Magazin: CD-Kritiken
Beethoven, Ludwig van: Triple Concerto, Piano Concerto No.2

Details zu Beethoven, Ludwig van: Triple Concerto, Piano Concerto No.2: Lars Vogt, Maria Joao Pires, Tim Hugh, London Symphony Orchestra, Bernard Haitink

Beethoven, Ludwig van: Triple Concerto, Piano Concerto No.2: Lars Vogt, Maria Joao Pires, Tim Hugh, London Symphony Orchestra, Bernard Haitink

Haitink dirigiert Beethoven

Das Label LSO live nutzt Haitinks Beendigung seiner Dirigentenlaufbahn zur Konservierung außerordentlicher Live-Konzerte. Daran müssen sich neue Einspielungen messen.

Nach 65 Jahren beendete Bernard Haitink seine außergewöhnliche Dirigentenlaufbahn. Das war im September 2019 beim Lucerne Festival am Pult der Wiener Philharmoniker mit Anton Bruckners 7. Symphonie. Plattenlabels nahmen das Ende dieser außergewöhnlichen Dirigentenlaufbahn zum Anlass und gruben mit Blick auf das Beethovenjahr 2020 aus, was zu bewahren lohnt. Dazu zählen Live-Mitschnitte im Barbican Centre in London von Beethovens Tripelkonzert in C-Dur op. 56 in der legendären Aufführung mit den Solisten Gordan Nikolitch (Violine), Tim Hugh (Cello) und Lars Vogt (Klavier) im November 2005 und von Beethovens Klavierkonzert Nr. 2 in B-Dur op. 19 mit der portugiesischen Pianistin Maria João Pires (Februar 2013). Beide Interpretationen tragen deutlich die Handschrift Haitinks: unaufdringlich, schnörkellos, minutiös ausbalanciert, in jedem Moment ganz im Dienst der Musik. Das macht dieses Tondokument im Reigen der zahlreichen Einspielungen zum Beethovenjahr 2020 so außerordentlich.

Sein Klavierkonzert Nr. 2 komponierte der damals knapp 18-jährige Beethoven noch in Bonn, also vor der Nr. 1. Das Werk veröffentlichte Beethoven jedoch erst, als er in Wien als Pianist auftrat. Stilistisch betrachtet ist das Werk ein Sonderfall. Beethovens Früh- und Spätstil treffen hier aufeinander, denn das Konzert fertigte er um 1788, aber erst 1801 vollendete er es und komponierte 1809 die Kadenz.

Empfindsam

Maria João Pires spürt in ihrer Interpretation dem Konversationszauber des jugendlichen Beethoven nach. Keine überzogenen Tempi, keine überbordende Opulenz, stattdessen Ausloten in einem Maß, das an Intensität nicht zu überbieten ist. Der erste Satz sprüht von in sich ruhender Leichtigkeit und Frische, die Pires auch in der Kadenz beibehält und damit die eigentliche Schwere mildert. Träumerisch zart beginnt Pires den folgenden Variationensatz, ein Adagio. Die Rezitative, versehen mit dem Aufführungshinweis ‚con gran espressione‘, spielt sie mit größtmöglicher Empfindsamkeit, rhythmisch frei atmend, und lanciert dadurch eine spannungsgeladene Konversation mit dem London Symphony Orchestra, das unter Anleitung des zum Zeitpunkt der Aufführung bereits 84-jährigen Bernard Haitink hochsensibel agiert. Solche Momente gelingen nur in Ausnahmeaufführungen. Fein ausmusiziert und virtuos sprühend folgt das Rondo.

Großartige Spielfreude

Die Soloparts im Tripelkonzert hat Beethoven auf die Fertigkeit der Finger seiner Freunde und Gönner zugeschnitten: Erzherzog Rudolph am Klavier, Carl August Siedler an der Violine und der Komponist Anton Kraft am Cello. Entsprechend ungleichgewichtet sind die Anforderungen. Erzherzog Rudolph spielte bescheiden, Anton Kraft war ein brillanter Virtuose, für den sogar Haydn ein Konzert komponiert hatte. So wundert es nicht, dass man das Tripelkonzert oft auch als verkapptes Cellokonzert bezeichnet. Doch nicht nur deswegen attestiert die Wissenschaft diesem Werk Mängel, die hinsichtlich der Entstehungszeit um 1803/04 zeitgleich mit der 'Eroica' schwer nachvollziehbar sind.

An Beliebtheit hat das Werk, das in dieser einzigartigen instrumentalen Solistenbesetzung seinesgleichen sucht, nie eingebüßt. Originelle Themen, überraschende Wendungen, eine gute Mischung zwischen lyrischem Ton und tänzerischer Ausgelassenheit, vital und frisch in jedem Moment, verbreiten vor allem Spielfreude. Dafür sorgen die jungen Solisten. Haitink bietet ihrem Stürmen und Drängen ungehindert Raum und hält mit einem überaus empfindsam agierenden Orchester alles zusammen. So klingt das Tripelkonzert, wenn Jugend und Reife sich musikalisch zusammenfinden.

Die Sorgfalt dieser Edition spiegelt sich auch im Booklet wider. Die Texte sind in englischer, französischer und deutscher Sprache abgefasst. Die Autoren werfen ein Blitzlicht auf Beethoven, bieten mit fundiertem Wissen Einführungen in die Werke und stellen umfassende Hinweise zu jedem Künstler und dem Orchester bereit.


Christiane Franke, 17.02.2020

Label: LSO Live
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

Unser Service:

 Schriftgröße   + / - 

Drucker Seite drucken

RSS RSS


Anzeige

NOTE 1 - Mitteilungen (3/2020) herunterladen (2910 KByte)