Magazin: CD-Kritiken
Mahler, Gustav: Symphony No.5

Details zu Mahler, Gustav: Symphony No.5: Piano Duo Trenkner/Speidel

Mahler, Gustav: Symphony No.5: Piano Duo Trenkner/Speidel

Die ganze Welt auf 88 Tasten

Mahler wollte nach eigener Aussage 'mit allen Mitteln der vorhandenen Technik eine Welt aufbauen'. Kann das auch durch die, verglichen mit dem Orchester, durchaus begrenzten Mittel des Klaviers gelingen?

Neben Gustav Mahler wird vielleicht lediglich Richard Strauss so stark mit einem komplexen Orchesterapparat und entsprechenden Klangmassen assoziiert. Es muss jedem Musikliebhaber zunächst sonderbar erscheinen, diese Klangfülle auf das Klavier – und sei es auch zu vier Händen – zu reduzieren. Denkt man an den Beginn der fünften Sinfonie Mahlers, an die solistischen Trompeten und den plötzlichen Übergang in eine überwältigende Klangfülle, mag man sich das noch weniger vorstellen. Wenn das Wagnis überhaupt gelingen soll, darf die Bearbeitung keine Fließbandware sein. Im vorliegenden Fall hat Mahler die Bearbeitung von Otto Singer selbst korrigiert und schließlich autorisiert. Das Booklet informiert dazu ausführlich mit Zitaten aus dem Briefwechsel Mahlers mit dem Verlag C. F. Peters.

Wie aus einem Guss

Das Duo (Evelinde) Trenkner und (Sontraud) Speidel existiert bereits seit den 1990er Jahren und wagt sich nicht zum ersten Mal an eine Sinfonie Mahlers: die erste, zweite, sechste und siebte Sinfonie liegen bereits vor, auch Bruckner (3. Sinfonie) und Beethoven (7. Sinfonie) haben die beiden Pianistinnen schon eingespielt (jeweils MDG). Die jahrzehntelange Zusammenarbeit hört man dem Duo an: Das Spiel klingt wie aus einem Guss, präzise, dabei mit der nötigen minimalen Asynchronität, die die Durchhörbarkeit der Polyphonie unterstützt. Was die Klangfarben angeht, so vermute ich, dass man sich entweder schnell umstellt und die Orchesterfarben im reich nuancierten, warmen Klang des Steinway-D von 1901 wiederfindet oder diese Umstellung schlicht nicht mitmacht. Paradoxerweise gelingt der Klaviertranskription häufig die Wiedergabe von Orchestertuttis besser als die solistischen oder kammermusikalischen Abschnitte. Im berühmten Adagietto zum Beispiel ist die Harfe eigentlich unverzichtbar.

Die Praktik, Klavierauszüge bzw. Klavierbearbeitungen von Opern, Orchesterwerken etc. herzustellen, stammt aus einer Zeit, in der die Reproduktionsmedien, die uns heute erlauben, jede beliebige Musik jederzeit anhören zu können, noch nicht existierten. (Übrigens kennen wir auch Mahlers eigenes Spiel, zumindest des ersten Satzes der fünften Sinfonie, denn für die Firma Welte spielte er diesen 1905 auf Rolle ein.) Auch wenn diese wichtige Funktion heute wegfällt, hat die Klavierbearbeitung nach wie vor ihren Wert, vor allem für das Studium des Werkes, auch um ein altbekanntes Werk wieder neu hören zu lernen, und die gelungensten Bearbeitungen dürfen sogar beanspruchen, vollgültige eigene Versionen zu sein. Wenn man sich mit der Idee, Mahler auf dem Klavier zu hören, anfreunden kann, dann greife man zu dieser CD. Mir hat die sehr schöne und technisch makellose Aufnahme des Trenkner-Speidel-Duos viel Freude bereitet.


Sebastian Rose, 18.09.2020

Label: MDG
Interpretation: 
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Repertoirewert: 
Booklet: 




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