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Dussek, Johann Ladislav: Complete Piano Sonatas Vol.5

Details zu Dussek, Johann Ladislav: Complete Piano Sonatas Vol.5: Wolfgang Brunner, Klavier

Dussek, Johann Ladislav: Complete Piano Sonatas Vol.5: Wolfgang Brunner, Klavier

Zwischen den Zeiten

Wolfgang Brunners Beitrag zur Gesamteinspielung der Dussek-Klaviersonaten verbindet das Beste unterschiedlicher Provenienz.

Jan Ladislav Dusseks (1760–1812) drei Klaviersonaten op. 45 entstanden um 1800 kurz nach der Rückkehr aus London und erschienen 1802 im Druck. Sie verbinden die klare Linie der Musik der Klassik mit frühromantischer Aura. Das ist keine Musik, die ein Mozart, ein Haydn hätte schreiben können, hier sind wir eindeutig eine Generation später (obschon Dussek 1760 geboren wurde und damit nur vier Jahre jünger als Mozart war), schauen nicht selten voraus bis zu Chopin. Die Finalrondoform verbindet die drei Werke des Opus 45, obschon sie im Charakter und teilweise auch in der Form durchaus eigenständig sind. In der zweiten Sonate verzichtet Dussek auf einen langsamen Mittelsatz und beschränkt sich auf einen Eröffnungssatz mit langsamer Einleitung und einem aus dem 'Andantino con moto' erwachsenden Finalrondo. Dusseks Kopfsätze sind in allen drei Fällen von großer Individualität und beachtlichem Umfang.

In den beiden äußeren Sonaten nutzt Wolfgang Brunner in seinem Beitrag zur Gesamteinspielung der Dussek-Klaviersonaten für Brilliant einen Broadwood-Flügel von 1804, an dessen technischer Entwicklung Dussek nicht unbeachtlichen Beitrag hatte, beeinflusste er den Londoner Klavierbauer um eine sukzessive Erweiterung der Klaviatur auf schlussendlich sechs Oktaven. So erlangen die Sonaten eine klangliche Brillanz, die es etwa mit Steinway- und anderen Flügeln des frühen 20. Jahrhunderts aufnehmen kann, wobei die Broadwood-Klangfarben jedoch um ein Vielfaches reicher sind als jene moderner Konzertflügel. Für das Mittelwerk wählt er einen Nachbau eines Flügels Wiener Bauart (Michael Rosenberger, um 1810), der klanglich von leichterem Charakter als das Broadwood-Instrument ist, aber keineswegs mit Hammerflügeln der 1780er-Jahre verwechselt werden kann. So tauchen wir in eine Klangwelt ein, die Dussek (wie auch Beethoven oder Hummel) zutiefst vertraut gewesen sein dürfte, und gewinnen durch die differenzierte Nutzung der Instrumente eine Kenntnis der Musik, die noch tiefer gerät als mit Interpretationen auf modernen Instrumenten.

Verlebendigte Tradition

Unter der Opuszahl 18 finden sich in Dusseks Schaffen einerseits drei Sonaten für Klavier und Violine und andererseits mit der Zählung op. 18 Nr. 2 eine zweisätzige Klaviersonate a-Moll, die um 1792 in Druck erschien, aber schon vermutlich um 1780 in den Niederlanden entstand. Hier mögen wir an Clementi oder Cramer denken, aber auch an den mittleren Beethoven. Brunner (abermals auf dem Rosenberger-Nachbau) verlebendigt die Aufführungstradition auf das Vortrefflichste, hebt gleichzeitig das innovative Potenzial der Musik in erfreulicher Weise hervor.

Wenn man an der vorliegenden Interpretation etwas bemängeln kann, sind es einerseits die unzureichenden Informationen zu den dargebotenen Kompositionen, andererseits die vielleicht etwas zu brillante Stimmung des Rosenberger-Nachbaus; hierdurch fallen die klanglichen Besonderheiten des Broadwood-Instrumentes nur umso stärker ins Gewicht.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 11.10.2019

Label: Brilliant classics , VÖ: 11.01.2019
Interpretation: 
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Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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