Magazin: CD-Kritiken
Reizenstein, Franz: Piano Concerto No.2, Serenade, Overture Cyrano de Bergerac

Details zu Reizenstein, Franz: Piano Concerto No.2, Serenade, Overture Cyrano de Bergerac: Oliver Triendl, Nürnberger Symphoniker, Yaron Traub

Reizenstein, Franz: Piano Concerto No.2, Serenade, Overture Cyrano de Bergerac: Oliver Triendl, Nürnberger Symphoniker, Yaron Traub

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Bei dem vorliegenden Plädoyer für den aus Nürnberg stammenden Komponisten Franz Reizenstein überzeugt vor allem der Pianist Oliver Triendl.

Wie Berthold Goldschmidt, Hans Gál, Karl Rankl, Mátyás Seiber oder Egon Wellesz gehört auch Franz Reizenstein (1911–1968) zu jenen Komponisten, die als Juden vor Nazideutschland nach Großbritannien flüchteten. Während Gál und Wellesz an den Universitäten Edinburgh bzw. Oxford eine akademische Heimat fanden, wurde Reizenstein 1958 Klavierprofessor am Londoner Royal College of Music, behielt also die kompositorische Tätigkeit gerade auch in Großbritannien im besonderen Fokus. Umso überraschender ist die schmale Diskografie seiner Werke; immerhin existiert seit kurzem eine 3-CD-Box mit seiner Klaviermusik (Lyrita), und auf cpo erschien das Cellokonzert mit dem Solisten Raphael Wallfisch, außerdem wurde schon vor langer Zeit eine wichtige CD mit Kammermusik bei Continuum verlegt; Kolja Lessings Einsatz für die Sonaten auf Edition Abseits darf gleichfalls nicht unerwähnt bleiben.

Reizvolle Präsentation

Reizenstein war gebürtiger Nürnberger, und zum 50. Todestag spielten die Nürnberger Symphoniker unter der Leitung von Yaron Traub eine CD mit Orchestermusik ein. Das einzige Werk, das keine Tonträgerpremiere ist, ist das zweite Klavierkonzert F-Dur op. 37 (1961), das auch 2012 auf Dutton erschienen war – kaum verwunderlich, war doch die Komposition schon 1963 in Nürnberg zu hören, als Reizenstein der städtische Kulturpreis verliehen wurde. Das Konzert ist eine reizvolle Präsentation dessen, was Paul Hindemith, Reizensteins ehemaliger Lehrer, hätte schaffen können, wenn er einen gehörigen Schuss britischen Blutes in seinen Stil beigemischt bekommen hätte. Interessanterweise ist Oliver Triendl ein weitaus anglophonerer Solist als jener der englischen CD-Premiere, der das Werk eher schwergewichtig hatte daherkommen lassen. Triendl verbindet Hindemiths Witz und Charme mit Reizensteins Eigenheiten, und die Nürnberger Musiker sind ihm lebhafte, inspirierte Partner. Leider ist die Aufnahmetechnik in diesem Werk nicht recht geglückt, zu stark ist der Nachhall, um der Musik voll zu dienen; doch ist dies nur eine geringe Einschränkung.

In eine andere Welt entführt uns die Ouvertüre 'Cyrano de Bergerac' op. 28 (1948), eine Komposition voller Energie und Kraft, die man sich in der Uraufführung unter Adrian Boult 1954 noch energischer und intensiver vorstellen dürfte; die Nürnberger Symphoniker, bekannt durch ihre Filmsoundtracks, sind musikalisch zu indifferent, zu wenig aktiv in ihrer Gestaltung, als dass eine wirklich rundum geglückte Einspielung entstanden wäre. Da liegt dem Orchester die fünfsätzige Suite F-Dur op. 29a (1952) mit ihrem entspannteren, leichteren Duktus deutlich besser; dass die Aufnahmetechnik auch hier den Klang gelegentlich unschön ‚verdickt‘, die Klarheit des Orchesters nicht unterstützt, sondern vielmehr verunklart wird, beeinträchtigt hier aber weniger den Gesamteindruck. Zentrales Werk bleibt aber – auch durch die glückliche Wahl des Solisten – das Klavierkonzert, das sich als attraktives tonales Konzertwerk aus der Mitte des 20. Jahrhunderts gerne im Musikleben etablieren dürfte.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 02.10.2019

Label: cpo
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Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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