Magazin: CD-Kritiken
Busoni, Ferruccio: Piano Music Vol.11

Details zu Busoni, Ferruccio: Piano Music Vol.11: Wolf Harden, Klavier

Busoni, Ferruccio: Piano Music Vol.11: Wolf Harden, Klavier

Bach mit den Ohren Busonis

Die elfte und vorläufig vorletzte Folge der Busoni-Einspielungen durch Wolf Harden ist wiederum geprägt durch die Liebe des Komponisten zu Johann Sebastian Bach und die Kompetenz des Interpreten.

Die elfte und vorläufig vorletzte Folge der Busoni-Einspielungen durch Wolf Harden ist erneut geprägt durch die Liebe des Komponisten zu Johann Sebastian Bach. Schon die 'Sonata brevis' ist deutlich von Bach geprägt, Doch findet der Komponist hier durchaus eigene Formulierungen, die der musikalischen Sprache der Zeit entsprechen, in der der Komponist gelebt und gearbeitet hat. Wolf Harden, dem das gesamte pianistische Werk Busonis anvertraut ist, erweist sich wiederum als kompetenter Anwalt dieses Komponisten. Er interpretiert die Komposition sehr einfühlsam. Einerseits betont er mit heftigem Anschlag die Härten des Stückes, andererseits reagiert er mit pianistischer Leichtigkeit und Weichheit auf die idyllischen Passagen dieses Werkes. Die polyphonen Teile der Komposition musiziert er recht durchsichtig. Überhaupt ist die Sorgfalt zu loben, mit der der Pianist die emotionalen Anteile gestaltet.

'Preludio al Corale en Fuga sopra un frammento di Bach' ist eine verkürzte Version der 'Fantasia Contrappuntistica', befasst sich entsprechend mit dem berühmten Thema B-A-C-H, mit dem 'Die Kunst der Fuge' des Meisters schließt. Busoni komponiert dieses Ende des Bachschen Vorbildes aus und fügt Fugen hinzu, deren Themen in der einen oder anderen Weise von der Kunst der Fuge abgeleitet sind, am ohrenfälligsten in der vierten Fuge. Das alles musiziert der Pianist unprätentiös und mit dynamischer Zurückhaltung und Nachdenklichkeit sowie großer Einsicht in die polyphonen Strukturen.

Makellose Sechzehntelketten

Wolf Harden fügt die Bearbeitung von 'Präludium, Fuge und Allegro' in Es-Dur hinzu. Es handelt sich hier ursprünglich um eine Komposition für Laute. Busoni lässt den Pianisten die Komposition Bachs zum größten Teil in der Originalversion spielen; nur an wenigen Stellen modifiziert er die Komposition; außerdem erlaubt er sich Freiheiten im Ablauf der drei Stücke. Das Klavier klingt hier wieder eher weich. Bewundernswert sind die makellosen Sechzehntelketten, die das Stück enthält.

Den Schluss der Aufnahme bilden zehn Choralvorspiele, in denen Busoni Choralbearbeitungen für das Klavier adaptiert. Die Tugenden des Pianisten kommen auch hier vollauf zur Geltung. Die Bearbeitungen durch Busoni, auch hier die wörtliche Übertragung der Orgelsätze auf das Klavier, sind als Zyklus gedacht, sie können jedoch auch einzeln gespielt werden. Mit großer Virtuosität wird die Bearbeitung des Chorals 'Nun freut euch, lieben Christen' gespielt, wieder mit blendend ausgespielten Sechzehntelketten. Auch die langsamen Choräle finden bei Wolf Harden einen einfühlsamen Interpreten.

In einer Zeit der historisch informierten Interpretation ragen die Bearbeitungen Busonis wie Fremdkörper hervor. Doch sind auch diese Bearbeitungen historisch, insofern sie das Verständnis der Bachschen Musik in der Spätromantik offenbaren. Es wird bei dieser Aufnahme deutlich, dass auch dieser Zugang zur Musik Bachs legitim ist. Jedenfalls macht Wolf Harden dies in seiner Interpretation hörbar.


Diederich Lüken, 08.09.2020

Label: Naxos
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