Magazin: CD-Kritiken
Offenbach, Jacques: Complete Piano Works

Details zu Offenbach, Jacques: Complete Piano Works: Marco Sollini, Klavier

Offenbach, Jacques: Complete Piano Works: Marco Sollini, Klavier

Sturm im Wasserglas

Das Gesamtwerk für Klavier von Jacques Offenbach

Der 200. Geburtstag von Jacques Offenbach ist Impuls, nicht nur das Œuvre dieses Meisters einer Wiederbelebung zu unterziehen, sondern auch in den Archiven der Tonindustrie zu forschen, was da noch zur Wiederveröffentlichung herumliegt. Bei der vorliegenden CD-Kassette, die passend zum Offenbach-Jahr 2019 erschienen ist, handelt es sich um recycelte ältere Aufnahmen, die vor rund 10 Jahren erscheinen sind. Glücklicherweise ist man mittlerweile auf der Suche nach Unbekannten, nach Werken, die oft zu Unrecht vergessen sind.

Jacques Offenbach gehört mit Sicherheit zu den Komponisten, die bis heute zumeist unterschätzt werden. Umso mehr ist es zu begrüßen, dass sich der Pianist Marco Sollini es auf sich genommen hat, das Klavierwerk von Offenbach einzuspielen. Es handelt sich bei diesen Werken keineswegs um spektakuläre Kompositionen. Offenbach war primär ein Mann der Bühne, aber sie sind doch hinlänglich interessant, weil sie einen Einblick in das damalige Musikleben geben und zudem die kompositorische Entwicklung dieses Komponisten dokumentieren. 

Vieles von dem, was jetzt in der Klavierversion zu hören ist, wurde auf prunkvollen Pariser Bällen mit großem Orchester gespielt. Gedruckt wurden diese Werke zumeist in einer nachspielbaren Klavierfassung für das Zuhause. Zu hören sind auch vier Walzer aus den Jahren 1836/37, die zu den frühsten Werken gehören, mit denen sich Offenbach an die Öffentlichkeit wagte. Interessant sind auch die Ausschnitte aus der Operette 'Die Reise zum Mond' und anderen Bühnenwerken Offenbachs sowie weitere pianistische Petitessen. 

Zu gewissenhaft

So weit so gut. Marco Sollini ist ein Pianist mit einer soliden Technik. Leider fehlt bei seinem Spiel eine tänzerische Leichtigkeit, die Offenbach‘sche Ironie, um diesen Werken gerecht zu werden. Sollini musiziert ernsthaft und gewissenhaft und damit an den Werken auch vorbei. Daran ändern auch seine virtuosen Arrangements des 'Can-Can', einer Musette und der Olympia-Arie aus den 'Les Contes d'Hoffmann' nichts. Sein Arrangement des 'Can-Can' klingt eher nach einer netten Klavierübung à la Czerny. Das dürfte nicht im Sinne Offenbachs sein. Interessant und informativ ist das sehr umfangreiche Booklet.


Michael Pitz-Grewenig, 01.11.2019

Label: cpo
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




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Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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