Magazin: CD-Kritiken
Deep in a dream - Werke von Schumann, Grieg, Sibelius, Berg

Details zu Deep in a dream - Werke von Schumann, Grieg, Sibelius, Berg: Raoul Steffani, Gerold Huber

Deep in a dream - Werke von Schumann, Grieg, Sibelius, Berg: Raoul Steffani, Gerold Huber

Träume und Visionen

'Deep in a dream' ist ein Debüt-Album im doppelten Sinn: Junge Komponisten haben noch Träume und Visionen vor sich und ein vielversprechender junger Sänger transportiert diese Träume mit seiner Kunst ins Heute und macht sie zu seinen.

Mit gerade einmal 26 Jahren hat der niederländische Bariton Raoul Steffani sein CD-Debüt beim Label Challenge Classics herausgebracht: ‚Deep in a dream‘ – mit Liedern von Robert Schumann, Edvard Grieg, Jean Sibelius und Alban Berg. Wie gut Raoul Steffani im Musikgeschäft bereits unterwegs ist, zeigt auch die Wahl seines prominenten Liedbegleiters, denn an den Tasten sitzt kein Geringerer als Gerold Huber. Das ist ein deutliches Signal, wenn nicht gar ein Empfehlungsschreiben. Hier könnte es etwas Besonderes zu entdecken geben. Und so ist es auch. Der junge Sänger beeindruckt mit einem ausnehmend attraktiven Timbre und unbedingtem Gestaltungswillen. Als Käufer muss man sich vielleicht zunächst an der optischen Präsentation des Albums vorbeimogeln, denn beide Künstler verströmen auf dem Coverfoto (und jenes trägt enorm viel zur spontanen Kauflust eines Albums bei) recht viel blasierte Überheblichkeit. Da entsteht wenig Lust, die CD zur Kasse zu tragen. Aber sei‘s drum – liegt die CD erst einmal in der Stereoanlage, bannen Steffanis Gesang und Hubers sensible Begleitkunst bis zur letzten Sekunde.

Textliche Durchdringung

Was gleich zu Beginn in Robert Schumanns 'Liederkreis' op. 24 auf Gedichte von Heinrich Heine auffällt, ist die hervorragende Artikulation des Baritons und noch mehr: die textliche Durchdringung. Steffani kreiert mit jedem Lied einen neuen kleinen Kosmos, einen glaubhaften Charakter. Tonschön und ausdrucksvoll gelingt ihm 'Schöne Wiege meiner Leiden' – ein Höhepunkt des eingespielten Schumann-Blocks. Gerold Huber folgt dem jungen Kollegen einfühlsam, hüllt ihn klanglich vorsichtig ein, stützt und treibt auch vorwärts. Dennoch bleibt es ein Musizieren auf Augenhöhe. Nie entsteht der Eindruck, der erfahrene Huber belehre den jungen Liedsänger. Beide Künstler profitieren voneinander. Das macht den Zauber dieses Album zu einem beträchtlichen Teil aus.

Programmatisch finden sich auf ‚Deep in a dream‘ eher frühe Lieder der vertretenen Komponisten. Teilweise sind es gar die ersten Liedkompositionen, manchmal stammen sie schlicht aus frühen Schaffensphasen. Ob die chronologische Anordnung der Lieder eine gute Entscheidung darstellt, bleibt Geschmacksache. So stehen nun Alban Bergs hochromantische 'Vier Gesänge' op. 2 am Ende des Albums, anstatt beispielsweise mit Robert Schumanns Liedern in Dialog zu treten. Die sieben Lieder von Jean Sibelius entsprechen Steffanis Temperament und seinem feinen, klugen Umgang mit Worten und Melodieverlauf in besonders überzeugender Art und Weise. Die große Intimität, die Steffani und Huber in diesen Liedern erzeugen, ist authentisch und deshalb so unmittelbar ergreifend. Selbst so populäre Lieder wie 'Den första kyssen' oder 'Var det en dröm?' klingen so jugendlich frisch und schwerelos, als würde man sie tatsächlich zum ersten Mal hören und dem Sänger alles glauben, von dem er berichtet.

Farbenspiel

Raoul Steffani beherrscht das Spiel mit Farben, die er seiner warmen, satten Mittellage ebenso abgewinnt wie der etwas körperlosen Höhe, die dazu neigt, gefährlich breit und offen zu klingen – was fraglos effektvoll und momentan noch von bezwingender Natürlichkeit ist. Es gibt auch zahlreiche Passagen, an denen man sich kaum satthören kann. Eine davon sind die ersten Takte von Edvard Griegs 'Ein Traum'. Dem Sänger gelingt ein träumerisch entrückter Klang, der nichts Künstliches an sich hat, sondern mit einem hörbaren Lächeln andere Sphären erreicht. Die heiklen Intervallsprünge nach oben versieht er zunächst raffiniert mit einem schwebenden Hauchen, um in der Wiederholung zu demonstrieren, dass er die gleiche Passage auch tonvoller und mit gänzlich anderen Farben beherrscht.

‚Deep in a dream‘ ist ein Debüt-Album im doppelten Sinn: Junge Komponisten haben noch Träume und Visionen vor sich und ein vielversprechender junger Sänger transportiert diese Träume mit seiner Kunst ins Heute und macht sie zu seinen. Von Raoul Steffani wird man hoffentlich noch viel hören.


Benjamin Künzel, 26.02.2019

Label: Challenge Classics
Interpretation: 
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Booklet: 




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