Magazin: CD-Kritiken
Wicks, Camilla: Violin Concertos & Pieces

Details zu Wicks, Camilla: Violin Concertos & Pieces: Robert Levin, Michelle Cooker, Horace Martinez

Wicks, Camilla: Violin Concertos & Pieces: Robert Levin, Michelle Cooker, Horace Martinez

Nachgemacht

Eine entbehrliche Veröffentlichung zu der großen Geigerin Camilla Wicks.

Der diskografische Nachlass der US-amerikanischen Violinistin Camilla Wicks (Jahrgang 1928) ist ein viel zu schmaler. Erst 2016 legten Music & Arts eine sorgfältige Dokumentation mit vielen hier ebenfalls zu hörenden Mitschnitten vor (6 CDs), nachdem bereits fünf Jahre zuvor das Violinkonzert von Beethoven (New York Philharmonic, Bruno Walter 1953) beim selben Label erschienen war. Nicht bei Music & Arts, sondern schon zuvor bei Biddulph erschien als Wiederveröffentlichung das im Februar 1952 im Studio mit dem Sveriges Radios Symfoniorkester Stockholm unter Sixten Ehrling für die Schallplatte aufgenommene Sibelius-Konzert, das bei Profil die Übersicht über Wicks‘ Konzerteinspielungen komplettiert. Alle diese Aufnahmen gelten heute allesamt als rechtefrei, die Music & Arts-Remasterings nicht, und die Dokumentation der Aufnahmen ist dank der redaktionellen Betreuung durch Tully Potter dort um ein Vielfaches sorgfältiger als in der jetzt vorliegenden deutschen ‚Kopie‘ (dort genaues Aufnahmedatum und Kontextualisierung, hier nur grobe Einordnung).

Beeindruckende Einspielungen

Die 4-CD-Box enthält eine beachtliche Zahl an beeindruckenden Einspielungen von Violinkonzerten, daneben Miniaturen größerer und kleinerer Art mit und ohne Klavier. Das Mendelssohn-Konzert unter Fritz Busch (Kopenhagen, 22. September 1949) wurde 2016 bei Music & Arts erstmals auf CD veröffentlicht – für die Solistin wie den Dirigenten eine substanzielle Repertoireergänzung, wenn auch vielleicht keine der ‚größten‘ Interpretationen des Werks. Leider ist das Remastering etwas matt und ‚unscharf‘ im Vergleich zur ‚Erstveröffentlichung‘ – ein Eindruck, der sich auch bei Wieniawskis zweitem Violinkonzert wiederholt (Hollywood, 14. August 1946, unter Leopold Stokowski) – hier war allerdings das Tonband-Ausgangsmaterial offensichtlich auch mehr als problematisch. Auch bei den Konzerten von Samuel Barber (Stockholm ohne Jahr, unter Sixten Ehrling) und Ludwig van Beethoven (New York, 15. Februar 1953, unter Bruno Walter) haben Music & Arts die Nase vorn, beim Beethoven sogar weit vorn. Am missglücktesten ist die Edition des Sibelius-Konzerts, das in der vorliegenden Edition um einen Halbton zu hoch erklingt (ob dies auch im Biddulph-Transfer geschehen ist, konnte ich mangels Verfügbarkeit nicht prüfen) – hierdurch verliert sich die besondere Aura von Wicks‘ und Sixten Ehrlings Interpretation in hohem Maße, auch wenn Wicks‘ Spiel in ihrer emotionalen Durchdringung, virtuosen Dichte und atmosphärischen Stärke beeindruckend bleibt. Immerhin scheint das Mastering des Tschaikowsky-Konzerts (Hollywood, 18. August 1953, unter William Steinberg) gelungener als jenes von Music & Arts, obschon das Rundfunkband selbst schon recht bejahrt ist.

Ein sehr uneinheitliches Fazit also – das ausschließlich die Transfers betrifft, nicht die Interpretationen –, betrachtet man etwa die Innenspannung beim Beethoven, die lyrische Transzendenz im Sibelius und die ‚romantische‘ Attitüde beim Barber-Konzert.

Von den Werken mit Klavierbegleitung ist das substanziellste Wieniawskis erstes Violinkonzert (mit Horace Martinez, 10. August 1960), doch finden sich auch je zwei Stücke von Chopin, Sarasate und Arthur Benjamin, Kreislers 'Tambourin chinois', Brahms‘ 7. 'Ungarischer Tanz', Schuberts 'Ave Maria', Mendelssohns 'Auf Flügeln des Gesanges', Ioan Scarlatescus Bagatelle und (ohne Klavier) Bjarne Brustads 'Trollkvenna' aus der Suite 'Eventyr'. All dies exekutiert Wicks mit wechselnden Klavierpartnern voller Elan, emotionaler Hingabe, Humor, klugem Formverständnis und emotionaler Tiefe. Eine wahre Schatztruhe all das. Nur leider anderswo besser ‚aufpoliert‘.


Dr. Jürgen Schaarwächter, 08.01.2019

Label: Profil - Edition Günter Hänssler
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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