Magazin: CD-Kritiken
Dohnanyi, Ernö: Ruralia Hungarica

Details zu Dohnanyi, Ernö: Ruralia Hungarica: Valentina Toth, Piano

Dohnanyi, Ernö: Ruralia Hungarica: Valentina Toth, Piano

Wirkungsvolle Werke

Die junge Pianistin Valentina Tóth hebt vergessene Schätze und stellt, bald mitreißend, bald bezaubernd schlicht, Werke ihres Landsmanns Ernö Dohnányi vor.

Valentina Tóth ist noch nicht allzu bekannt bei uns, doch ihre neue Platte verdient Aufmerksamkeit. Die junge Pianistin hat ungarische Wurzeln und erkundet hier das Schaffen ihres Landsmanns Ernő Dohnányi (oder auch Ernst von Dohnányi, 1877–1960). Drei seiner Werke, 1907, 1920 und 1923 komponiert, mögen für diese Zeit stilistisch veraltet erscheinen, doch in Wirklichkeit stimmt das nicht. Wohl sind sie konservativ und weit entfernt von der damaligen Avantgarde, doch einen solchen Stil pflegte damals sehr erfolgreich die überwiegende Mehrzahl der Komponisten. Erst später gerieten die meisten von ihnen in Vergessenheit, und so ist es auch bei Dohnányi. Heute sollte uns vorrangig interessieren, dass hier inspirierte und sehr wirkungsvolle Werke ihrer Entdeckung harren.

Valentina Tóth hat Dohnányis 'Ruralia Hungarica' op. 32a an den Anfang gesetzt, einen siebenteiligen Zyklus über ungarische Volksmelodien, sehr ruhige neben rascheren und rhythmisch geprägten Nummern. Da Dohnányi selbst ein gefeierter Klaviervirtuose war, ist der Klaviersatz entsprechend anspruchsvoll, aber eben auch mit dem Wissen um effektvolle Wirkung gestaltet. Zwei bewegte Nummern sind dafür beispielhaft, unmittelbar mitreißend in ihrer Eingängigkeit und Kraft.

Kraftvoll spielt auch Valentina Tóth diese klanglich eindrucksvollen raschen Nummern, das aber mit Maß: Ihr Spiel bleibt bei allen technischen Herausforderungen immer ausgesprochen elegant. Das gilt natürlich auch für die ruhigeren Nummern, die zart und flüssig interpretiert werden. Erfreulich ist ihr durchaus differenzierter Anschlag.

Obwohl auch in Dohnányis früheren fünf 'Humoresken in Form einer Suite' op. 17 einige musikalisch erlesene Schätze zu entdecken sind, scheinen sie im Vergleich zu den 'Ruralia Hungarica' insgesamt doch nicht ganz so beeindruckend. Die als virtuose Bravourstücke konzipierten Sätze geraten der Interpretin hier etwas zu brav, in den ruhigeren ist sie daher in diesem Fall stärker. Bezaubernd wirkt besonders eine Pavane aus dem 16. Jahrhundert, über die Dohnányi ziemlich originelle Variationen schreibt und sie unvermittelt etwa mit dem Thema ‚Gaudeamus igitur‘ verknüpft.

Ein wunderbarer Einzelsatz, für den Dohnányi nochmals auf eine ungarische Volksmelodie zurückgreift, beendet das Programm, nämlich die ruhig-idyllische Pastorale über ein bekanntes ungarisches Weihnachtslied. In Valentina Tóths schlichter Interpretation ein bezaubernder, stimmungsvoller Ausklang.

Der Klang der erst im April entstandenen Aufnahmen ist ebenso klar wie rund und angenehm, das Beiheft enthält informative Texte, allerdings relativ kurz und nur auf Englisch.


Jan Kampmeier, 11.01.2019

Label: Challenge Classics
Interpretation: 
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Booklet: 




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