Magazin: CD-Kritiken
Estrellita

Details zu Estrellita: Elena Urioste, Tom Poster

Estrellita: Elena Urioste, Tom Poster

Anspruchsvolles Gesamtpaket

Ganz im Sinne des Albumtitels lässt 'Estrellita' wertvolle Evergreen- und Encore-Juwelen funkeln.

Emotionale Melodik ist beiden, wie sie im selbstverfassten Begleittext angeben, wichtiger als die virtuose Komponente, und so ist die Auswahl der Stücke folgerichtig: Eine Vielzahl kurzer, zu Herzen gehender Petitessen – viele davon beliebte Evergreens und Encores – haben Elena Urioste (Violine) und Tom Poster (Klavier) für ihr gemeinsames, bei BIS Records erschienenes Album mit dem Titel 'Estrellita' ausgewählt. Letzterer ist sozusagen schon Programm, das gleichnamige Lied des mexikanischen Komponisten Manuel Ponce (1882–1948) hat es in der Transkription von Jascha Heifetz zu einiger Popularität gebracht und ist einer der ‚Schmachtfetzen‘ der Geigenliteratur schlechthin. Die leicht abwertende Konnotation dieser Bezeichnung soll hier freilich explizit außen vor bleiben, mit so viel Charme und erwärmendem Vibrato gesungen wie hier verfehlt das Lied seine anrührende Wirkung nicht.

Auf keinen Fall fehlen darf bei einer solchen Kompilation der Name Fritz Kreisler: In seinen Stücken 'Caprice viennois' und 'Preghiera' sowie den Arrangements von Dvořáks 'Lieder, die meine Mutter mich lehrte', Glucks berühmter 'Melodie' aus 'Orpheus und Euridike' und Richard Heubergers 'Midnight Bells' kommt neben der Tongebung auch die Spieltechnik des Interpreten auf den Prüfstand – Urioste besteht den Test auf beiden Ebenen überzeugend. Poster begleitet einfühlsam und agogisch flexibel, den Ritardandi und Crescendi der Violinstimme passt er sich variabel an.

Volltreffer

Dass Bearbeitungen beliebter Stücke durch große Geiger überlebensfähig sind und die Literatur für deren Instrument dauerhaft bereichern können, beweisen zwei weitere Transkriptionen von Jascha Heifetz (Debussys 'Beau soir' und Gershwins 'My man‘s gone now' aus 'Porgy and Bess') sowie Nathan Milsteins Version von Liszts 'Consolation' Nr. 3. Sowohl die satztechnischen Fähigkeiten der Urheber als auch die vorliegenden Interpretationen besitzen das richtige Gespür für die Gratwanderung zwischen Entertainment und Melancholie und sind liebenswerte musikalische Volltreffer. Seine Visitenkarte als guter Arrangeur gibt auch Poster selbst ab: Die hier zu hörenden, gefällig eingerichteten Fassungen von Henry Mancinis 'Moon River', Viktor Youngs (seines Zeichens übrigens ebenfalls Konzertgeiger) 'When I fall in love' und Harold Arlens 'Over the Rainbow' stammen als individuelles Alleinstellungsmerkmal aus der Feder des jungen Briten und verbreiten echtes 'American Songbook'-Flair. Edward Elgars 'Salut d‘amour' gehört als weiteres Paradestück zu den Highlights. Eine gute Klangqualität und ein persönlich gestaltetes Booklet komplettieren ein ästhetisch anspruchsvolles Gesamtpaket, das auf weitere Alben dieses Duos hoffen lässt.


Thomas Gehrig, 22.02.2019

Label: BIS Records , VÖ: 05.09.2018
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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