Magazin: CD-Kritiken
Schumann, Robert: Fantasiestücke, Humoreske

Details zu Schumann, Robert: Fantasiestücke, Humoreske: Jörg Demus, Klavier

Schumann, Robert: Fantasiestücke, Humoreske: Jörg Demus, Klavier

Legendäre Schumann-Interpretation

Ein würdiges Memento für Jörg Demus ist diese Schumann-Platte, die leider zu kurz geraten ist.

Als Schumann-Interpret war der im April verstorbene Jörg Demus legendär. Seine Gesamteinspielung des Klavierwerks auf Intercord (auf Nuova Era wiederveröffentlicht) wurde lange Jahre zum Maßstab für fast alle Neuveröffentlichungen, und nur das nicht so renommierte Plattenlabel hat bewirkt, dass er nicht das Renommee erlangen konnte, das er verdiente. 1984 hat Demus für Dabringhaus & Grimm (MDG) Schumanns 'Fantasiestücke' op. 12 und die 'Humoreske' op. 20 auf einem Hammerflügel von Conrad Graf (um 1835) eingespielt, eine Einspielung, die nicht nur die Verwendung von historischen Instrumenten bei Schumann einläutete – vor allem eine musikalisch und klanglich vorbildliche Interpretation der beiden Werke, die in den Augen des Rezensenten selten überboten worden ist.

Facettenreicher Klang

Der Graf-Flügel verfügt über eine Vielzahl an klanglichen Schattierungen, die Schumanns musikalische Fantasie auf das Treffendste wiederspiegeln (jeder moderne Flügel ‚verflacht‘ da fast unweigerlich die Musik). In der Wiederveröffentlichung scheint der Klang des Hammerflügels noch facettenreicher als in den früheren Veröffentlichungen – silbrig-hell im Diskant, klar, ‚rollend‘ im Bass. Demus weiß alle Pedale des Instruments (auch den Moderator) klug einzusetzen, so gelingen ihm Interpretationen, die auch seine eigenen Interpretationen auf modernem Flügel hinter sich lassen. Schumanns Musik singt, poltert, strahlt, säuselt, steigert sich, ganz nach Bedarf. Technische Schwierigkeiten kannte Demus nicht, vermittelt allerorten den Überschwang des jungen Schumann; auch wusste er, wo die Musik Rubato verträgt und wo nicht. Vor allem macht er auch die Logik der einzelnen Teile seiner 'Humoreske' op. 20 auf glücklichste Weise deutlich – einer Komposition, die wie die 'Fantasiestücke' für die Klaviermusik des späteren 19. Jahrhunderts von großer Bedeutung werden sollte.

Der Inhalt des Booklets der Originalveröffentlichung hat sich in der Neugestaltung kaum verändert (vor allem vermisst man immer noch die exakten Aufnahmedaten, und ein Foto des Hammerflügels fehlt). Und warum, muss man fragen dürfen, wurde das Gemälde auf dem Cover durch ein sehr ähnliches ausgetauscht? So vermittelt sich dem Sammler, der vielleicht die ältere CD-Ausgabe schon hat, der Eindruck, da gäbe es doch noch eine Veröffentlichung mit ihm bislang unbekannten Schätzen, vielleicht gar mit Bonustracks (etwa den drei Einzelklavierstücken von Schumann, die Demus 1965 für die deutsche Harmonia mundi auf einer Short Playing Disc, also einer sogenannten Single vorgelegt hatte und die meines Wissens nie auf CD veröffentlicht worden sind). Aber das sind winzige Einschränkungen. Hier haben eine Veröffentlichung, die würdig des Pianisten gedenkt und ihn – wenn nicht schon längst geschehen – im Schumann-Himmel als Fixstern platziert.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 26.08.2019

Label: MDG
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




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