Magazin: CD-Kritiken
France Romance

Details zu France Romance: Kotaro Fukuma, Klavier

France Romance: Kotaro Fukuma, Klavier

Vive la France

Kotaro Fukuma zeichnet ein aufgewecktes Bild vom pianistischen Frankreich ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert.

'France Romance' lautet der Titel des neuen Albums, das der japanische Pianist Kotaro Fukuma beim Label Naxos eingespielt hat. Bekanntes und abseitiges Repertoire, ein abwechslungsreicher Querschnitt durch die französische Klavierliteratur ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert ist darauf zu finden. Nicht fehlen dürfen dabei natürlich die alles überstrahlenden Namen Ravel und Debussy, in 'Rêverie' und 'La plus que lente' des Letzteren beweist er einen feinfühligen, wohl nicht zuletzt aufgrund seiner eigenen Studien in Paris gut geschulten Umgang mit der Ära des Impressionismus. Mit sorgsam dosiertem Pedalgebrauch ordnet er die Klangschichten gut durchhörbar an, die kontemplativen Stücke besitzen bei ihm einen ruhigen, in ihrer Phrasierung ebenmäßigen Atem. Gleiches gilt für Ravels 'Pavane pour une infante défunte', die in erhabener Getragenheit einherschreitet.

Besondere Version

Einer ganz besonderen Version begegnet man in 'La Valse'. Die Originalversion zu zwei Händen gefiel Fukuma nach eigenem, im Vorwort zum Begleittext abgedrucktem Bekunden nie so richtig. Also fertigte er sukzessiv erst eine verkürzte, dann eine komplett bearbeitete eigene Bearbeitung dieses Stücks an. Nicht nur zeigt er sich darin mit satztechnischen Aspekten bestens vertraut, auch sein Spiel transportiert die bunt kolorierte Hommage an den Wiener Walzer in all ihren Facetten von wilder Ausgelassenheit bis reflektierender Sentimentalität. Kleine Kostbarkeiten sind die 'Trois romances sans paroles' op. 17 von Gabriel Fauré sowie die Auszüge aus dessen '8 pièces brèves' op. 84, Fukuma holt sie verdienstvollerweise aus ihrem Schattendasein heraus und rückt sie in ein emotional ergreifendes Licht. Ebenso verfährt er mit einer Auswahl an Raritäten von Francis Poulenc ('Hommage à Edith Piaf' aus den '15 Improvisations' und 'Trois Novelettes' FP 47/FP 173).

Repertoire-Highlight

Weitere eigene Transkriptionen Fukumas finden sich in 'Je te veux' und 'Parlez-moi d‘amour', auch hier beherrscht er sein kompositorisches Können und das musikalische Sujet sicher. Ein Repertoire-Highlight sind die bis heute kaum bekannten sechs Arrangements von Trenet-Chansons des großen bulgarischen, leider viel zu stark in Vergessenheit geratenen Pianisten Alexis Weissenberg. Seine Bearbeitungen sind wertvolle, zu Herzen gehende Miniaturen. Bekannt gemacht hat von diesen vor allem das Stück 'En avril à Paris' der Kanadier Marc-André Hamelin, hinter dessen durch und durch vital sprudelnder Interpretation bleibt Fukuma allerdings weit zurück. Richtig überzeugend gelingt ihm lediglich das luftig schwebende 'Coin de rue', in den übrigen geht ihm leider die virtuose Lockerheit eines Hamelin ab, tatsächlich sind die liebenswerten Petitessen technisch um ein Vielfaches schwerer, als sie für den Hörer klingen. Alles in allem aber doch eine lohnende, repertoirebereichernde CD.


Thomas Gehrig, 28.08.2019

Label: Naxos
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

Unser Service:

 Schriftgröße   + / - 

Drucker Seite drucken

RSS RSS


Anzeige

NOTE 1 - Mitteilungen (11/2019) herunterladen (4454 KByte)

Class aktuell (4/2019) herunterladen (4308 KByte)