Magazin: CD-Kritiken
Kalabis, Viktor: Sonatas

Details zu Kalabis, Viktor: Sonatas: Tomas Jamnik, Anna Paulova, Jan Fiser, Ivo Kahanek

Kalabis, Viktor: Sonatas: Tomas Jamnik, Anna Paulova, Jan Fiser, Ivo Kahanek

Hochexpressive tschechische Sonaten

Vor allem die Sonaten für Violine und Violoncello aus der Feder von Viktor Kalabis (1923–2006) sind höchst gelungene Gattungsbeiträge, die Klarinettensonate hingegen weniger.

In seiner tschechischen Heimat war Viktor Kalabis (1923–2006) ein hochgeachteter Komponist, dessen Werke häufig aufgeführt wurden. Renommierte Musiker wie Josef Suk und Karel Ancerl setzten sich für seine Stücke ein. Nach seinem Tod wurde es allerdings still um sein Schaffen, so dass die vorliegende CD des Labels Supraphon mit drei Instrumentalsonaten als ein Versuch gewertet werden darf, diese Stille zu durchbrechen. Protagonist ist der Pianist Ivo Kahánek, der in allen drei Werken als Begleiter agiert. Ihm zur Seite stehen Tomáš Jamník in der Cellosonate op. 29, Anna Paulová in der Klarinettensonate op. 30 und Jan Fišer in der Violinsonate op. 58. Sämtliche Sonaten zeigen Kalabis als maßvoll gegenüber der musikalischen Moderne aufgeschlossenen Tondichter, der die Brücken zur Tradition nicht vollständig abbrechen wollte. Das verehrte Vorbild Martinů klingt an vielen Stellen durch, aber auch Hindemith, Ravel oder Debussy haben hier ihre Spuren hinterlassen.

Bei der Cellosonate fällt sofort das ausgedehnte Finale auf, das mit 13 Minuten länger dauert als die ersten beiden Sätze zusammen. Die Satzbezeichnung 'Allegro molto e drammatico' lässt sich mühelos auf das gesamte Werk übertragen, das von einem dramatisch-expressiven Grundton durchzogen wird. Dieser wird bisweilen etwas überstrapaziert; dennoch ist die Sonate insgesamt ein packendes, aufrüttelndes Stück, aus dem Jamník und Kahánek das Maximum herausholen. Der Cellist stellt sich den hohen technischen Anforderungen mit Bravour und bewältigt die abrupten Stimmungs- und Lagenwechsel mühelos. Kahánek trumpft hier und da pianistisch etwas zu stark auf, deckt das Cello phasenweise regelrecht zu, ist aber doch in den entscheidenden Momenten zurückhaltend genug, um zu einem gelungenen Zusammenspiel beizutragen. Die teils heftigen dynamischen Kontraste werden von beiden Musikern einfühlsam realisiert, auch die klangliche Balance ist gut gelungen. Insgesamt ist die 1968 entstandene Sonate – zumal in dieser gelungenen Interpretation – ein hörenswerter Beitrag zum Cello-Repertoire des 20. Jahrhunderts.

Höchst solide Interpretation

 

Von der ein Jahr später komponierten Klarinettensonate kann man dies nur mit Einschränkungen behaupten. Das Werk hat, zumal im Kopfsatz, einige ermüdende und von Wiederholungen überstrapazierte Passagen, die es in der Cellosonate nicht gibt. Klarinettistin Paulová kann man dies nicht zum Vorwurf machen, ihr technisch einwandfreies Spiel harmoniert gut mit dem Klavier. Kahánek, der in der Cellosonate noch hier und da zu stark aufgetrumpft hatte, hält sich nun hörbar zurück. Doch die Themen und Motive der Sonate können den Hörer kaum packen, wirken seltsam schablonenhaft, auch und gerade da, wo viel Virtuosität gefordert ist. Was die beiden ersten Sätze noch durch eine gewisse Kompaktheit kompensieren können, fällt vor allem im (erneut recht langen) Finale unangenehm auf. Eine höchst solide Interpretation durch beide Musiker kann daran nur wenig ändern.

 

Von der Qualität wieder ein gutes Stück höher steht die (einzige) Violinsonate aus dem Jahr 1982, mit einer Dauer von etwas über 18 Minuten das kürzeste der drei auf dieser CD versammelten Werke. Kalabis verzichtete hier weitgehend auf die starken Kontraste, die sowohl Cello- als auch Klarinettensonate prägen, und schuf ein vergleichsweise lyrisches Werk, das ganz auf die Violine zugeschnitten ist. Fišer lässt sich hier nicht zweimal bitten und nutzt die Entfaltungsmöglichkeiten, die das Stück ihm bietet. Vor allem in den schnellen Ecksätzen gelingt ihm so eine spannende Interpretation, Kahánek assistiert mit dem einen oder anderen pianistischen Ausbruch, kann sich aber dann doch rechtzeitig bremsen, wenn es gefordert ist. Als Sonate aus einer Zeit, in der kaum noch Instrumentalsonaten komponiert wurden, ist Kalabis‘ op. 58 ein hörenswertes Werk, wenn sie auch nicht ganz den Rang der Cellosonate erreicht.

Zu entdecken gibt es noch jede Menge im Schaffen des Komponisten, unter anderem fünf Symphonien, neun Instrumentalkonzerte und sieben Streichquartette. Die drei hier versammelten Sonaten zeigen Kalabis als inspirierten und ausdrucksstarken Tondichter, wobei allerdings die Klarinettensonate doch deutlich abfällt. Nichtsdestotrotz rechtfertigen es alleine die Sonaten für Violine und Violoncello, hier von einer echten Bereicherung des Repertoires zu sprechen – woran die Interpreten ohne Zweifel einen hohen Anteil haben. Ansprechend und informativ ist auch das Beiheft, allerdings mit einem kleinen Übersetzungsfehler bei der Beschreibung der Uraufführung der Violinsonate: ‚...auf der Woche des neuen Schaffens im Jahre 1984...‘ wirkt unfreiwillig komisch, gemeint ist wohl die ‚Woche der neuen Musik‘.


Dr. Michael Loos, 26.12.2018

Label: Supraphon
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




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