Magazin: CD-Kritiken
Shades of Love

Details zu Shades of Love: Sofia de Salis, Iryna Krasnovska

Shades of Love: Sofia de Salis, Iryna Krasnovska

Mit Querflöte neu interpretiert

Sofia de Salis präsentiert bewährte Musikstücke auf der Querflöte.

Für ihr erstes Album 'French Impressions' wurde Sofia de Salis 2017 bejubelt. Mit 'Shades of Love' will die russisch-schweizerische Flötistin, die nach dem Studium am Moskauer Konservatorium und in Basel bei vielen berühmten Querflötisten Unterricht nahm, an ihren Erfolg anknüpfen. Der Titel 'Shades of Love', auch für klassikferne Hörer interessant, signalisiert eine publikumswirksame Vermarktungsstrategie, wobei das Programm mit klassischen Stücken zwischen den Eckpunkten Romantik und Fin de siècle verortet ist, von Franz Schubert bis César Franck.

Musikalische Hingabe

Im Zentrum steht natürlich der virtuose Klang der Querflöte. Die versierte ukrainische Pianistin Iryna Krasnovska weiß temperamentvoll Akzente zu setzen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Franz Schuberts 'Arpeggione-Sonate', ursprünglich für ‚Guitarre-Violoncell‘ komponiert, später oft mit Violine oder Oboe gespielt, bildet den Auftakt. Das ungewöhnliche Arrangement für Querflöte, bearbeitet durch Konrad Hünteler, erfordert ein gewisses Umdenken, da infolge der ungewohnten Instrumentierung nicht alle Erwartungen erfüllt werden können. Sofia de Salis vermag in ihrer musikalischen Hingabe durchaus sehr subtil die Unterschiedlichkeit der Temperamente in den drei Sätzen ins Bewusstsein zu bringen, zumal das finale Allegretto durch die klangschönen solistischen Melodieteile des Klaviers sehr gewinnt, aber insgesamt kann die Querflöte die Klangqualitäten der ursprünglichen Instrumente nicht ersetzen.

Auch die Einspielung von César Francks wild-romantischer Sonate für Violine und Klavier op. 120, von Douglas Woodfull-Harris für Querflöte bearbeitet, bleibt hinter der virtuosen mitreißenden Klavierstimme insbesondere im fulminanten zweiten Satz zurück. Der klare Querflötenklang kann gegenüber den facettenreichen Violin-Interpretationen nur in den ruhigen Tempi mithalten. Erst in der Fantasia, dem dritten Teil, kommt de Salis‘ inniges Gespür für diese Musik in den sehnsuchtsvollen Partien klangschön und voluminös zur Geltung, wobei hier das abschließende Allegretto trotz der spieltechnischen Herausforderungen durch die extrem hohe Tonlage nicht an den Charme einer ebenbürtigen Violin-Interpretation heranreicht.

Viel besser passen dagegen Robert Schumanns 'Drei Romanzen für Oboe und Klavier' op. 94, bearbeitet von Jacques Larocque, zur Querflöte. Hier kommen die 'Shades of Love' in den schlichten Melodien bestens zum Ausdruck. Das gilt auch für Schuberts 'Zwei Walzer für Klavier', von Tatiana Smirnova für Querflöte erweitert. Fröhlich volkstümlich interpretiert de Salis die 'Atzenbrugger Tänze' Nr. 3 und 29, schwungvoll-gefühlvoll die 'Valse Sentimental'. Mit dem wunderschönen melancholischen 'Ständchen' Nr. 4 aus dem 'Schwanengesang' klingt das Album sehr romantisch aus. Insgesamt ist die CD sicher ein Highlight für Liebhaber der Querflöte, weniger für Liebhaber originalgetreuer Kompositionsinterpretationen.


Michaela Schabel, 23.09.2019

Label: ARS Produktion , VÖ: 05.04.2019
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