Magazin: CD-Kritiken
The Romantic Horn

Details zu The Romantic Horn: Richard Watkins, Julius Drake

The Romantic Horn: Richard Watkins, Julius Drake

Der faszinierende Klang des Horns

Richard Watkins präsentiert zusammen mit Julius Drake romantische Werke für Horn und Klavier.

Das Horn fein nuanciert und in vollem Klang hörbar zu machen, ist eine große Kunst. Richard Watkins beherrscht sie. Schon mit 12 Jahren spielte er als erster Hornist im Philharmonieorchester. Seine zahlreichen Einspielungen zeigen das breite Repertoire der Hornliteratur. In der neuen CD 'Das romantische Horn' fokussiert er, zusammen mit dem Pianisten Julius Drake, weit über die romantische Musikepoche hinaus auf bekannte Standards der Hornkompositionen von 1800 bis 1956, von Beethoven bis Poulenc und Victor. Die Stücke sind nicht chronologisch, sondern dramaturgisch so arrangiert, dass sich der romantisch melancholische Hornklang steigert und am Schluss unterhaltsam mit witzigen Toneffekten leicht parodistisch endet. Die gelungene Programmauswahl lässt das Horn in den unterschiedlichsten Stimmungen, Tempi und Dynamiken erklingen. Mit Julius Drake am Klavier wirken die Interpretationen sehr ausgewogen. Beide Musiker arbeiten schon seit Jahrzehnten zusammen, geben sich gegenseitig Raum und harmonieren im ständigen Wechsel von subtilem und wuchtigem Spiel.

Melancholisch schwebend

Fein nuanciert mit heftigen Crescendi beginnt die CD mit einer rasanten Interpretation von Beethovens Hornsonate op. 17 (1800). Mit kontrastreich und quirlig sprudelnden Läufen und Trillern am Klavier und der satten Tonalität des Horns im Allegro, in gemeinsamer Getragenheit im 'Poco Allegro' und den durchdringenden Tönen des Horns und immer schnelleren Tempi im Rondo gelingt eine spannende Einführung in das faszinierende Spiel von Horn und Klavier. In Franz Strauss‘ 'Nocturno' op. 7 (1904), einem Hauptwerk der Hornmusik, schwebt die Hornmelodie melancholisch über dem Klavierspiel, genauso in Richard Strauss‘ kurzem, überaus innigem, sehr anspruchsvollem 'Andante' (1888), das Strauss für die Silberhochzeit seiner Eltern komponierte.

Robert Schumanns anspruchsvolles 'Adagio und Allegro' op. 70 (1848) interpretiert Richard Watkins souverän in großen Bögen und lang ausklingenden Tönen. Am Ende von Alexander Glazunovs anschließender Komposition 'Rêverie' op. 24 (1849) entführt Watkins mit faszinierender Subtilität und einer lang gehaltenen Note pianissimo in romantische Ferne, um dann in Scriabins 'Romance' in berührender Klangschönheit romantische Gefühle erblühen zu lassen, die er über Paul Dukas‘ tonal extrem komplexe Komposition 'Villanelle' (1906) in der lyrischen Melodie weiterführt. Im Wechsel von perlendem Klavierspiel und rasanten und durchdringenden Hornpassagen entwickeln sich quirlige Tonqualitäten, nochmals übertroffen von Poulencs kraftvoller 'Élégie' (1956). Sie entstand als Hommage für den verunglückten Hornspieler Dennis Brain. Watson und Drake interpretieren sie mit berührender Klarheit. Die Monumentalität des Todes und der zarte Herzschlag der Erinnerung werden gleichermaßen hörbar, wobei das Horn immer wieder mit unaufhaltsamer tonaler Wucht tragisch drängt, schließlich in den melancholischen Pulsschlag des Klaviers einstimmt, um ganz zart zu entschwinden, dem das Klavier in tonaler Helligkeit folgt. Mit Gilbert Victors temperamentvollen 'Hunter‘s Moon' (1942), eine Komposition zwischen Jagd-, Traum- und alkoholisierten Stimmungen, endet die CD mit witzig ausgestellten Toneffekten bis zur schrägen Eskalation der tiefen Töne. Ja, so schön und vielseitig kann Horn klingen.


Michaela Schabel, 12.12.2019

Label: signum classics
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

Unser Service:

 Schriftgröße   + / - 

Drucker Seite drucken

RSS RSS


Anzeige

NOTE 1 - Mitteilungen (2/2020) herunterladen (2900 KByte)