Magazin: CD-Kritiken
Schumann / Schubert / Reiter: Lieder

Details zu Schumann / Schubert / Reiter: Lieder: Elisabeth Kulman, Eduard Kutrowatz

Schumann / Schubert / Reiter: Lieder: Elisabeth Kulman, Eduard Kutrowatz

In jeder Hinsicht besonders

Es ist ein in jeder Hinsicht sehr besonderer Liederabend, den man auf der neuen CD von Elisabeth Kulman beim Label Orfeo nun nachhören kann. Das liegt einerseits an einer spannenden Liedauswahl, andererseits am zwingenden Charme des Lied-Duos Elisabeth Ku

Es ist ein in jeder Hinsicht sehr besonderer Liederabend, den man auf der neuen CD von Elisabeth Kulman beim Label Orfeo nun nachhören kann. Das liegt einerseits an einer spannenden Liedauswahl, andererseits am zwingenden Charme des Lied-Duos Elisabeth Kulman und Eduard Kutrowatz. Mitgeschnitten wurde das Programm am 26. August 2017 im Rahmen der Schubertiade Schwarzenberg. Das bringt zusätzlich zum ohnehin wirkenden Zauber auch eine Unmittelbarkeit mit sich, die den heimischen Hörer in den Kreis der offenbar gebannten Hörerschaft im vorvergangenen August in Schwarzenberg miteinbezieht. Einzelne Huster oder sonstige Nebengeräusche fallen nicht so sehr ins Gewicht, vielmehr machen die kleinen Reaktionen Freude, die Kulmans Darbietung auslöst, wie zum Beispiel spontanes Lachen.

Um so direkt auf ein Liedprogramm reagieren zu können, muss man neben all der effektvollen Musik auch den Text entsprechend serviert bekommen. Und diese Kunst beherrscht Elisabeth Kulman mit schlafwandlerischer Sicherheit. Sie erzählt Geschichten, malt mit wenigen Sätzen Stimmungsbilder, setzt Pointen und findet ohne Umschweife zum Kern eines Liedes. Ihr Klavierpartner Eduard Kutrowatz ist ihr in diesem Zugriff ein kongenialer Partner, der sich nicht in den Vordergrund spielt, sondern der Sängerin die Plattform bietet, auf der sie agieren kann. Es herrscht offenkundig ein tiefes Einverständnis zwischen den beiden Künstlern, deren Agogik und dynamische Wendungen mit natürlicher Selbstverständlichkeit beeindrucken.

Erfrischender Zugriff

 

Für so manchen Hörer irritierend dürfte die Wahl der erklingenden Lieder sein und auch die Art ihrer Darbietung. Kulman und Kutrowatz zerlegen auch gerne mal ein Lied und verteilen die Strophen über eine weite Zeitspanne unterbrochen von anderen Werken. Auch kommentierende oder schlicht Atmosphäre schaffende Instrumentalinseln aus Schumanns 'Kinderszenen' oder den 'Fantasiestücken' bilden Übergänge oder trennen thematische Zuwendungen. So erklingen im ersten Teil des Konzerts, das – wie zugegeben viele andere Programme auch – über das Thema Liebe und Tod philosophiert, einzig Kompositionen von Robert Schumann, darunter einige Nummern aus dem Zyklus 'Frauenliebe und -leben' – aber eben nicht der komplette Zyklus. Elisabeth Kulman betont die authentische Kraft eines jeden Liedes, das auch unabhängig von einer zyklischen Aufführung zur Geltung kommen kann. Dieser Zugriff ist ungemein erfrischend und in harmonischer Beziehung intelligent gebaut, denn er zwingt zum tatsächlichen Zuhören. Das scheinbar Bekannte erhält in neuer Nachbarschaft andere Farben, darf sich kraftvoll behaupten.

Im zweiten Teil agiert das Duo in Sachen Kombination noch mutiger und ungewöhnlicher: Neben Liedern Franz Schuberts stehen Erich-Kästner-Vertonungen des 1941 geborenen österreichischen Komponisten Herwig Reiter. Das funktioniert hervorragend, zumal Kulman und Kutrowatz manche Schnitte schnell setzen und fast nahtlos von Schubert zu Reiter übergehen, dessen 'Für die Katz' dann beispielsweise fast wie eine neue Strophe zu Schuberts 'Schweizerlied' wirkt.

Schönheit und Natürlichkeit

Schon allein das Programm ist eine klare Empfehlung wert, auch der eher selten gespielten Schumann-Lieder Opus 104 wegen. Doch es ist ebenso Elisabeth Kulmans Gesang, der einen ins Schwärmen geraten lässt. Ihr golden timbrierter Mezzosopran strahlt Ruhe und Schönheit aus, die Höhe spricht mühelos an, bei der Tiefe muss Kulman ein wenig nachhelfen. Vor allem aber fesselt die große Natürlichkeit, mit der sie singt. Sie entzieht den Liedern die Künstlichkeit, gestaltet umsichtig, ohne ambitionierte Extreme anzusteuern – sie kommuniziert. Das hat Charme und rührt an. Schumanns 'Mondnacht' schmeichelt sich melancholisch ins Gemüt, Schuberts 'Romanze' schwebt über den Dingen und die Kästner-Lieder Reiters öffnen in ihrer Interpretation die Ohren für Unerhörtes. Welchen Sinn für Humor beide Künstler besitzen, zeigt sich in zahlreichen Details, wie der Klavierübung in Reiters 'Sachlicher Romanze' oder dem bereits erwähnten 'Schweizerlied', das Kulman geschmackvoll auskostet. Wunderbar ergänzen zwei Zugaben das fesselnde Programm: Reiters 'Die Ankündigung einer Chansonette' mit dem richtigen Quantum Bar-Gesang und Schumanns 'Im wunderschönen Monat Mai', das stimmungsvoll und konsequent den Bogen des Abends schließt.


Benjamin Künzel, 21.12.2018

Label: ORFEO , VÖ: 09.11.2018
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

Unser Service:

 Schriftgröße   + / - 

Drucker Seite drucken

RSS RSS


Anzeige

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2019) herunterladen (2900 KByte)