Magazin: CD-Kritiken
Schumann, Clara: Complete Songs

Details zu Schumann, Clara: Complete Songs: Miriam Alexandra, Peter Gijsbertsen, Jozef de Beenhouwer

Schumann, Clara: Complete Songs: Miriam Alexandra, Peter Gijsbertsen, Jozef de Beenhouwer

Alle Lieder von Clara Schumann

Ein Beitrag zum 200. Geburtstag von Clara Schumann, der nicht rundum überzeugt.

Gedenkjahre für Musiker, wenn sie denn einmal grundsätzlich als notwendig anerkannt sind, haben vielerlei Zwecke. Vor- und Fehlurteile können aus dem Weg geräumt werden. Nun gäbe es gerade bei unserer Jubilarin Clara Schumann, deren 200. Geburtstag wir am 13. September feiern können, in der Tat noch eine Menge aufzuarbeiten. Zu diesem Geburtstag haben nun Miriam Alexandra Sopran), Peter Gijsbertsen (Tenor) und Jozef de Beenhouwers (Klavier) alle Lieder von Clara Schumann, die zwischen 1831 und 1846 entstanden sind, in der Originaltonart eingespielt und geben damit einen faszinierenden Einblick in das erstaunlich vielfältige Liedschaffen dieser Komponistin, wobei die kompositorische Vielfalt, mit dem die Texte vertont wurden, überrascht.

Beim Anhören dieser Lieder drängt sich immer mehr der Gedanke auf, warum diese Komponistin bis heute von der Musikwissenschaft noch immer nicht besonders ernst genommen wird. Das ist umso schmerzlicher vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Robert Schumann ihr das Komponieren zwar nicht verboten hat, aber kaum etwas dafür getan hat, dass sie aus seinem Schatten zu treten vermochte. Die vorliegende Einspielung ist schon allein aus diesem Grunde begrüßenswert. Das Urteil des Musikwissenschaftlers Thomas Synofzik – ‚Ich denke, dass Claras Kompositionen wirklich einen eigenen Stellenwert haben und so langsam auch anerkannt werden. Dass sie nicht nur bedeutende Kompositionen hinterlassen hat, weil sie eine der wenigen Frauen war, die im 19. Jahrhundert komponiert haben, sondern weil es einfach Sachen sind, die neben romantischen Komponisten der Zeit wunderbar bestehen können.‘ – wird durch die Lieder eindringlich belegt. 

Klare Diktion

Erstaunlich, mit welcher Reife Clara Schumann schon mit 12 Jahren den Text 'Der Wanderer' von Justinus Kerner musikalisch erfasst hat. Auch ihre Vertonung aus dem Jahre 1853 von 'Das Veilchen' nach dem gleichen Text, den Mozart vertont hat, ist eine Trouvaille. Die Sängerin Miriam Alexandra besitzt eine helle Sopranstimme, ihre glasklare Diktion und Phrasierung ist stets klar und verständlich, das lässt sie durchaus zu einer Fürsprecherin der Lieder Clara Schumanns werden. Aber leider werden alle Lieder mit der gleichen Intensität und Interpretationshaltung interpretiert. Man vermisst schmerzlich emotionale Flexibilität und klangfarbliche Vielfalt. Oftmals fehlt es an schwebenden Stimmungen, sphärischem Glanz – Ausdrucksmittel, die diese romantischen Lieder unwiderstehlich machen könnten.

Peter Gijsbertsen kann mit seinem flexiblen Tenor mehr überzeugen und den Liedern durch stimmliche Varietät Kontur verleihen. Bei ihm verbinden sich technische Souveränität und sichere Begehung des vielschichtigen kompositorischen Geländes. Nur so und vor dem Hintergrund einer subtilen Klanggestaltung können diese Lieder musikalisch überzeugend gestaltet werden. Jozef de Beenhouwers ist ein erfahrener Liederbegleiter, der sich trotz einzelner virtuoser Passagen, man vergleiche hierzu die Lieder op. 12 nach Rückert, nie in den Vordergrund drängt. Er erfasst die Musik als stets ausgewogen: Kontraste von Dynamik und Artikulation sind stets auf den Text bezogen. Lobend soll auch der Text im beiliegenden Booklet erwähnt werden, der ausführlich über das Liedœuvre der Komponistin berichtet.


Michael Pitz-Grewenig, 27.08.2019

Label: MDG
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Booklet: 




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Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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