Magazin: CD-Kritiken
Schumann, Robert: Spanisches Liederspiel

Details zu Schumann, Robert: Spanisches Liederspiel: Edith Mathis, Brigitte Fassbaender, Peter Schreier, Walter Berry, Paul Schilhawsky, Erik Werba

Schumann, Robert: Spanisches Liederspiel: Edith Mathis, Brigitte Fassbaender, Peter Schreier, Walter Berry, Paul Schilhawsky, Erik Werba

Pralinen zum Dessert

Dieser Salzburger Liederabend zeigt die vier namhaften Solisten und ihre Begleiter in Höchstform: schwungvoll, mitreißend, begeisternd.

Am 25. August 1974 läutete ein besonderes Konzert den letzten der angesetzten Liederabende im Rahmen der Salzburger Festspiele ein: Edith Mathis, Brigitte Fassbaender, Peter Schreier und Walter Berry nahmen sich, begleitet von Erik Werba und Paul Schilhawsky, des 'Spanischen Liederspiels' von Robert Schumann und der 'Liebeslieder-Walzer' op. 52 von Johannes Brahms an. Die internationale Presse war bereits abgereist und verpasste somit diesen herrlich pointierten Liederabend, der wie eine feine Praline zum Dessert den Festspielsommer final veredelte. Umso erfreulicher ist nun die Veröffentlichung dieser Spezialität beim Label Orfeo auf einer knapp 50-minütigen CD.

Während Brahms‘ 'Liebeslieder-Walzer' immer mal wieder, auch von Chören, auf dem Konzertspielplan auftauchen, darf Robert Schumanns 'Spanisches Liederspiel' als kleine Rarität gelten, die auch auf Tonträgern stark unterrepräsentiert ist. Die Irrungen, Wirrungen, Freuden und Leiden der Liebe gießt Schumann hier in temperamentvolle kleine Miniaturen, die vornehmlich als Duette sowie in zwei Solonummern und zwei Quartetten Gestalt annehmen. Für die Umsetzung braucht es erstklassige Solisten, die über die richtige Mischung aus Humor und großer Ernsthaftigkeit verfügen. Das 1974 in Salzburg versammelte Quartett nennt all die notwendigen Qualitäten sein Eigen. Detailverliebt und frei von Sentimentalität spannen die vier erfahrenen Liedsänger große Bögen, phrasieren so kunstvoll und zugleich so ungekünstelt, dass es eine Wonne ist, ihnen zuzuhören. Dass ihre Artikulation zudem hervorragend ist, macht ihre Interpretation nur noch fesselnder. Erik Werba an den Tasten versteht es, diese Schumann-Trouvaille mit leichter Hand, stets die Solisten unterstützend, zu servieren. Die vier trägt es quasi auf den Wellen seiner Begleitkunst beschwingt dahin.

Faszinierender Zusammenklang

Faszinierend ist der harmonische Zusammenklang des Quartetts. Die Stimmen blenden auf der einen Seite hervorragend, wenn es gefragt ist, auf der anderen Seite atmen diese vier höchst individuellen Stimmen eine große Freiheit im authentischen Eigenklang. Was sich einig findet, darf zugleich vereinzelt strahlen – genau dieser scheinbare Widerspruch macht das Erlebnis dieses Liederabends so faszinierend. Und zu welcher solistischen Größe die einzelnen Künstler finden, lässt sich schon in Schumanns 'Liederspiel' am Beispiel von Brigitte Fassbaender und Peter Schreier nachvollziehen: Mit herber Schönheit trumpft die junge Fassbaender in 'Melancholie' auf und Peter Schreier zeigt sich als Meister der Farben und Bögen in 'Geständnis'.

Die 'Liebeslieder-Walzer' von Johannes Brahms zeigen die launig und schwungvoll agierenden Künstler in Höchstform – und zu Erik Werba gesellt sich für den vierhändigen Klavierpart nun der Lied-erfahrene Paul Schilhawsky. Hier darf endlich auch Edith Mathis‘ glasklarer Sopran solistisch aufblühen und Schreier und Berry zeigen sich von ihrer Seite als Erzkomödianten in 'O die Frauen, o die Frauen'. Gerade in der Besetzung der Herren ist dieser Mitschnitt von Brahms‘ Opus 52 der späteren Einspielung von 1981 bei der Deutschen Grammophon – ebenfalls mit Mathis, Fassbaender, Schreier, aber mit Fischer-Dieskau anstelle von Berry – an Natürlichkeit deutlich überlegen und auch die Liveatmosphäre trägt zum lebendigen und mitreißenden Gesamteindruck entschieden bei. Am Ende der CD ist man fast enttäuscht, dass das Konzert bereits sein walzendes Finale erreicht haben soll. Die kunstvolle Leichtigkeit und Musikalität aller Mitwirkenden hallen aber noch lange nach.


Benjamin Künzel, 18.12.2018

Label: ORFEO , VÖ: 12.10.2018
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




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Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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