Magazin: CD-Kritiken
Debussy, Claude: Préludes

Details zu Debussy, Claude: Préludes: Vladimir Ashkenazy, Klavier

Debussy, Claude: Préludes: Vladimir Ashkenazy, Klavier

Jahrzehnte mit Debussy

Vladimir Ashkenazy interpretiert beide Bände von Debussys 'Préludes'.

Vladimir Ashkenazy (*1937) gehört zweifelsohne zu den großen Pianisten und Dirigenten unserer Zeit. Als Sohn des Pianisten und Komponisten David Ashkenazy war sein Leben von klein auf voller Musik. Mit acht Jahren wurde er schon im Moskauer Konservatorium aufgenommen, mit 18 Jahren gewann er bereits den 2. Platz beim renommierten Chopin-Wettbewerb. Eine Karriere als Pianist und Dirigent folgte. Vladimir Ashkenazy liebt es, einen Komponisten in seinen ganzen Werk zu erarbeiten und einzuspielen. Debussy fehlte bislang auf Tonträgern. Es gab nur Live-Aufnahmen einzelner Werke. Dass sich Ashkenazy allerdings schon 1971 intensiv mit Debussys Solo-Klavierstücken auseinandersetzte, zeigt sein neues Doppelalbum mit den Préludes, das im vergangenen Jahr anlässlich des 100. Todestages des Komponisten bei Paladino music erschien. 

Das erste Buch der Préludes spielte Ashkenazy 2017 mit 80 Jahren in einem Wiener Tonstudio ein, das zweite Buch mit 44 Jahren. Damit umfasst die CD 46 Jahre Pianistenkarriere. Grundsätzliche Unterschiede lassen sich nicht erkennen, denn  seine Haltung und Empathie für Debussy Musik hat sich in dieser Zeit nicht verändert. Ashkenazy geht es weder um atmosphärische Impressionen noch um monströse Klangartistik. Ganz nah an Debussys Kompositionen, werkimmanent und wahrheitsliebend in alter Meisterschule, will er Debussys Klangwelt erschließen und verständlich machen. Glasklar bringt die faszinierenden Klangmodulationen in ihren überschwänglichen Facetten zum Klingen, was nur möglich ist durch seine grandiose Virtuosität und sein tiefgreifendes Musikverständnis.

Subtile Differenzierungen

Kraftvoll und überaus transparent, bar jeglicher Eitelkeit, interpretiert Vladimir Ashkenazy die Stücke. Durch seinen klaren Anschlag mit subtilen Differenzierungen wird Debussys Klangwelt zum verinnerlichten Klangerlebnis. Mit feinen Legati verbindet der Pianist die Töne, lässt sie hüpfen, eilen, rollen, strahlen, vibrieren, eröffnet so faszinierende Klangassoziationen, die eben nicht auf Stimmung, sondern allein auf die Tonalität des Debussy-Kosmos fokussieren. Den Einsatz des Pedals dosiert er im Sinne Debussys, im ersten Buch etwas intensiver als im zweiten, um die Klangfarben noch stärker hervorzuheben.

Schon das erste Prélude 'Danseuses de Delphes' zeigt Debussys Ganztonharmonien in wunderschön gleitenden Linien und verhauchenden Tiefen. 'Les collines d‘Anacapris' beginnt nach ruhigen Beginn als Höhenrausch zu funkeln. In 'Des pas sur la neige' gibt Vladimir Ashkenazy jedem Ton infolge des langsamen Tempos einen besonders großen Klangraum. 'Ce qu‘a vu le vent d‘ouest' kulminiert zur Klangexplosion und zeigt einmal mehr, wie Debussy die Natur als musikalische Idee umsetzte. Jedes Prélude entwickelt unter den Händen Vladimir Ashkenazys seine ganz spezifische Klangschönheit.


Michaela Schabel, 13.11.2019

Label: Paladino , VÖ: 26.10.2018
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

Unser Service:

 Schriftgröße   + / - 

Drucker Seite drucken

RSS RSS


Anzeige

NOTE 1 - Mitteilungen (11/2019) herunterladen (4454 KByte)

Class aktuell (4/2019) herunterladen (4308 KByte)