Magazin: CD-Kritiken
Schumann, Robert: Works for Piano solo

Details zu Schumann, Robert: Works for Piano solo: Christopher Park, Klavier

Schumann, Robert: Works for Piano solo: Christopher Park, Klavier

Romantische Sehnsucht

Christopher Park spielt Robert Schumann träumerisch, brillant und voller Sehnsucht.

Nicht nur in den Schumann-Städten Leipzig (Clara19.Leipzig.de), Zwickau, Düsseldorf und Bonn gerät das Ehepaar Clara und Robert Schumann durch den 200. Geburtstag Claras in diesem Herbst verstärkt in den Fokus. Auch die Klaviermusik Roberts, der in seinen Anfangsjahren im Bekanntheitsgrad deutlich hinter seiner Frau, die eine brillante Konzertpianistin war, hinterherhinkte, erfreut sich ungebrochenen Zuspruchs. Das gilt ebenso für den aktuellen CD-Neuerscheinungsmarkt. So hat sich der junge Christopher Park, Pianist mit deutsch-koreanischen Wurzeln, der bereits auf einige Erfolge (Leonard Bernstein Award des Schleswig-Holstein Musik Festival, ECHO-'Rising Star', Förderpreis Rheingau Musikfestival) verweisen kann, der früheren Klavierperiode Robert Schumanns auf OEHMS Classics angenommen. Park gelingt hier eine absolut solide Neueinspielung der 'Arabeske' op.18, des 'Konzerts ohne Orchester' op. 14, von 'Blumenstück' op. 19, 'Faschingsschwank aus Wien' op. 26 und – als Beigabe – dem später gestrichenen 'Scherzo' aus dem 'Konzert ohne Orchester'.

Zwar nicht gänzlich frei von Manierlichkeit kommt die 'Arabeske' op.18 daher, doch Park, bei dem sowohl Einflüsse russischer wie deutscher Schule sich die Waage halten, hat ein schönes tragfähiges Konzept vorzuweisen. Sein Anschlag ist klar. Der Flügel klingt unter seinen Händen brillant und auch der Raumklang der Aufnahme ist ideal eingestellt. So wirkt die vorgetragene 'Arabeske' modern und zeitlos zugleich. Die dynamischen Abstufungen gelingen dem Künstler zwar nicht immer perfekt, Unterschiede zwischen Piano und Pianissimo sind oft zu gering und es fehlt der Aufnahme an Patina, so wie sie beispielsweise jene von Horowitz verströmt, bei dem Sehnsucht und Nostalgie aufkeimen. Soviel Inneres kann Park freilich noch (?) nicht über die ganze Strecke geben, aber der 1987 in Bamberg geborene Pianist steht ja erst am Anfang einer vielversprechenden Karriere.

Große Wucht

Das 'Konzert ohne Orchester', mitunter auch 'Dritte Große Sonate' genannt, ist ein eigentümliches Werk, welches Schumann 1835/36 schrieb. Er arbeitete es für seinen Verleger Tobias Haslinger noch einmal um, weil dieser sich von einem kürzeren Werk erhöhte Verkaufschancen erhoffte. Ja, auch diese Zwänge gab es damals schon. Die ursprünglichen fünf Sätze schienen Haslinger zu lang. Park spielt zuerst mit viel Mut die dreisätzige Fassung. Eines der beiden Scherzi, welches Schumann bei der Revision der Sonate 1853 wieder einfügte, gibt er als Beigabe zu. Schumann widmet die f-Moll-Sonate seinem großen Vorbild Ignaz Moscheles. Die Sonate wird nicht so oft wie ihre beiden Schwestern gespielt, ist aber ein Werk großer Virtuosität, so dass Park hier sein Können mit großer Wucht demonstrieren kann: Wie ein Trauermarsch kommt das Thema im Andantino daher, verbreitet düstere Stimmung. Leider hört man, dass der Flügel hier nicht perfekt gestimmt ist. Durch die Variationen kann der Hörer dem Pianisten mühelos folgen. Ob Sechzehntel- oder Triolenausschmückung – Park ist immer präzise im Anschlag und hat eine interpretatorische Überraschung parat, so wirkt sein Spiel nie ermüdend. Sehr flink durchprescht er das 'Passionato', bleibt aber im 'Prestissimo possibile' tempomäßig ab Takt 17 (und auch an der Parallelstelle) etwas kleben, wovon nichts in der Partitur steht. Die Pedaltrennung funktioniert hier auch nicht immer exakt, so dass es zu sicher nicht beabsichtigten Verschwimmungen kommt. Zum Beispiel fallen die dynamischen Kontraste ab T.274ff. zwischen dem Pianissimo und dem Forte zu mager aus. Die Lyrik des hin- und herschwelgenden Seiten-Themas wird da nicht vollends ausgeschöpft und enthält zuviel Rubato. So tritt der rauschende Stretta-Effekt nicht gebührend ein.

Mit siebeneinhalb Minuten Aufführungsdauer ist das sogenannte 'Blumenstück', welches ebenfalls in Wien entstand, eine richtige Zugabe, bei der der Hörer sofort an Clara Schumann denkt. Diese Aufnahme transportiert durchaus sein graziles Wesen, wenngleich mitunter etwas stockend. Möglich ist es, dass diese Interpretation live im Konzertsaal vollkommen stimmig ist, für eine Studioaufnahme ist sie für meinen Geschmack etwas zu behäbig, bedächtig. Sicher ist das eine Geschmacksfrage. Objektiv gibt es nichts daran auszusetzen.

Ausgereifter 'Faschingsschwank'

Stürmischer Schumann begegnet uns im Zyklus 'Faschingsschwank aus Wien' op. 26. Christopher Park legt hier noch einmal seine ganze Emotion in sein Spiel, das im Allegro so eine noble, teils feurige Note bekommt. Da ist sein Spiel abgeklärt und ausgereift. Damit kann er jeden Klavierabend auf höchstem Niveau bestreiten. Fest hält er die Zügel auch rhythmisch in der Hand, was sehr gefällt, genau wie seine zusammenraffende Sicht, die den nicht kurzen Satz logisch gliedern. Inniglich, fast intim wird der Pianist in der 'Romanze', wenn er im Pianissimo Schumanns musikalische Gedanken vorträgt, bei der der Komponist vielleicht an das 'Adagio cantabile' aus Beethovens Sonate op. 30, Nr. 2 für Klavier und Violine gedacht haben könnte. Zumindest weisen die jeweils eröffnenden Themen frappierende Ähnlichkeiten auf. Im 'Scherzino' versprüht Park gediegene Heiterkeit, die aber auch etwas Schwermut mitschleift. Sehr bekannt ist das 'Intermezzo', ebenfalls ein typisch romantischer Schumann, der hier in dieser Aufnahme seine exemplarische Wiedergabe erfährt: träumerisch, brillant und voller Sehnsucht. Das fetzige Finale spielt Park keineswegs als Gassenhauer oder Rausschmeißer, sondern mit Bedacht und kluger Disposition, technisch immer überzeugend und dem gediegenen Gesamtbild dienend. Vielleicht fehlt Christopher Park noch das ‚besessene Talent‘ (Joachim Kaiser) seines Lehrers Lev Natochenny oder die Magie eines Daniil Trifonovs, doch der 32-Jährige hat durchaus das Zeug zu weiteren Höhenflügen.


Manuel Stangorra, 10.12.2019

Label: OehmsClassics , VÖ: 12.04.2019
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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