert in d-moll von 1887. Andererseits wird man als Hörer auch auf Schritt und Tritt an Brahms erinnert, dessen Klavierkonzerte ja gerade den Gegentyp zum klassischen Virtuosenvehikel darstellen. Vielleicht kann man sagen, dass Röntgen hier den Versuch unternimmt, beides zu vereinen. Das Ergebnis ist wie immer bei Röntgen hübsch, aber doch nicht ganz so packend wie einige seiner anderen Werke.

Herbe Klangfarben

 

1930 schrieb Röntgen seine beiden letzten Klavierkonzerte, nach seiner Ansicht sind dies siamesische Zwillinge, die auch zusammen aufgeführt werden sollten. Dem sechsten Konzert (e-Moll) hört man den großen zeitlichen Abstand zum dritten sofort an, es klingt zwar keineswegs schräg oder atonal, aber dennoch sehr viel moderner als das ältere Werk. Und auch sehr viel spannender in seinen etwas herben, gedeckten Klangfarben.

Das Orchester aus der kleinen, am Skagerrak gelegenen norwegischen Stadt Kristiansand ist ja nun auf Tonträgern nicht gerade häufig zu hören, klingt aber hier gar nicht übel. Viele Bläser, auch Violine und Cello klingen in ihren Soli sehr angenehm, und immer wieder gelingen schöne knackige Tuttistellen. Solist Oliver Triendl ist als einer der großen Vorkämpfer der Vergessenen bei cpo ohnehin kaum zu übertreffen und auch hier wieder mit seiner zugleich entschlossenen und unaufdringlichen Art zu erleben.

Besonders im siebten Konzert fällt sein ausgesprochen klarer Anschlag auf, das Pedal verwendet er sehr sparsam. Oliver Triendl interpretiert mit diesem sehr klaren Ansatz das Konzert womöglich vollkommen anders, als Röntgen es selbst getan hätte, denn seinem Spiel wurden zuweilen Sentimentalität, Aufgeregtheit, heftige Stimmungen und Schwere nachgesagt. Da auch das Orchester überaus transparent klingt, wirkt die Interpretation geradezu nüchtern, vielleicht wollte man bei einem 1930 entstandenen Konzert eine allzu ‚romantische‘ Emphase vermeiden. Im Gegensatz zu einer älteren Aufnahme mit Cor de Groot und dem Dutch Radio Philharmonic Orchestra unter Richard Hickox spielen die Interpreten die ungekürzte Fassung.


Jan Kampmeier, 17.10.2019

Label: cpo
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