Magazin: CD-Kritiken
Piano Duo: Werke von Schubert, Stravinsky, Vasks

Details zu Piano Duo: Werke von Schubert, Stravinsky, Vasks: Linda Leine, Daria Marshinina

Piano Duo: Werke von Schubert, Stravinsky, Vasks: Linda Leine, Daria Marshinina

Vielschichtige Duos

Linda Leine und Daria Marshinina überzeugen auf 'Piano duo' mit Werken von Schubert, Strawinsky und Vasks.

Linda Leine und Daria Marshinina lieben außergewöhnliche Projekte. Genau deshalb wurden sie von der Hamburger Claussen-Simon-Stiftung gefördert. Kein Wunder, dass auch ihre erste CD 'Piano duo' mit einem ungewöhnlichen Programm die Aufmerksamkeit auf sich zieht und gleichzeitig für die individuellen Vorlieben der Pianistinnen steht. Mit Werken von Schubert, Strawinsky und Vasks gelingt der große Bogen vom Meister des Liedes über Strawinskys Innovationen in die rebellische Klangwelt des Letten Pēteris Vasks. Gleichzeitig werden extrem unterschiedliche Klavierduos hörbar.

Zwei Werke von Franz Schubert bilden die musikalische Klammer. Mit dem 'Divertissement sur des motifs originaux français' D 823 beginnt die CD unter den virtuosen Händen von Linda Leine und Daria Marshinina schwungvoll, markant, voller Lebensfreude. Im Andante weicht das spielerische Temperament einer subtilen Besinnlichkeit. Umso fröhlicher wirken die folgenden Akkorde und springlebendig die Tonskalen. Beides zusammen wirkt liedhaft wie Gesang mit Klavierbegleitung. Noch kecker, mit wuchtigen und neckischen Akzenten, Echoeffekten, zwischen Expression und Momenten der Versunkenheit interpretieren Leine und Marshinina Schuberts abschließendes Allegretto. Auf Marshininas Wunsch wurde Strawinskys eher unbekanntes 'Concerto per due pianoforti soli' (1935) eingespielt. Glasklar, voller Dynamik kristallisieren beide Pianistinnen die rauschhaften, irisierenden und irritierenden Klangwelten Strawinskys heraus. ‚Adrenalin pur‘ nicht nur für die beiden Pianistinnen, wie sie im Booklet bekennen, sondern auch für die Zuhörer. 

Grandios vielschichtig

Mit vier Händen gespielt, eröffnet sich eine grandiose Vielschichtigkeit mit ständigen musikalischen Gegenbewegungen, extrem kontroversen Rhythmikschichten und Tonebenen. Einmal hören genügt hier nicht, um das Klangfeuerwerk im 'Con Moto' und die subtilen Klangsymbiosen im 'Notturno' zu erfassen, in denen Melodien im pulsierenden Akkorden herumflirren. In 'Quattro variazioni' überraschen brachiale Akkorde und extrem schnelle Tempi. Erst im 'Preludio e Fuga' fügt sich alles zu einem großen Thema, der Rasanz folgt zunächst die Ruhe und noch einmal die Wucht der Töne.

Die Ersteinspielung von Vasks‘ 'Music for two pianos' (1946) ist vor allem für Linda Leine eine besonders Ehre. Vasks, der bekanntestes Komponist Lettlands, war ihr Kompositionslehrer in Riga an der Musikschule für hochbegabte Kinder. Immer vom politischen System benachteiligt und in die Opposition gedrängt, entwickelte er aus dieser Lebenserfahrung seine musikalische Botschaft. 'Musik für zwei Klaviere' zählt zu seinen ersten Komposiitonen, die er 1974 für ein befreundetes Klavierduo schrieb. Vasks sieht das Werk als ‚Kampf gegen die Unterdrückung‘ und genau das vermitteln die Interpretinnen mit ihrem virtuosen, extrem temperamentvollem und dynamischen Spiel. Im 'Moderato con durezza' leuchten zwischen nervös zuckenden Motiven und schweren Akkorden lyrische Klangspiele als Hoffnungsschimmer auf. Diese werden immer wieder dämonisch überrannt und behalten doch ihre Stimme subtil und pianissimo, um im allerletzten Ton nach einer markanten Pause von unheilvoller Tiefe überstimmt zu werden. Der tiefe Ton gibt die Stimmung weiter an die Variationen, die das klangliche Opponieren bis zur Veränderung der klanglichen Mittel steigern. Die Klaviere mit Papierstreifen und Holzbrettchen präpariert, klingt das eine kurz wie eine Militärtrommel, das andere wie ein gezupftes Saiteninstrument. Im dritten Satz wird der tonale Kampf durch hin- und herjagende Tonskalen noch unerbittlicher, gestoppt von Akkorden wie Mauern.

Dann Schuberts bezauberndes Rondo D 608 zu hören ist wie eine Läuterung, Das Album endet, wie es beginnt, in beschwingter Harmonie, romantisch verspielt, wobei die musikalische Wucht späterer Zeiten durch die temperamentvolle Interpretation von Linda Leine und Daria Marshinina bereits deutlich hörbar wird. 'Piano duo' ist hervorragend konzipiert, gespielt und interpretiert!


Michaela Schabel, 26.11.2019

Label: Es-Dur , VÖ: 22.02.2019
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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