Magazin: CD-Kritiken
Kahn, Robert: Works for Violoncello & Piano

Details zu Kahn, Robert: Works for Violoncello & Piano: Torleif Thedéen, Oliver Triendl

Kahn, Robert: Works for Violoncello & Piano: Torleif Thedéen, Oliver Triendl

Attraktive Kammermusik

Torleif Thedéen und Oliver Triendl brechen eine Lanze für Robert Kahns Kammermusik für Cello und Klavier.

Die Erkundung der Kammermusik von Robert Kahn (1865–1951) geht in die nächste Phase. Die Cellosonaten F-Dur op. 37 und d-Moll op. 56 entstanden 1902 bzw. um 1910; stilistisch sind beide Werke noch dem deutschen Kaiserreich zuzuordnen – die gründliche im Großen und Ganzen konservative Ausbildung Kahns zeigt einen Musiker, der sein Handwerk auf das Beste versteht, der musikalische Formen zu füllen versteht (beide Sonaten sind jeweils dreisätzig, verzichten auf ein Scherzo, bieten stattdessen substanzielle Mittelsätze), harmonisch attraktiv zu schreiben weiß, auch ein Meister der Liniengestaltung ist. Innovation ist von Kahn weniger zu erwarten – wohl aber attraktive Konzertmusik, die sicher nicht primär für das häusliche Musizieren geeignet ist.

Tiefe und Humor

Diesem Eindruck treten aber auch die Interpreten der vorliegenden Produktion entgegen – vehement entgegen, möchte man fast sagen, wäre Torleif Thedéens und Oliver Triendls Spiel nicht alles andere als pauschal. Vielmehr haben wir hier Musiker, die in jedem Takt Kahns Musik genau so viel Sorgfalt und musikalischen Ernst angedeihen lassen wie einer Sonate von Brahms oder Saint-Saëns. Die langsamen Sätze besitzen jene Dichte und interpretatorische Tiefe, die die Musik nur hergeben kann; dass auch der Humor nicht zu kurz kommt, beweisen die Musiker mit Leichtigkeit in ihrer exuberanten Wiedergabe des Schlusssatzes der ersten Sonate, während die zweite Sonate insgesamt von größerer Leidenschaftlichkeit geprägt ist. Hier ist jeder Schatten Schumanns oder Brahms‘ nun auch wirklich komplett vergessen, und wir haben einen Komponisten, den man sich auch mit einem Reger oder Pfitzner in einem Konzertprogramm vorstellen kann. Hörbar fühlen sich Thedéen wie Triendl in dem weiten Spektrum an Klangwelten, harmonischen Entwicklungen und musikalischen Vertracktheiten Kahns äußerst wohl. Es ist ihnen auch ein besonderes Anliegen, die Besonderheiten der drei Stücke op. 25 (1897 im Druck erschienen) herauszuarbeiten (nicht nur die humoristischen und sentimentalen – aber auch diese), die eben nicht in einer Traditionslinie Schumann-Brahms zu verstehen sind, sondern einen durchaus eigenen Ton erkunden, der mit zunehmender diskografischer Erschließung von Kahns kompositorischen Schaffen immer klarer zu Tage tritt. Bedarf es der Erwähnung, dass beste Deutschlandfunk-Aufnahmetechnik und ein ausführlicher Booklettext das Gesamtergebnis zu einer rundum gelungenen Sache machen?


Dr. Jürgen Schaarwächter, 14.11.2019

Label: cpo
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Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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