Magazin: CD-Kritiken
Szymanowski, Karol: Piano Music

Details zu Szymanowski, Karol: Piano Music: Radoslaw Sobczak, Klavier

Szymanowski, Karol: Piano Music: Radoslaw Sobczak, Klavier

Ziemlich gewaltig

Der Pianist Radoslaw Sobczak veröffentlicht eine Szymanowski-Platte mit der gewaltigen, beeindruckenden zweiten Klaviersonate und anderen Klavierwerken.

Angesichts seiner nicht allzu großen Popularität ist es schon bemerkenswert, dass nun innerhalb weniger Monate bereits die vierte Platte mit Klaviermusik von Karol Szymanowski (1882–1937) erschienen ist und die dritte mit dessen neun Präludien op. 1. Radoslaw Sobczak spielt sie mit häufig recht langsamen Tempi, die ein genaues Verfolgen der einzelnen Stimmen erlauben. Außerdem ist sein Rubato sehr stark ausgeprägt, der Komponist verlangt genau das aber auch immer wieder. Obwohl Radoslaw Sobczaks Spiel keineswegs die dynamischen Kontraste fehlen, meidet er doch die Extreme oder sie sind durch die Tontechnik nicht genügend abgebildet. Die Klanggebung ist, auch durch den Pedaleinsatz, rund und weich.

Das zweite Werk der neuen Platte ist Szymanowskis zweite Sonate, A-Dur op. 21, komponiert ab 1910. Sie hat zwar nur zwei Sätze, ist aber dennoch mit etwa 30 Minuten Länge eine der größten Klaviersonaten, die das 20. Jahrhundert hervorgebracht hat, das Beiheft (informativ, allerdings nur auf Polnisch und Englisch) erwähnt denn auch Beethovens monumentale 'Hammerklaviersonate' als Vorbild. Das Werk ist sehr komplex gebaut und verlangt insofern, im Gegensatz zu den sich leicht erschließenden Präludien op. 1, auch vom Hörer einen gewissen Einsatz: Besonders prägnant sind einige ihrer Themen nicht gerade, dafür ist der Klaviersatz überaus massiv und teilweise mit Dissonanzen angereichert, insgesamt ziemlich gewaltig. Doch Radoslaw Sobczak verdeutlicht die Strukturen sehr gut und hilft so über diese Hürden hinweg. Die Sonate endet mit einer der gewaltigsten Fugen, die es in der Klavierliteratur überhaupt gibt, und schon allein deswegen ist es eigentlich ein Jammer, dass sie kaum jemals gespielt wird, schon gar nicht im Konzert. Radoslaw Sobczak erreicht freilich nicht die enorme Wucht, die etwa in einem Konzertmitschnitt Swjatoslaw Richters von 1982 zu hören ist, beeindruckend ist jedoch auch seine Interpretation.

Zweifellos wäre die Fuge ein guter und monumentaler Schluss für die neue Platte, doch es finden sich darauf noch drei kürzere ‚Zugaben‘, nämlich aus den Zwanziger Jahren zwei der Mazurken op. 50 sowie als ‚Rausschmeißer‘ ein weiteres Frühwerk, die Etüde h-moll op. 4/3, eines seiner bekanntesten Werke und für Szymanowskis Verhältnisse geradezu ein Hit.


Jan Kampmeier, 16.01.2019

Label: DUX , VÖ: 05.10.2018
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

Unser Service:

 Schriftgröße   + / - 

Drucker Seite drucken

RSS RSS


Anzeige

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2019) herunterladen (1559 KByte)