Magazin: CD-Kritiken
Dvorak, Antonin: Piano Trios No. 3 & 4

Details zu Dvorak, Antonin: Piano Trios No. 3 & 4: Christian Tetzlaff, Tanja Tetzlaff, Lars Vogt

Dvorak, Antonin: Piano Trios No. 3 & 4: Christian Tetzlaff, Tanja Tetzlaff, Lars Vogt

Geschärfte Sinne

Lars Vogt und das Geschwisterpaar Tetzlaff profilieren sich als exzellentes Kammermusik-Team.

Vier Klaviertrios hat Antonín Dvořák insgesamt geschrieben, die Nummern drei und vier sind auf dieser beim Label Ondine erschienenen CD enthalten. Eingespielt haben sie drei Musiker, die schon jeweils einzeln für routinierte kammermusikalische Kompetenz stehen: Das Geschwisterpaar Tanja und Christian Tetzlaff (Violoncello/Violine) sowie der Pianist Lars Vogt. Ohne unter einem offiziellen Ensemble-Namen zu firmieren, arbeiten diese drei schon lange zusammen, auch ein Brahms-Album haben sie schon aufgenommen. Entsprechend aufeinander eingespielt ist die bewährte Formation, wie man schon im f-Moll-Trio B. 130 von Anfang an hören kann.

Musikalisches Bewusstsein

Von anfangs beinahe zerbrechlicher Leichtigkeit ist die Konversation zwischen den drei Instrumenten, die sich jedoch sogleich kontinuierlich steigert. Dieser Herausforderung im 'Allegro man non troppo' stellen sie sich mit flexibler, mal dezent zurückgenommener, mal energischer Artikulation und nehmen dabei dynamisch kein Blatt vor den Mund. Besonders kraftvoll kommt dabei die Violinstimme zum Tragen, dies aber mit vollem musikalischem Bewusstsein im Dienst der Interpretation und nicht etwa, um sich in den Vordergrund zu spielen. Tanja Tetzlaff kostet auf der langsamen, stillen Seite die melodischen Bögen in ihrer Stimme beispielsweise eingangs des 'Poco adagio' mit dem noblen Klang ihres 1776er-Guadagnini-Cellos prachtvoll aus.

Anschaulich erzählt

Unter dem Namen ‚Dumky‘ hat es das e-Moll-Trio B. 166 zu größerer Popularität gebracht. Die Bezeichnung leitet sich ab aus der Mehrzahl des slavischen Wortes ‚Dumka‘, das sinngemäß übersetzt ein elegisches Gedicht bezeichnet. In sechs Sätze gegliedert, besteht das Werk folgerichtig aus einer ebensolchen Zahl deskriptiv-lyrischer Abschnitte. An sich falsch ist die im Werkverzeichnis angegebene Haupttonart e-Moll, die einzelnen ‚Kapitel‘ stehen in völlig unterschiedlichen Tonarten. Formal wiederum gehen die ersten drei davon fließend ineinander über, bilden also so etwas wie einen unterteilten Kopfsatz. Die Phrasierung bleibt auch hier weiterhin glasklar, dabei emotional präsent und bestens geeignet, die kleinen Geschichten mit anschaulicher Intensität zu erzählen. Ob im Klavierpart luftig angeschlagene gebrochene Akkorde, tänzerische Elemente in der Geigenstimme oder breit ausgeformte Kantilenen im Cello – durchweg versteht es das Trio, musikalisch gehaltvolles Kapital aus den teils abrupten Tempo- und Stimmungswechseln zu schlagen. Mit viel Einfühlungsvermögen tauchen sie im zweiten Satz ab in Momente völliger Stille. Alles in allem repräsentiert jedes der Instrumente für sich einen starken Charakter – der aber gleichzeitig jeweils im großen konzeptionellen Ganzen aufgeht und über geschärfte Sinne dafür verfügt, genau an den richtigen Stellen die Initiative und das führende Konversationswort zu ergreifen. Interessant aufbereitet ist auch das Booklet, in dem die drei Musiker im Gespräch mit der Journalistin Friederike Westerhaus nicht nur Einblick in ihre Sichtweise auf das Werk geben, sondern auch den Entstehungskontext näher beleuchten.


Thomas Gehrig, 10.05.2019

Label: Ondine
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

Unser Service:

 Schriftgröße   + / - 

Drucker Seite drucken

RSS RSS


Anzeige

NOTE 1 - Mitteilungen (5/2019) herunterladen (2900 KByte)