Magazin: CD-Kritiken
Robert Schumann: Orchester- und Kammermusikwerke

Details zu Robert Schumann: Orchester- und Kammermusikwerke: Klavierduo Eckerle

Robert Schumann: Orchester- und Kammermusikwerke: Klavierduo Eckerle

Schumann reloaded

Das groß angelegte Schumann-Projekt des Klavierduos Eckerle biegt auf die Zielgerade ein.

Beim mittlerweile fünften Teil ihres zyklisch angelegten Schumann-Projekts ist das Klavierduo Eckerle inzwischen angekommen. Gegenstand der Reihe sind Orchester- und Kammermusikwerke in Bearbeitungen zu vier Händen. Auf der neuesten CD enthalten sind die Symphonien Nummer eins und drei. Von Robert und Clara gemeinsam stammt die vierhändige Adaption der sogenannten 'Frühlingssymphonie', die Einrichtung des Klaviersatzes findet einen guten Weg zwischen für technischer Realisierbarkeit für ‚Normalsterbliche‘ und klanglicher Abbildung der Partitur.

Agile Vitalität

Hohe Intensität kennzeichnet das Spiel des Duos Eckerle in der Introduktion des Kopfsatzes, im anschließenden Abschnitt gerät lediglich die Sechzehntel-Abwärtsbewegung des Hauptthemas etwas zu behäbig, im weiteren Verlauf herrscht agile Vitalität. Im Larghetto fallen die dynamischen Schattierungen in Richtung Pianissimo zu gering aus. Das Eingangsmotiv des Scherzo besitzt zupackende Elastizität, etwas mehr hervorgehoben werden könnte der spielerische Charakter des Trios. Der Schlusssatz wirkt stellenweise rhythmisch ein bisschen steif. Ähnlich durchwachsen gerät die – diesmal von Robert allein arrangierte – d-Moll-Symphonie op. 120. Die Einleitung des Kopfsatzes entwickelt wiederum gekonnt einen Spannungsbogen zum Hauptteil hin. Dessen musikalischen Gehalt erfasst das Duo mit scharf umrissener Artikulation und ausgeprägtem Sinn für dramaturgische Zäsuren. Die polyphonen Strukturen der Durchführung sind klar umrissen, im Folgenden überzeugt das Spiel der beiden mit markanten Akzentuierungen.

Wissenschaftlich fundiert

Der 'Romanze' wiederum fehlt es an nach innen gekehrter Reflexion. Ähnlich wie in der vorangegangenen Symphonie zeigt sich auch hier das Scherzo von zwei Seiten. Zu überzeugen im besten Sinne der Vortragsbezeichnung weiß der mit ‚Lebhaft‘ überschriebene Teil, in dem straffe Betonungen die Binnenspannung hochhalten. Das Trio hingegen entwickelt zu wenig musikalisches Profil. Bestens gelingt die Überleitung in den vierten Satz, der zum Abschluss in quirliger Spielfreude und kontrastreichem Anschlag erstrahlt. Genauso griffig hätte man sich Phrasierung und Artikulation auch in den anderen Ecksätzen gewünscht. Dennoch: Nicht nur, weil es sich um Weltersteinspielungen handelt, die einen hohen Repertoirewert besitzen – diese Serie eröffnet eine kompetent interpretierte, völlig neue Sicht auf das symphonische Œuvre Schumanns. Auf insgesamt sieben Folgen ist die von ‚Schumann-Papst‘ Joachim Draheim konzeptionell begleitete Reihe ausgerichtet – auf die verbleibenden zwei darf man schon jetzt gespannt sein. Die (inklusive Japanisch) dreisprachigen Ausführungen im Booklet warten mit viel wissenschaftlich fundierten Informationen auf und rücken biographische und rezeptionsgeschichtliche Aspekte ins rechte Licht.


Thomas Gehrig, 06.12.2019

Label: Naxos
Interpretation: 
Klangqualität: 
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Booklet: 




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