Magazin: CD-Kritiken
Senfter, Johanna: Works for Violin

Details zu Senfter, Johanna: Works for Violin: Friedemann Eichhorn, Alexia Eichhorn, Paul Rivinius

Senfter, Johanna: Works for Violin: Friedemann Eichhorn, Alexia Eichhorn, Paul Rivinius

Ernste Erbin

Mit ihrer späteren Kammermusik besticht Johanna Senfter noch stärker als mit ihren musikalisch reichen Violinsonaten, wie diese Doppel-CD zeigt.

In der damaligen ‚Männerwelt‘ verzichtete Johanna Senfter (1879–1961) ihrerzeit bewusst auf eine komponistische Karriere und beschränkte ihr Schaffensfeld auf ihren Geburtsort Oppenheim am Rhein nahe Mainz. Diese pragmatische Selbstbeschränkung ist seit mehreren Jahrzehnten einer interessierten Auseinandersetzung gewichen, und im Verlag Schott steht ihrem Schaffen nun auch ein engagierter Partner zur Seite. Die nun vorliegenden, schon 2007 vom mdr eingespielten Werke bezeugen die Qualitäten von Senfters Kompositionen.

Avantgardistisch wird man die Kammermusik Senfters wohl kaum nennen können – dafür trug sie zu starke ‚Erblast‘ mit sich herum. Ihr Erbe – das Erbe Max Regers, bei dem sie nicht nur privat am Konservatorium studierte, sondern mit dem sie und ihre Familie auch persönlich befreundet war – ist unüberhörbar. Eine Erkundung von Senfters Stil wird von großem Interesse aber gerade dort, wo man den Ausgangspunkt spürt, die eigene Sichtweise aber offenkundig ist. Senfter beherrscht ihr Handwerk: Die beiden hier vorgestellten, während des Ersten Weltkriegs entstandenen Sonaten für Violine und Klavier (A-Dur op. 26 und g-Moll op. 32) bieten Kontrapunkt, regertypische Scherzozüge, teilweise fast wörtliche Motiv- oder Harmoniezitate, aber vor allem auch immer wieder ganz eigene große, melodische und harmonische Bögen und Entwicklungen. Die beiden Sonaten bieten einen großen Reichtum an musikalischen Stimmungen und Texturen, doch von besonderem Interesse ist das tonal fast freie Schweifen (ohne der Atonalität anheimzufallen) in Senfters Werken.

Großer Reichtum

 

Friedemann Eichhorn und sein Klavierpartner Paul Rivinius evozieren Senfters Klangwelt mit viel Empathie. Während aber Rivinius seinem Part eine Vielzahl an Farbvaleurs ablauscht, lässt Eichhorn, obschon zumeist von großer Differenziertheit, an einigen Stellen ein wenig auf noch größere Vielfalt seines Tones hoffen. Dabei ist sein Spiel insgesamt von großem Reichtum und vor allem auch außerordentlichem Geschmack, was den Gebrauch von Portamenti angeht.

1914 hatte Max Reger seine drei Duos ('Canons und Fugen im alten Stil') op. 131b für zwei Violinen geschaffen; rund 25 Jahre später entstanden Senfters 'Zehn alte Tänze' op. 91 für zwei Violinen. Zwar ist das Erbe auch hier unüberhörbar, doch hat Senfter nunmehr eine stark bitonal geprägte Klangsprache entwickelt, die etwa auch den Kompositionen des Reger-Freundes Adolf Busch nicht fern steht. Eichhorn scheint der Musik hier, zusammen mit seiner Frau Alexia, näher zu stehen, bietet eben jene feinen Farbvaleurs auf, an denen es an entscheidenden Punkten bei den Sonaten mangelte. Weil die Kompositionen auch musikalisch eigenständiger sind, erweist sich das letzte Drittel dieser 90 Minuten langen Doppel-CD als Höhepunkt des Ganzen.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 20.03.2019

Label: Paladino , VÖ: 15.02.2019
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Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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