Magazin: CD-Kritiken
Perspectives on Schubert

Details zu Perspectives on Schubert: Camerata Musica Limburg, Jan Schumacher

Perspectives on Schubert: Camerata Musica Limburg, Jan Schumacher

Inspirierender Schubert

Die Camerata Limburg singt, als Abschluss ihrer Gesamtaufnahme von Schuberts Kompositionen für Männerchor, auf dieser Platte von Schubert inspirierte Werke anderer Komponisten.

Die Camerata Musica Limburg hat sämtliche Werke Schuberts für Männerchor aufgenommen, und nun erscheint als ‚Zugabe‘ zu diesem Projekt die hochspannende Platte 'Perspectives on Schubert'. Es sind darauf keine originalen Männerchöre von Schubert mehr zu hören, sondern Werke anderer Komponisten, die in irgendeiner Form von Schubert inspiriert wurden. Die Spanne reicht von Friedrich Silchers Bearbeitung des 'Lindenbaums' ('Am Brunnen vor dem Tore'), Jakob Christs Chorfassung von 'Im Abendrot' ('O wie schön ist deine Welt') und Peter Cornelius‘ 'Grablied', das auf Schuberts 'Der Tod und das Mädchen' beruht, – sicher die bekanntesten Werke dieser Platte – bis hin zu Werken, die für die Camerata Musica Limburg neu komponiert wurden.

So folgt auf den Lindenbaum ein 'Erlkönig' von Mårten Jansson, der musikalisch völlig eigenständig ist, ein anspruchsvolles neues Werk für Männerchöre. Kaum noch einen Bezug zu Schubert lässt Nicola Campograndes 'Amore' erkennen. Alwin Schronen hingegen hat sich durch Motive und Themen Schuberts inspirieren lassen, davon ausgehend jedoch ebenfalls ein ganz eigenständiges Werk geschaffen, auch er speziell für diesen Chor. Insgesamt acht zeitgenössische Kompositionen (und damit knapp die Hälfte aller Werke) sind auf der neuen Platte enthalten.

Daneben gibt es aber auch einige sehr berühmte Komponisten des 19. Jahrhunderts, so etwa Johannes Brahms mit seinem wenig bekannten Werk 'Einförmig ist der Liebe Gram', das musikalisch auf Schuberts 'Leiermann' aus der 'Winterreise' beruht und eigentlich für Frauenchor komponiert wurde. Auch Franz Liszt, dessen zahlreiche auf Schuberts Liedern beruhenden Klavierwerke ja bekannt sind, ist hier vertreten mit einer Bearbeitung der 'Allmacht' D. 852 für Sopran (Hanna-Elisabeth Müller) und Männerchor, in dieser Aufnahme zudem ergänzt durch eine Klavierbegleitung (Andreas Frese).

Höchst expressiv

Ein spannendes Experiment ist auch 'Jede Nacht' von Franz Herzog, der für die Camerata Musica Limburg Auszüge aus einem Brief Schuberts mit Motiven aus seinem Lied 'Der Tod und das Mädchen' verbindet und daraus, sozusagen, 'Der Tod und Schubert' macht. Das umfangreichste Werk der Platte ist zugleich das neueste (2018) und stammt von dem jüngsten Komponisten, Christopher Tarnow, Jahrgang 1984. Seine Komposition 'Nachtlied' ('Über allen Gipfeln ist Ruh’') nach Goethe, ist ein knapp zehnminütiges und (bei diesem Text eher unerwartet) höchst expressives Werk für Männerchor, Tenorsolist (Andreas Karasiak) und Klavier zu vier Händen (Andreas Frese und der Komponist Christopher Tarnow).

Gleich zweimal ist Granville Bantock vertreten, der aus Schuberts Liedern 'Du bist die Ruh' und 'Am Meer' ('Das Meer erglänzte weit hinaus') zwei stimmungsvolle Männerchöre gemacht und dazu die Texte ins Englische übertragen hat. Auch der bis heute für seine Männerchöre bekannte Franz Abt bearbeitete ein Schubert-Lied, allerdings wählte er mit dem 'Morgenständchen' ('Horch, horch, die Lerch’ im Ätherblau') eine weit weniger bekannte Vorlage, und das gleiche gilt für Andreas Schenck und sein 'Trinklied' ('Bacchus, feister Fürst des Weins'). Thomas Thurnhers 'Was vom Traume blieb' beruht zwar ebenfalls auf einem Schubert-Lied, nämlich 'Nacht und Träume', allerdings hat er die Vorlage sehr viel freier behandelt und eine neue Klavierstimme dazu komponiert.

Das Programm wird gerahmt durch zwei Versionen von 'An die Musik' ('Du holde Kunst'), nämlich Schuberts Original zu Beginn, gesungen von Christoph Prégardien, und am Schluss einstimmig von der Camerata Musica Limburg gesungen zu einer etwas jazzig improvisierten Klavierbegleitung von Walter Born. Insgesamt ist es ziemlich spannend, wie spätere Komponisten Schubert umgehen, und besonders kurzweilig wird die Platte dadurch, dass meist neue und ältere Werke abwechseln. Wie auch bei den Aufnahmen Schuberts eigener Werke klingt die Camerata Musica Limburg sehr sauber und ausgewogen, makellos und glatt, mit schlankem Klang und insbesondere hellen, zuweilen ‚flötenden‘ Tenören. Der Chor bekommt hier reichlich Gelegenheit, zu zeigen was er kann, denn so manches Werk stellt hohe Ansprüche. Auch die expressiven Möglichkeiten kommen in vielen Fällen gut zur Geltung.


Jan Kampmeier, 22.11.2019

Label: Genuin
Interpretation: 
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Booklet: 




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