Magazin: CD-Kritiken
Szymanowski, Karol: Piano Music

Details zu Szymanowski, Karol: Piano Music: Marek Szlezer, Piano

Szymanowski, Karol: Piano Music: Marek Szlezer, Piano

Aufkeimen einer neuen Zeit

Marek Szlezer gibt hier eine ziemlich eindrucksvolle Kostprobe der selten zu hörenden Frühwerke für Klavier von Karol Szymanowski.

Gleich zwei Platten mit Frühwerken für Klavier von Karol Szymanowski sind jüngst erschienen, und die neun sehr kurzen Präludien op. 1 finden sich sogar auf beiden. Marek Szlezer bevorzugt im Vergleich den romantischeren Klang: fülliger, mehr Pedal, größere Freiheit im Tempo. Sein Kollege (oder Konkurrent?) Matthias Roth setzt auf Transparenz und verwirklicht die dynamischen Unterschiede lebhafter, ist in der Artikulation auch klarer. Sehr attraktiv klingen beide Ansätze.

Stärker noch als in Szymanowskis op. 1 spürt man in Marek Szlezers Interpretation eines aus diesem Zyklus wieder gestrichenen Präludiums sowie in den vier Etüden op. 4 seine üppige Klanggebung und betont emotionale Herangehensweise. Das scheint der Tatsache Rechnung zu tragen, dass Karol Szymanowski all diese Stücke als Teenager komponierte und mag daher wohl angemessen sein. Nur wenig später sind ein Präludium und eine Fuge in cis-moll sowie die Variationen über ein polnisches Volksthema op. 10 entstanden, das größte Werk der neuen Platte als Finale. Der in dieser Aufnahme gut 20-minütige Zyklus ist durchaus beeindruckend und sehr kontrastreich. Marek Szlezer setzt diese zwischen äußerst zarten und mächtig aufbrausenden Klängen pendelnden Kontraste mehr als deutlich in Szene.

All diese Werke gehören noch der Zeit an, bevor Szymanowski zu seinem späteren, dissonanteren Stil fand, und abgesehen von der berühmten Etüde op. 4/3 hat man sie, wie der Komponist später auch selbst, als vermeintlich unreif wohl lange eher wenig beachtet. Dabei beweist Marek Szlezer mit seiner Platte, wie spannend und ausdrucksstark diese Musik sein kann, in der man das gerade erst vergangene 19. Jahrhundert noch ebenso spürt wie das Aufkeimen einer neuen Zeit. Der Flügel klingt auf dieser bei Dux erschienenen Platte nahezu perfekt, und interessant ist auch das Beiheft, da der Pianist Marek Szlezer selbst den Einführungstext verfasst hat. Der allerdings ist nur auf polnisch und englisch abgedruckt.


Jan Kampmeier, 19.11.2018

Label: DUX , VÖ: 07.09.2018
Interpretation: 
Klangqualität: 
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Booklet: 




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Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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