Magazin: CD-Kritiken
Enescu: Works for Violin and Piano

Details zu Enescu: Works for Violin and Piano: Duo Brüggen-Plank

Enescu: Works for Violin and Piano: Duo Brüggen-Plank

Enescu neu entdeckt

Mit Sorgfalt und Können widmen sich die Geigerin Marie Radauer-Plank und die Pianistin Henrike Brüggen dem kammermusikalischen Schaffen des rumänischen Komponisten George Enescu.

2017 überraschte das Duo Brüggen-Plank mit ihrer ersten CD beim Label Genuin mit Sonaten und Bearbeitungen für Violine und Klavier des polnischen Komponisten Karol Maciej Szymanowski. Es war nicht nur ihr makelloses Spiel, sondern ihre Interpretation, die belegt, dass Henrike Brüggen am Klavier und Marie Radauer-Plank an der Violine miteinander auf Augenhöhe musizieren. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Komponisten wie dem Werk ist für sie selbstverständliche Voraussetzung zur Interpretation. Zudem haben beide in der seit 2007 bestehenden Duo-Partnerschaft einen künstlerischer Reifegrad erreicht, der allen theoretischen Unterbau als natürlich gegeben vergessen lässt und die Aufmerksamkeit ausschließlich auf das jeweilige Werk konzentriert.

Auf ihrer zweiten CD porträtiert das Duo Brüggen-Plank nun den Rumänen George Enescu (1881-1955) mit seinen Violinsonaten Nr. 2 op. 6 und Nr. 3 op. 25, mit den 'Impressions d‘enfance' op. 28 und dem 'Impromptu concertant' aus dem Jahr 1903. Enescus Musik sei zu schwierig, um in den Konzertprogrammen eine Rolle zu spielen, stellt der Musikwissenschaftler und Komponist Pascal Bentoiu fest. Seit Jahrzehnten beschäftigt er sich mit seinem Landsmann Enescu, der im Reigen mit Fritz Kreisler und Jacques Thibeaud einer der berühmtesten Geiger seiner Zeit war. In gleichem Maße suchte Enescu die Anerkennung als Komponist.

Festgelegt auf den volkstümlichen Stil

Enescu war ein Wunderkind. Mit vier Jahren begann er das Violinspiel, mit fünf Jahren schrieb er sein erste Komposition. Während er als Virtuose dem Zeitgeschmack seinen Tribut zollte, entwickelte er als Komponist einen unvergleichlichen Personalstil. Als Student beschäftigte er sich zunächst intensiv mit rumänischer Folkloristik, die in den Werken jener Frühphase durchklingen. Das gilt u. a. für seine Violinsonate Nr. 3 op. 25, was ihm den Ruf des volkstümlichen Exoten einbrachte und ihn zeitlebens darauf festlegte. Das neoromantische 'Impromptu concertant' des 22-Jährigen stieß auf Desinteresse, wie viele weitere Werke, die er in wechselnden Stilen komponierte, als erfände er mit jedem Werk eine neue Ausrichtung.

Die Violinsonate Nr. 2 bezeichnete Enescu in einem Atemzug mit dem Streichoktett als jene Werke, in denen er fühlte, dass er er selbst wurde. Violine und Klavier beginnen unisono überaus bewegt in mäandernden Linien, die schließlich in ein kunstvolles polyphones Geflecht zweier völlig konträrer Individuen übergehen. Rhythmus und Harmonie lösen sich auf. Das führt zu Verwirrung und Orientierungslosigkeit.

Hochvirtuos angelegte Stimmungen

Verwirrung stellt sich auch bei den 'Impressions d‘enfance' ein, komponiert 1940. Zehn einzelne Sätze in unterschiedlicher Länge zwischen einer halben Minute und vier Minuten beschreiben programmatisch Kindheitserinnerungen, Begegnungen, Naturerscheinungen oder Stimmungen. Die einzelnen Sätze sind kompositorisch so angelegt, dass der Eindruck freier Improvisation latent ist, als zeichne der Komponist im Augenblick des Geschehens in Tönen seine Eindrücke.

Marie Radauer-Plank meistert diese hochvirtuosen Partien mit Bravour. Sie zaubert im Solo silbrig glitzerndes Vogelgezwitscher und im Zusammenspiel mit Henrike Brüggen Mondscheinatmosphäre. Die Portamenti, die Enescu bewusst auskomponierte, gelingen ihr kunstvoll und bemessen am Grad der Hörgewohnheiten des Gegenwartspublikums maßvoll austariert. Virtuosität beweisen sie nicht um ihrer selbst willen, sondern lassen glitzern und funkeln, was Enescu in rasanten Tempi auszudrücken ersann.

Im Booklet erzählen die Künstlerinnen von der Vielzahl an Hinweisen, die Enescu in die Partitur schrieb, um eine Aufführung nach seinen Vorstellungen zu ermöglichen. Was immer er auch angab, Marie Radauer-Plank und Henrike Brüggen setzen es mit Verve und musikalischer Tiefe um. So gelingt es ihnen, Vorbehalte gegenüber Enescus stilistischen Reichtum und expressive Klangsprache abzubauen und Begeisterung für seine Musik zu fördern. Längst ist das heutige Kammermusik-Publikum offen für diese mitreißende Musik.


Christiane Franke, 19.03.2020

Label: Genuin , VÖ: 05.04.2019
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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