Magazin: CD-Kritiken
Liszt, Franz: Twelve Symphonic Poems

Details zu Liszt, Franz: Twelve Symphonic Poems: Leslie Howard, Mattia Ometto

Liszt, Franz: Twelve Symphonic Poems: Leslie Howard, Mattia Ometto

Erhellend

Liszts Sinfonische Dichtungen in der Fassung für zwei Klaviere.

Den Anspruch, dass Franz Liszt mit seiner Programmmusik eine Erneuerung der Musik anstrebte, dabei eine innigere Verbindung von Poesie und Musik als in Lied, Oratorium, Oper im Sinn hatte, belegen die Sinfonischen Dichtungen eindrucksvoll. Gleichzeitig dokumentiert hier Liszt, dass er keineswegs ein ungebildeter komponierender Klaviervirtuose war, sondern ein Wegbereiter einer modernen Musik, die nicht auf sich entwickelnden melodischen Gedanken beruht. Liszt arbeitet weniger mit thematischen Charakteren, sondern mit harmonischen Feldern und steht so natürlich in krassem Gegensatz zum Schaffen von Brahms, Schumann, Wagner oder Berlioz. (Eine reizvolle These lautet, dass die Reihenfolge der Sinfonischen Dichtungen eine Art ‚Metaprogramm‘ darstellen könne. Hört man sich diese Einspielung ohne Unterbrechung an, so könnte man ihr zustimmen.)

Musikalische ‚Artefakte‘

Dass es Liszt auch um die Vermittlung von Musik ging, belegen seine zahlreichen Transkriptionen für Klavier. Im Fall der Sinfonischen Dichtungen existieren auch welche für zwei Klaviere. Mattia Ometto und Leslie Howard haben schon im Jahre 2016 diese Fassung eingespielt, die im Jahre 2018 auf CD erschienen ist. Die ursprünglichen Gründe der Übertragung von Orchesterwerken auf ein oder mehrere Klaviere sind längst hinfällig. Was ist also so reizvoll an diesen ‚Artefakten‘ einer längst vergangenen Epoche, in der es noch keine modernen Medien gab und ein Anton Bruckner erst 30 Jahre alt werden musste, bevor er ein Orchester hören konnte? Im Falle der Sinfonischen Dichtungen kann man davon ausgehen, dass Liszt es auch darum gegangen sein muss, gewisse kompositorische Aspekte in den Vordergrund zu stellen.

Ein Vergleich mit der Orchesterfassung ist sehr aufschlussreich. Leslie Howard, der bereits das komplette Klavierwerk von Liszt auf Tonträger eingespielt hat und 2017 den Franz-Liszt-Ehrenpreis der Klassik Stiftung Weimar erhalten hat, und sein Partner Mattia Ometto erweisen sich als scharfsinnige Kenner dieser Musik. Hervorragend, dass beide Pianisten nicht das Virtuose in den Vordergrund stellen, sondern vor dem Hintergrund einer subtilen dynamischen Abstimmung vor allem die klanglichen Aspekte. Leider ist die Klangqualität nicht unter allen Aspekten überzeugend, vor allem die tiefen Töne wirken oft dumpfig. Die Musikindustrie wirft jährlich Tonträger aus, die man getrost dem Orkus des Vergessens übergeben kann. Das gilt für die vorliegende Einspielung nicht.


Michael Pitz-Grewenig, 27.11.2019

Label: Brilliant classics , VÖ: 31.08.2018
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 
Booklet: 




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Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

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