Magazin: CD-Kritiken
Tchaikovsky, Pyotr Ilyich: Variations on r Rococo theme, Piano Trio

Details zu Tchaikovsky, Pyotr Ilyich: Variations on r Rococo theme, Piano Trio: Sergei Istomin, Claire Chevallier, Martin Reimann

Tchaikovsky, Pyotr Ilyich: Variations on r Rococo theme, Piano Trio: Sergei Istomin, Claire Chevallier, Martin Reimann

Echte Alternative

Diese CD nähert sich Tschaikowsky konsequent anders: Die 'Rokoko-Variationen' erklingen hier mit Klavierbegleitung.

Tschaikowskys 'Rokoko-Variationen' sind überwiegend in der Fassung für Violoncello und Orchester anzutreffen. Entsprechend wenig bekannt ist, dass daneben eine – vom Komponisten selbst autorisierte – Version mit Klavier- statt Orchesterbegleitung existiert. Genau diese erklingt hier, gespielt von zwei Musikern, die sich von Haus aus intensiv mit dem historischen Kontext der von ihnen aufgeführten Werke beschäftigen. Die französisch-belgische Pianistin Claire Chevallier etwa hat schon vielfach mit Jos van Immerseel zusammengearbeitet, zu dem über das Ensemble Anima Eterna als dortiger erster Cellist auch Sergei Istomin in dauerhafter künstlerischer Beziehung steht. Beim Label Passacaille ist diese CD mit Unterstützung des Russischen Musik-Nationalmuseum Moskau erschienen.

Konsequent historisch

Chevallier, die nebenbei eine beachtliche Sammlung von Érard-Flügeln zusammengetragen hat, spielt auf einem (schon von Tschaikowsky ob seiner Klangeigenschaften geschätzten) Fortepiano der Firma Jacob Becker Jahrgang 1875, Istomin auf einem Violoncello aus dem Hause Leopold Widhalm (1722–1776). Von der Vorstellung des Themas an wird klar, welche Vor- und Nachteile diese Symbiose hat: Es entsteht auf der einen Seite allein schon besetzungsbedingt ein völlig neuer, erfrischend anderer Klang dieses Werks. Beiden Musikern merkt man an, wie spieltechnisch versiert sie mit den Charakteren ihrer Instrumente und deren Klangeigenschaften umgehen. In letzteren sind sie auf der anderen Seite ein Stück weit gefangen und – speziell im Fall Chevalliers verglichen mit dem modernen Konzertflügel – zu einem gewissen Grad in den Ausdrucksmöglichkeiten limitiert. Vom Tempo her rasche Erscheinungsformen der acht Variationen tun sich dadurch in puncto Legato-Phrasierung etwas schwer. Auch dynamisch bleibt die Klavierstimme stellenweise ein wenig blass, die charmant-spielerische ‚Rokoko‘-Leichtigkeit dadurch ein wenig auf der Strecke, das Klangbild insgesamt etwas starr. Das ändert freilich nichts an der zielgerichteten Konsequenz und Unmittelbarkeit, mit der Chevallier und Istomin zu Werke gehen. Stets hört man, dass sie genau wissen, was sie tun und wollen und dass sie ihre durchdachten Vorstellungen kompromisslos realisieren – die letztlich ganz einfach auf die Geschmacksfrage hinauslaufen. Ungeachtet dessen steht jedenfalls fest: Die Ausgabe für Cello und Klavier stellt eine echte Alternative zur herkömmlichen Besetzung dar.

Nonkonformistisch

Die genannten aufführungsspezifischen Aspekte treffen im Grundsatz auch auf Tschaikowskys Klaviertrio op. 50 zu, in dem sich der Schweizer Geiger Martin Reimann zur vorherigen Besetzung gesellt. Gleichfalls ausgestattet mit einer Verbindung zu Immerseels Ensemble Anima Eterna, besitzt sein Spiel auf der Nicolas Lupot von 1792 unter allen drei Instrumenten das höchste Maß an Beweglichkeit und klanglichem Ausdruckspotential, das Reimann exzellent ausschöpft. Auch diese Interpretation entspricht folgerichtig nicht der – bewusst in Anführungszeichen gesetzten – gängigen ‚Norm‘. Kann und soll sie aber auch gar nicht, vielmehr stellt sie einen spannenden, nonkonformistischen Ansatz dar, von dem jeder selbst entscheiden muss, inwieweit er/sie sich damit identifizieren kann. Sergei Istomins Begleitwort im Booklet erläutert ausführlich die kontextuellen Überlegungen des Interpretationskonzepts.


Thomas Gehrig, 15.04.2019

Label: Passacaille , VÖ: 05.10.2018
Interpretation: 
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Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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