Magazin: CD-Kritiken
Debussy, Szymanowski

Details zu Debussy, Szymanowski: Julian Riem, Piano

Debussy, Szymanowski: Julian Riem, Piano

Plastische Konturen

Der Pianist Julian Riem hat eine rundum überzeugende Platte mit Etüden von Claude Debussy und Karol Szymanowski vorgelegt.

Das muss man sagen: Julian Riem beeindruckt mit seiner neuen Platte auf Anhieb. Wenige Augenblicke genügen dem Pianisten dafür. Debussys zwölf Etüden klingen da aus den Lautsprechern, glasklar aufgenommen, sehr akzentuiert und überaus präzise gespielt. Julian Riem scheint nicht nur die extrem anspruchsvoll zu spielenden Stücke technisch souverän zu beherrschen (so viel darf man natürlich auch erwarten), sondern er artikuliert auch überaus plastisch, gestaltet Konturen so deutlich, dass keine Wünsche offen bleiben. Er braucht dazu, bei Debussy ja nicht selbstverständlich, in der Regel nicht sonderlich viel Pedal. Sein Anschlag ist brillant und die Tempi insofern gut gewählt, als sie den Stücken immer vollkommen angemessen scheinen, höchste Virtuosität offenbaren, dem Pianisten aber noch erlauben, zahllose Details sorgsam zu beleuchten und sie als völlig selbstverständliche Bestandteile eines großen Ganzen erscheinen zu lassen. So entsteht ein quasi erzählender Vortrag, der absolut zwingend und logisch wirkt. Julian Riems Kollegen, so zum Beispiel nicht zuletzt schon vor Jahrzehnten auch sein ehemaliger Lehrer Michel Béroff mit einer immer noch sehr hörenswerten, die Virtuosität noch weitaus stärker in den Fokus nehmenden Interpretation, haben natürlich immer wieder bewiesen, dass es auch anders geht. Doch wenn man dieser Neuaufnahme lauscht, kann man sich das kaum noch vorstellen.

Debussys Etüden, einem Spätwerk des Komponisten von 1915, hat Julian Riem die ein Jahr später entstandenen Etüden von Karol Szymanowski gegenübergestellt, ein spannender Kontrast. Stärker als bei Debussy bilden die zwölf Etüden des 20 Jahre jüngeren Polen eine untrennbare Einheit, die einzelnen Stücke sind dafür sehr kurz, teils nur eine halbe Minute lang. Von der Klangsprache her sind sie noch schroffer als Debussys Etüden, teilweise ähneln sie entfernt dem späten Skrjabin. Auch dieses Werk gestaltet Julian Riem makellos und höchst überzeugend.

Die bei Tyxart erschienene Platte kommt außerdem mit einem gut geschriebenen, verständlichen und informativen Beiheft daher.


Jan Kampmeier, 30.11.2018

Label: TYXart , VÖ: 05.10.2018
Spielzeit: 56:41
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

Unser Service:

 Schriftgröße   + / - 

Drucker Seite drucken

RSS RSS


Anzeige

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2018) herunterladen (4200 KByte)

Class aktuell (4/2018) herunterladen (2986 KByte)