Magazin: CD-Kritiken
Händel, Georg Friedrich: The Recorder Sonatas

Details zu Händel, Georg Friedrich: The Recorder Sonatas: Stefan Temmingh, Wiebke Weidanz

Händel, Georg Friedrich: The Recorder Sonatas: Stefan Temmingh, Wiebke Weidanz

Dialogischer Händel

Händel und die Blockflöte – das passt. Zusammen mit einem famosen Cembalo, muss man ergänzen. Stefan Temmingh und Wiebke Weidanz legen eine schöne Platte vor.

Die sechs Blockflötensonaten von Georg Friedrich Händel sind ein ungemein zugänglicher Zyklus – zur Präsentation instrumentalen Könnens ebenso geeignet wie zur noblen, aber niveauvollen musikalischen Unterhaltung. Mit letzterer Aussage tut man dem Rang dieses Werkkorpus sicher kein Unrecht: Hier krönt eine fassliche Flötenstimme ein Geschehen, das maßgeblich von einem lebendig sich ausformenden Cembalopart geprägt und getragen wird. Eine attraktive Mischung, die zu etlichen Aufnahmen geführt hat, mit prominenten Flötisten von Frans Brüggen und Hugo Reyne über Peter van Heyghen, Marion Verbruggen, Piers Adams und Michael Schneider bis zu Dan Laurin oder Erik Bosgraaf.

Die Bass-Sphäre wurde in früheren Aufnahmen gelegentlich reicher besetzt. In der aktuellen Version, die der Blockflötist Stefan Temmingh und die Cembalistin Weibke Weidanz jetzt bei Accent vorstellen, ist im Bass nur das Cembalo zu hören. Und das Instrument in dieser Konstellation mit Geschmack und Freiheit, mit Dezenz und Mut zu traktieren, ist die schöne Herausforderung, die eine Aufführung ohne weitere Continuo-Instrumente spannend macht. Interessant auch die jeweils den Sonaten vorgeschalteten Einleitungen verschiedener Herkunft und Faktur, die präludierend und in fantasievoller Freiheit ein Einstimmen, auch Sich-Einstimmen signalisieren und aus denen heraus die Sonaten entfaltet werden: Ein lohnende Idee, mit Überzeugung umgesetzt.

Auf Augenhöhe

Wiebke Weidanz nimmt sich ihrer Aufgabe temperamentvoll, virtuos und in affektiver Klarheit an. In den drei- bis siebensätzigen, formal also nicht sehr streng gebauten Sonaten lässt sie oft viel mehr als nur eine Begleitung hören: Immer wieder entsteht der Eindruck eines echten Trio-Satzes, so klar und eigenständig profiliert ist die rechte Hand. Weidanz füllt den Raum unterhalb der Blockflöte souverän aus, strukturbewusst und mit Klangsinn. Das erklingende Instrument ist ein von Matthias Griewisch realisierter Nachbau eines Pascal Taskin-Cembalos von 1769 und bietet ein konzentriertes Gesamtpaket von großer Homogenität und plastischer Klanggestalt.

Stefen Temmingh agiert natürlich virtuos, aber auf eine gelassen-unaufdringliche Weise, mit wachem Sinn für die Schönheit der im Grunde oft schlicht gebauten Linien. Er entfaltet einen elegant strömenden Ton von einiger Natürlichkeit. Auch in Sachen Geläufigkeit, Verzierungen und der Disposition des Notentexts zeigt er sich durchweg souverän. Die instrumentale Hauptlast trägt eine harmonisch tönende Altflöte, von Ernst Meyer nach einem Modell von Bressan gebaut, mit der Temmingh eine Klanggestalt von entspannter Schönheit formt. Eine höhere Tenorflöte in d, im Englischen als ‚Voice flute‘ bezeichnet, und eine Tenorflöte in c setzen diesen Klang nahtlos in tiefere Register fort, auch das erstaunlich elegant. Tempi werden konsequent variiert, aber nicht ins Extreme geweitet. Die musikalische Sprache wird lebendig durch den dezidierten Kontrast von klar artikulierter Kleinteiligkeit und weit sich ausschwingender Linearität. Klanglich gerät das Bild der Aufnahme intim und direkt mit Blick auf das Cembalo; die Blockflöte bezieht den Raum und seine Wirkungen deutlicher ein. Doch wird die Balance nie ungünstig verschoben, ist nie ein ‚unterlegenes‘ Cembalo zu beklagen.


Dr. Matthias Lange, 28.03.2019

Label: Accent , VÖ: 11.01.2019
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

Unser Service:

 Schriftgröße   + / - 

Drucker Seite drucken

RSS RSS


Anzeige

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2019) herunterladen (1559 KByte)