Magazin: CD-Kritiken
Die Entdeckung der Blauen Blume

Details zu Die Entdeckung der Blauen Blume: Duo Mattick Huth

Die Entdeckung der Blauen Blume: Duo Mattick Huth

Stimmiges Klangporträt

Mit Kompositionen von Schubert und Schumann zeichnen Christian Mattick und Mathias Huth ein musikalisches Aquarell der Romantik, wie es farbenfroher und in sich stimmiger kaum sein könnte. Das Duo beschert dem Zuhörer Kammermusik auf höchstem Niveau.

Wenn man zwei hervorragende Instrumentalisten miteinander musizieren hört und anschließend glaubt, nicht zwei verschiedene, sondern nur einziges Instrument gehört zu haben, weiß man, dass es sich um Kammermusik in ihrem besten Sinne handelt. Die vorliegende Aufnahme mit Kompositionen von Schubert und Schumann, gespielt von Christian Mattick (Querflöte) und Mathias Huth (Klavier), die beim Label Genuin Classics veröffentlicht wurde, besitzt zahlreiche Qualitäten, aber besonders eindrucksvoll ist die Tatsache, dass es den Musikern gelingt, ihre Instrumente bei aller Verschiedenheit wie aus einem Guss klingen zu lassen. Obwohl die Querflöte schon allein aufgrund der Helligkeit ihres Klangs dazu prädestiniert ist, sich solistisch hervorzutun, scheint sie hier so mit dem Klavier zu verschmelzen, dass der Zuhörer nicht länger auf die Besonderheiten der einzelnen Instrumente achtet, sondern nur noch die verschiedenen musikalischen Farbtöne wahrnimmt.

Musikalische Erzählungen

Ebenso wie die Instrumente klanglich perfekt aufeinander abgestimmt sind, präsentieren Mattick und Huth auch in ihrer musikalischen Interpretation ein stimmiges und zutiefst facettenreiches Bild der Romantik. Besonders Schubert wird sehr vielschichtig dargestellt: Auf dem Programm stehen drei Liedbearbeitungen aus dem 'Schwanengesang', die Schuberts unnachahmliches Talent auf dem Gebiet der Melodik veranschaulichen, eine noch ganz in den Gefilden der Klassik beheimatete Sonatine, und die großen Variationen über das Lied 'Trockene Blumen' aus dem Zyklus 'Die schöne Müllerin' – ein Werk, das sowohl als Original als auch in seiner Verarbeitung als Variationenzyklus geradezu Inbegriff der Romantik ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Variationen, die das gleiche Thema wieder und wieder aufgreifen und den Zuhörer schließlich eher ermüden als unterhalten, gelingt es Mattick und Huth, dem Lied in jeder einzelnen Variation von neuem Leben einzuhauchen. Mehr noch: Erst in der weiteren Verarbeitung des Liedthemas erfährt der Zuhörer die komplette Bandbreite an Emotionen, die in dem Lied verborgen sind.

Das Lied selbst wirkt schwermütig, melancholisch und düster, und auch die Zeilen ‚Blümlein alle, heraus, heraus, der Maien ist kommen, der Winter ist aus‘ klingen alles andere als befreiend, sondern bleiben verhalten und dunkel. In den Variationen jedoch holen Mattick und Huth sämtliche Facetten ans Licht, die zuvor nur weit unter der Oberfläche gebrodelt haben. So wird der Zuhörer bald mit dramatischen, zornigen, bald sanfmütig-leichtfüßigen bis hin zu feurig-überschäumenden Aspekten einer Geschichte konfrontiert, die auf diese Weise trotz der Wiederkehr des Themas nicht eintönig, sondern vielmehr ausgesprochen spannend wirkt und die Neugierde des Zuhörers immer wieder neu entfacht.

Romantische Symbolik

Zugegeben: Die Titelgebung der CD – 'Die Entdeckung der Blauen Blume' – mutet auf den ersten Blick etwas gewagt an. Definiert sich die romantische Weltanschauung in all ihren Symbolen nicht in erster Linie über das Suchen, das Sehnen, das Verlangen nach etwas Unerreichbarem? Gleichzeitig könnte der Titel jedoch – auf ebenso poetische Weise, wie es die hier präsentierte Musik tut – als Hinweis dienen, dass die zwei Solisten ein in sich stimmiges und faszinierendes Porträt der Romantik gezeichnet und sie damit in ihrer Kernaussage getroffen haben. In diesem Fall wäre die Titelwahl keineswegs verfehlt, sondern durchaus zutreffend.


Dr. Uta Swora, 03.05.2019

Label: Genuin , VÖ: 08.03.2019
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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