Magazin: CD-Kritiken
Catoire, Georgy/Friedman Ignaz: Klavier-Quintette

Details zu Catoire, Georgy/Friedman Ignaz: Klavier-Quintette: Bengt Forsberg, Nils-Erik Sparf, Ulf Forsberg, Ellen Nisbeth, Andreas Brantelio

Catoire, Georgy/Friedman Ignaz: Klavier-Quintette: Bengt Forsberg, Nils-Erik Sparf, Ulf Forsberg, Ellen Nisbeth, Andreas Brantelio

Überbordend expressiv

Zwei unbekannte, aber lohnende Klavierquartette aus der Zeit des Ersten Weltkriegs erklingen auf dieser Einspielung in wuchtigen Interpretationen.

Fünf Schweden spielen Klavierquintette von Georgij Catoire (1861–1926, manchmal auch ‚Katuar‘, ein Russe mit französischen Wurzeln) sowie des polnischen Pianisten Ignaz Friedman (1882–1948). Es wäre ganz interessant zu wissen, warum die Musiker sich gerade dieses sehr unbekannte Repertoire und diese Komponisten ausgesucht haben, doch darüber erfährt man leider nichts. Auf der ansonsten vorbildlich wirkenden Platte des Labels BIS sind Pianist Bengt Forsberg und Cellist Andreas Brantelid die bekanntesten Musiker, außerdem spielen an den Violinen Nils-Erik Sparf und Ulf Forsberg sowie an der Bratsche Ellen Nisbeth. Die beiden Werke eint ihre Dreisätzigkeit, außerdem sind sie zeitlich in enger Nachbarschaft entstanden, das eine zu Beginn, das andere zu Ende des Ersten Weltkriegs. 1914 komponierte Catoire sein Quintett g-moll op. 28, ein Werk von absolut überbordender Expressivität, und so wird es von den Interpreten auch präsentiert. Wie die meisten Komponisten behält Catoire in seinem relativ überschaubaren Schaffen die Tonalität grundsätzlich bei, dennoch ist besonders das Finale höchst unorthodoxe und originelle Musik. Die Interpreten schärfen hier den Klang und geben kräftige Akzente.

Aufgewühlt und selbstbewusst

Catoire, der in Berlin studiert hat, stand früh unter dem starken Einfluss Wagners, später sagt man seinen Werken Einflüsse von Chopin, Debussy und Franck nach. Für sein Klavierquintett scheinen mir solche Zuschreibungen zwar kaum plausibel, doch obwohl auch Rimskij-Korsakow, Ljadow, Arenskij und Tanejew zu seinen Lehrern gehörten, sind typisch russische Elemente in seiner Musik jedenfalls vergleichsweise wenig zu finden. Wollte man überhaupt einen Vergleich wagen, so könnte man in einigen Aspekten vielleicht Ähnlichkeiten zu Skrjabin finden, freilich weit weniger radikal. Noch aufgewühlter kommt das Quintett c-moll von Ignaz Friedman daher, ein ausgesprochen ‚selbstbewusstes‘ Stück Musik für einen weitgehend unbekannten Komponisten. Besonders griffig sind die höchst kontrastreichen Variationen im zweiten Satz, aber auch das als 'Epilog' bezeichnete Finale. Dessen Vortragsbezeichnung 'Allegretto semplice' wirkt angesichts der Wucht dieser Musik ziemlich deplatziert. Im Beiheft wird dieses Werk als das bedeutendste des Komponisten bezeichnet.

Die vor gut zwei Jahren entstandenen Aufnahmen sind ziemlich eindrucksvoll, denn die Musiker gehen ausgesprochen forsch zu Werke, erreichen einen großen, voluminösen Klang, und der wirkt auch auf der neuen Platte gut ausgewogen. Transparenz und Details stehen allerdings weniger im Vordergrund als mitreißender Klangrausch.


Jan Kampmeier, 08.04.2019

Label: BIS Records , VÖ: 27.02.2019
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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